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Adele98 08.10.2019 01:21

FN Hanschoo
 
Familienname: Hausname Hanschoo
Zeit/Jahr der Nennung: seit 17.... (?) oder früher
Ort/Region der Nennung: Waldeck (Schmillinghausen)


Guten Abend!

Was koennte der Name Hanschoo - ein Hausname seit 17... oder schon davor - bedeuten?

Habe den Hausnamen selten geschrieben gesehen; insbesondere die letzte Silbe habe ich daher so geschrieben, wie man sie (auf plattdeutsch) in etwa spricht.


Gute Nacht von Adele und bis bald!

Xylander 08.10.2019 18:52

Hallo Adele,
ist das noch westfälisches Sprachgebiet, wie ich annehme, oder hessisches? Und was meinst Du mit Hausname? Name des Hofes und der dort lebenden Familie? Oder sowas in der Art wie "Haus zum Schwan" (nur als Beispiel)? Hanschoo klingt wie niederdeutsch Handschuh, das muss es aber nicht sein. Welche geschriebene Form hast Du denn?
Viele Grüße
Xylander
PS Hier wird für waldeckisch Handschuh die Form Hanske genannt
https://books.google.de/books?id=Mip...R_BQ0Q6AEIKDAA
Das scheint es also nicht zu sein, vor allem wegen des sk. Oder hast Du mal Hanskoo gehört?

Adele98 08.10.2019 23:22

Hallo, Xylander!

Vielen Dank für die Antwort + den Link!

"Das Waldecker Platt - oder auch Niederdeutsch genannt - ist eine westfälische Untermundart."

Ja, mit Hausname ist der Name des Hofes + Bewohner gemeint. Man nennt zuerst den Hausnamen (oft in der Mehrzahl, z. B. durch Anhang s) und dann den Vornamen.
Das plattdt. Wort für Handschuhe ist Han(d)sken, in der Einzahl kenne ich es nicht. ;-)

Es gibt im Verlauf der Fam.-Geschichte einen wahrscheinlich unehelichen Sohn. Der Vater ist nicht 100% klar bisher. Könnte das "Han" ein Hinweis sein auf den Vater-Vornamen? Aber was bedeutet "schoo"?

Ich habe bis jetzt leider nur die o.g. Schreibweise....

Xylander 09.10.2019 10:39

Hallo Adele,
ja, das gehört zum Ostwestfälischen, deute ich die Karte da richtig? im ersten Link kannst Du sie anklicken Oder so gerade noch Südwestfälisch?
https://www.lwl.org/LWL/Kultur/Westf...arten/#anker-7
https://de.wikipedia.org/wiki/Ostwestf%C3%A4lisch

In meinem eigenen Südwestfälisch, aber an der Grenze zum Ostbergischen heißen Handschuhe Hanschen. Ich würde die Handschuhe noch nicht ausschließen wollen, einfach weil diese Deutung Sinn ergäbe.
Sonst habe ich noch mittelniederdeutsch hantschouwen - handlesen gefunden.
http://www.koeblergerhard.de/wikilin...n+&f=mnd&mod=0

Und dann fiel mir noch der ostdeutsche/slawische FN Hanschow ein, gesprochen Hanscho, aber das kann es ja wohl nicht sein

Mit dem Vater-Vornamen (das wäre ja wohl Johann) kann ich im Moment nichts anfangen.

Gibt es den Hof noch, und hast Du irgendwelche Berichte in Zeitungen, Heimatblättern o.ä.?
Nachtrag: ganz übersehen: eine Zusammensetzung mit Hahn, falls das a lang gesprochen wird
Viele Grüße
Xylander

Adele98 09.10.2019 12:53

Hallo!

Ich glaube, ostwestfälisch stimmt. Aber so genau kenn ich mich nicht aus.

"Südlich der Sprachgrenze durch das Waldecker Land wird bereits Nordhessisch gesprochen..."

Am nächsten kommt noch der ostdt./slaw. FN Hanschow. ;)) Aber das kann es nicht sein. Was bedeutet dieser denn?

Ja, der Vater-Vorname war ggf. Johannes. Vll. kommt das "han" von daher, Johannes Sohn, Hans´Sohn. Aber dann müsste es ja eher "Hanson/Hansen" heißen, nicht "Hanschoo". ??? Oder wurde die Endsilbe immer weiter verändert und verschliffen, folgte das Verschleifen gewissen Regeln?

Hahn eher nicht, da das a kurz gesprochen wird (hann).
Handschuh ist noch offen.....
handschouwen - handlesen, klingt interessant!, ob mittelniederdt. zutreffen könnte, weiß ich nicht...
Berichte aus Zeitungen o. ä. dazu habe ich (bisher) nicht....


Viele Grüße!

Xylander 10.10.2019 10:25

Hallo Adele,
Hanschow können wir wohl ausschließen, da wäre ich mit der Deutung auch überfordert (aber natürlich gäbe es Experten, zB unseren Moderator Laurin)

Mittelniederdeutsch ist die frühere Sprachstufe des niederdeutschen Sprachbereichs, die ziehe ich routinemäßig heran, weil man da auch seltene Begriffe findet, die sich später nur regional oder lokal erhalten haben könnten. Außerdem sind viele Familiennamen in der Epoche des Mittelniederdeutschen entstanden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Mittel...utsche_Sprache

Dass Hans' Sohn zu Hanschoo verschliffen worden wäre, kann ich mir nicht vorstellen. Auch die -sen-Namen sind ja eher norddeutsch oder skandinavisch. Zwar wird der schwedische Name Hansson mW Hanschon ausgesprochen, aber wie kam ein Schwede nach Schmillinghausen? Klar, da hat man ja immer den 30jährigen Krieg als Standarderklärung. Und wo blieb das -n? Bei Peterschon ist es erhalten.

Eine andere Zusammensetzung mit Hans fällt mir im Moment auch nicht ein.

Bisher also viele Möglichkeiten, Mutmaßungen, Konjunktive. Ich tippe immer noch am ehesten auf einen unbekannten Begriff Han- und einen unbekannten Begriff -schoo. Kann aber alles auch ganz anders sein:)

Viele Grüße
Xylander

Laurin 10.10.2019 20:55

Zitat:

Zitat von Xylander (Beitrag 1213475)
Hanschow können wir wohl ausschließen, da wäre ich mit der Deutung auch überfordert (aber natürlich gäbe es Experten, z.B. unseren Moderator Laurin)

Hallo,

der blätterte schon mal in einschlägigen Werken, fand aber auch nichts dazu - zumindest keinen Ortsnamen, was ja naheliegend wäre.
Gottschald hat zwar Hänscheid (ON Siegkreis) - evtl. regional Hanschoo?, und zu Johannes noch die slaw. Form Hannusch, sonst aber nichts annähernd Passendes.

Ich schließe mich auch euerer Etymologie "Hans" an.

Xylander 11.10.2019 10:07

Danke Laurin. Ich habe nochmal im Wörterbuchnetz nachgeschaut, bin aber auch nicht weitergekommen.
Auf meiner CD Die Dialekte von Nordrhein-Westfalen, herausgegeben vom LVR und LWL mit 44 Sprachaufnahmen, spricht der Sprecher des Ostwestfälischen aus Eissen/Höxter das Wort Schole (Schule) mit Schule-sch aus, also nicht Skole oder S-chole.

Im Interaktiven Sprachatlas ISA des LWL gibt es Sprecherinnen/Sprecher aus Diemelstadt-Neudorf, Volkmarsen-Külte und Twistetal-Gembeck. Alle drei sprechen das sch in schengen (schimpfen) und schon graut (schon groß, siehe unter groß) wie in hochdeutsch Schule aus.
https://www.lwl.org/LWL/Kultur/komuna/isa/#/10/15/33/79
https://www.lwl.org/LWL/Kultur/komuna/isa/#/10/12/12/79

Also kann in Hanschoo durchaus ein plattdeutsches sch enthalten sein. Ob allerdings doch Schuh(e) gemeint ist, das hängt davon ab, ob das Wort im Waldecker Platt als Schoh oder als Schauh erscheint.

Zur anderen Theorie: den FN Hansohn findet Google. Hanschohn nicht.

Nachtrag:
Um die vielen Bürger gleichen Nachnamens auseinanderhalten zu können, wurden Hausnamen vergeben, die auf Berufe verweisen und noch heute in Gebrauch sind. So etwa „Ligges“ in Helmighausen. Der Beiname „Konsum“ für eine Familie Ständeke dürfte auf einen Dorfladen verweisen.
https://www.wlz-online.de/waldeck/ba...g-5384964.html

Demnach müssten wir nach einem Beruf suchen

Wir kommen offensichtlich nicht weiter, solange wir keinen schriftlichen Beleg haben.

Adele, hier müsstest Du in der Ortsgeschichte weiterforschen. Siehst Du da einen Weg?

Viele Grüße
Xylander

Adele98 11.10.2019 22:50

Guten Abend!
Zuerst einmal: Vielen Dank, Xylander und Laurin, für so viel Recherche!!!

Ich erkundige mich mal, wie Schuhe übersetzt werden und was ich über die Ortsgeschichte noch ermitteln kann...

Leider steht in diesem Fall der Hausname im OSB nicht dabei, wie in anderen OSB schon öfter gesehen. :(

Viele Grüße von Adele

Xylander 12.10.2019 11:23

Hallo Adele,
im Moment habe ich keine Ideen mehr. Ist aber ein spannendes Thema, ich hoffe Du kommst da weiter. Hast Du es schon im Stadtarchiv versucht oder beim Heimatverein? Oder bei dem/den Verfassern des OSB?
Viel Erfolg!
Xylander


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