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Wynne 07.10.2019 19:18

Böswillige Bezeichnung oder echter Beruf?
 
Liste der Anhänge anzeigen (Anzahl: 1)
Hallo,
grade fand ich im KB von Thulendorf Meck-Pomm einen Eintrag über meine 8. Urgroßtante. Ich gehe davon aus dass ich die Bemerkung in Klammern richtig
gelesen habe? 8o
Auf jeden Fall frage ich mich jetzt ob das nur aus Bosheit geschrieben wurde weil sie zum Kind keinen Vater hatte oder ob das tatsächlich ihr Beruf war?
Waren manch Pfarrer so und bezeichneten Mütter von unehelichen Kindern so?

benangel 07.10.2019 19:20

Zitat:

Zitat von Wynne (Beitrag 1212850)
Waren manch Pfarrer so und bezeichneten Mütter von unehelichen Kindern so?

Ja!

GiselaR 07.10.2019 19:30

Zitat:

Zitat von Wynne (Beitrag 1212850)
0... ob das tatsächlich ihr Beruf war?
Waren manch Pfarrer so und bezeichneten Mütter von unehelichen Kindern so?

1. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit: nein
2. nicht manche Pfarrer, sondern sehr sehr viele.
Grüße
Gisela

Wynne 07.10.2019 19:33

Ich bin darüber wirklich schockiert.
Ich habe ja schon viele Einträge unehelicher Kinder gesehen,
aber sowas habe ich wirklich noch niemals gelesen.
Dass immer festgehalten wird dass das Kind unehelich war bzw.
die Mutter unverheiratet ja.
Aber dass man eine Mutter so bezeichnete.. da bleibt mir echt die Spucke weg :-/

Anna Sara Weingart 07.10.2019 19:34

Hallo Wynne,
früher war jede Frau, die unehelichen Beischlaf hatte, eine "Hure". So ändert sich die Bedeutung von Begriffen im Laufe der Jahrhunderte.


"im mildesten sinne bedeutet das wort ein gefallenes, jungfräulicher ehre baares mädchen"
http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...&lemid=GH13652

GiselaR 07.10.2019 19:38

genau! Sexarbeiterin war damit in der Regel nicht gemeint.

Wynne 07.10.2019 19:40

Wie gesagt, ich forsche ja nun auch schon 13 Jahre und habe sowas wirklich noch nie gelesen. Deflorata oder unehelich ja aber nicht das. Wie herablassend :(

consanguineus 07.10.2019 19:52

Zitat:

Zitat von Wynne (Beitrag 1212861)
Wie gesagt, ich forsche ja nun auch schon 13 Jahre und habe sowas wirklich noch nie gelesen. Deflorata oder unehelich ja aber nicht das. Wie herablassend :/


Man darf wohl nicht den Fehler machen, Sitten und Gebräuche aus vergangenen Zeiten mit unseren heutigen Maßstäben zu messen.

Malte55 07.10.2019 20:06

Moin,
wenn die Mutter stur ist und keinen Vater nennen will, dann kann ich mir schon vorstellen das der Pastor gemein wurde. Es gibt aber auch solche die umschrieben es mit >es muß wohl viele Väter haben, denn sie wußte keinen anzugeben<.
Ich würde tatsächlich meinen das >Hur< meist dann gewählt wurde wenn kein Vater angegeben ist. Vielleicht täusche ich mich auch.
Malte

Nebelmond 07.10.2019 20:15

Hallo Wynne,
in Mecklenburg war es ja allgemein noch human mit den Unmutsbekundungen diverser Pfarrer. Forsche mal in anderen Gegenden, Sachsen oder auch zum Teil Sachsen-Anhalt :D da könnte man ein ganzes Pamphlet zusammenstellen zum Thema "niederträchtige, demütigende Äußerungen" aus den Kirchenbüchern, wenn eine unverheiratete Frau ein Kind bekam oder die Braut bei der Hochzeit bereits schwanger war.
"haben gegen das 6. Gebot verstoßen, Gott und die Kirche betrogen",
"haben gesündiget, Trauung ohne Sang und Klang",
"wurden wie Huren und Buben getrauet, wie für solches Pack gehöret",
"Gott hat gnädig die erhurte Leibesfrucht entbunden",
"haben kniend vor dem Altar Kirchenbuße geleistet",
"haben sich vor der Copulation fleischlich vermischet",
"hat die Braut vor der Copulation beschlaffen, wovon sie schwanger worden",
um nur einige gefundene Bemerkungen zu nennen, speziell aus der ersten Hälfte des 18. Jh. Es wurde auch oftmals genau aufgepaßt, wann das erste Kind zur Welt kam, anschließend notiert : 19 Wochen nach der Copulation und mitunter nachträglich die Worte "Jungfrau" und "Junggeselle" im Traueintrag gestrichen.
Bei Benutzung der Spaltenbücher ab ca. 1799 sind derartige häßliche Einlassungen der Pfarrer dann kaum noch zu finden.
LG Nebelmond


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