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Alt 06.12.2009, 10:19
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Standard Amtsblatt Coblenz 1837

Amtsblatt Coblenz 1837

Raubmord an August Keßler

Am 17. dieses Monats, ungefähr um 2 Uhr des Nachmittags, ist auf dem Fußwege zwischen Lauterbach und Ludweiler im Walde, auf diesseitigem Gebiete, ein Raubmord an einem Handwerksburschen Namens August Keßler aus dem Badischen, verübt worden.

Der Verdacht dieses Raubmordes ruht auf einem angeblichen Gipser aus der Provinz Brandenburg, der seit längerer Zeit in Frankreich theils als Knecht, theils auf seiner Profession arbeitend, sich aufgehalten hat, dessen Signalement hier unten folgt. In der dem Keßler abgenommenen Brieftasche von ziemlicher Größe, rothem Saffian, im Innern mit mehreren Programmblättern und Taschen, auf welch letzteren sich Gemälde befanden, wovon eins die Stadt Schaffhausen, das andere zwei Hirsche mit einem Jäger darstellt, waren nachstehende Gegenstände enthalten:

1) Das Wanderbuch des Keßler in einem bläulichen Futteral von Pappendeckel, die Decke des Wanderbuchs ist grünlich. Dasselbe ist im Jahre 1834 vom Oberamte zu Erbenheim anfänglichst irrthümlich auf den Namen August Löffler ausgestellt, welches durch einen Randzusatz verbessert worden ist; die Profession des Keßler ist darin als Mühlbereiter angegeben.

2) Ein Heimathschein des Keßler von dem Bürgermeister zu Ringsheim im August v. J. ausgestellt, von dem französischen Gesandten zu Karlsruhe und dem badischen Gesandten zu Paris legalisirt.

3) Ein Empfehlungs-Schreiben von dem früheren Lehrmeister des Keßler, Namens Johann Anton Hülfer von Zoll am Harmesbach, im Kinzigthale, an einen gewissen Hülfer zu Walskirch bei Freiburg.

4) Einige Papiere die auf eine Verurtheilung des Keßler in Schlettstadt wegen Schmuggelei Bezug hatten.

Indem ich dies hierdurch zur allgemeinen Kenntniß bringe, und zu vermuthen steht, daß der Raubmörder auf den Namen und die Legitimations-Papiere des Keßler reiset, ersuche ich alle und jede Polizei- und sonstige Behörden so dringend als ganz ergebenst auf den Verdächtigen sorgfältigst zu invigiliren, ihn im Betretungsfalle verhaften und unter sicherer Bedeckung mir vorführen zu lassen.

Saarbrücken, den 19. August 1837
Der Königl. Ober-Prokurator
Deuster

Signalement:
Namen: unbekannt; Alter: 22 bis 24 Jahre; Gesicht: rund und vollkommen; Haare: blond und lang; Gesichtsfarbe: roth und gesund; Bart: keiner; Statur: ziemlich klein aber stark.
Bekleidung:
Ueberhemd von Baumwollenzeug, ganz fein blau und weiß gestreift, auf der Brust ganz offen, mit einem umliegenden Kragen, am Halse mit einem schwarz angelaufenen Krampen versehen, um den Leib eine am Kittel selbst festgenähte Binde von demselben Zeuge und in der Gegend der Hüften auf beiden Seiten mit Taschen versehen; Hosen von ähnlichem Zeuge nur breiter gestreift und auf den Knien mit zwei aufgesetzten Stücken geflickt; ein Paar alte Stiefeln, wovon einer an der Zehe ein Loch hatte; dunkelblaue Tuchkappe an den Seitenstücken circa einen Finger lang gerippt, mit einem dreieckigen Boden, der etwas auf die Seite herunter hing, einen kleinen Schirm, in der Mitte etwas los und an einem Sturmband von schwarzem Glanzleder.

Nachtrag zu August Keßler

Nach neuern Ermittlungen ist der, in der Bekannmachung des Königl. Ober-Prokurators zu Saarbrücken vom 19. d. M. bezeichnete, des Raubmordes an dem Handwerksburschen August Keßler aus dem Badischen, höchst verdächtige Mensch, kein Preuße aus der Provinz Brandenburg, sondern er ist im Belgischen, in der Gegend von Luxemburg zu Hause. Derselbe spricht das Französische schlecht, und das Deutsche in dem bei Luxemburg gewöhnlichen Dialekte, und führt den Vornamen Francois, welches zur Berichtigung jener Bekanntmachung vom 19. d. M. auf Veranlassung des oben genannten Herrn Ober-Prokurators zur allgemeinen Kenntniß gebracht wird.

Coblenz, den 25. August 1837
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Viele Grüsse
Konni
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