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Alt 17.05.2019, 21:56
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Beate!

Zitat:
Zitat von Szillis-Kappelhoff Beitrag anzeigen
Ich lese Danzig und Harz (Serbien lasse ich mal außen vor).
Was ist denn gesichert?
Ich erzähle mal die Geschichte in kurzen Worten. Dann siehst Du, was gesichert ist und was nicht.

Von Synderouwe, senior, also dem Vater Bartholds, weiß man tatsächlich nichts. Genaugenommen noch nicht einmal, daß er Synderouwe hieß. Wir wissen nur, daß Bartolt Synderouwe 1446 als Schwestersohn des Herman Questenberg genannt wird, also dürfen wir davon ausgehen, daß Herman Questenberg eine Schwester hatte, welche jedoch namentlich nicht bekannt ist, die, zumindest wenn man davon ausgeht, daß der gemeinsame Sohn Bartolt den Familiennamen seines Vaters trug, einen Synderouwe geheiratet hat.

Herman Questenberg war der jüngste von sechs Brüdern. Er wird um 1400 geboren worden sein und starb 1485 oder 1486. Wo er geboren wurde wissen wir nicht, aber es deutet ziemlich alles darauf hin, daß sein Geburtsort, wie auch der seiner Brüder, im nördlichen, eventuell westlichen oder südlichen Harzvorland liegt. Herman ist seit 1432 in Danzig als Kaufmann nachgewiesen. Herman hatte acht Kinder.

Der älteste Bruder Hermans war Tile oder Tilman Questenberg, welcher um 1380 geboren wurde, ab 1418 in London als Kaufmann nachgewiesen ist, 1427 Kölner Bürger wurde und gemeinsam mit seinem Danziger Bruder ein Fernhandelsgeschäft betrieb. Tile starb 1445 ohne Leibeserben in Köln. Einen Teil seines Vermögens vermachte er den acht Kindern seines jüngsten Bruders und Bartolt Synderouwe, dem Schwestersohn seines Bruders Herman, also zugleich auch seinem.

Bei Bartolt Synderouwe wird es sich möglicherweise um Bertolt Questenberg handeln, von dem wir wissen, daß er ein Neffe Tiles und Hermans war, daß er ab 1432 für seine Brüder mit Handlungsvollmacht tätig war, und daß er 1441 das Kölner Bürgerrecht erwarb. Seine Geburt werden wir um 1410 anzusetzen haben.

Es fällt nämlich auf, daß Tile zu Erben offensichtlich nur Personen aus dem Kreis seiner zahlreichen Verwandschaft eingesetzt hat, mit denen ihn mehr verband als lediglich das Blut, nämlich die Kinder seines Bruders und Geschäftspartners. Und Bartolt Synderouwe! Das war für mich der Punkt, an dem ich zu vermuten begann, daß Bartolt Synderouwe und Bertolt Questenberg ein und dieselbe Person sein könnten. Wir können davon ausgehen, daß Bertolt den Namen Questenberg aus praktischen Erwägungen führte: seine Onkel, für die er arbeitete, trugen diesen Namen (welcher wahrscheinlich auch nicht der Name war, unter dem sie geboren wurden) und hatten sich unter ebendiesem Namen eine Reputation geschaffen.

Nachdem Tile in Köln gestorben war, wandten sich dessen Testamentsvollstrecker an die Stadt Danzig und baten um Zeugnis, daß Herman Questenberg und seine Frau Anna, genau die acht Kinder erzeugt hatten, welche im Testament Tiles bedacht wurden. Drei Danziger Bürger (Evert Rynckerode, Johan ter Bruggen und Kune Bruns) bezeugten dies. Die drei "nächsten Freunde" der acht Kinder Hermans und Annas sowie Bartolt Synderouwes (Johannes Simonis, ein Priester aus Pautczik bei Danzig, Lorentz Snelle, Einwohner des Dorfes Stubbelow bei Danzig und Claus Brun, Bürger zu Danzig) bevollmächtigten Herman Questenberg als Vater und Oheim der Schützlinge, das Vermögen, das Tile ihnen vermacht hatte, einzuziehen.

Hermans Kinder werden noch minderjährig gewesen sein. Der einzige Haken an der Sache ist, daß Bartolt Synderouwe offenbar ebenfalls eines Bevollmächtigten bedurfte, was darauf hindeuten könnte, daß er gleichfalls noch nicht volljährig war. In diesem Falle wäre Bartolt Synderouwe wohl nicht mit Bertolt Questenberg identisch. Der erfolgreiche Geschäftsmann und Kölner Büger Bertolt Questenberg hätte sich mit Mitte dreißig vermutlich recht gut selbst um seine Angelegenheiten kümmern können.

Also ist Bartolt Synderouwe vielleicht doch eher der Sohn einer Schwester Tiles und Hermans, die vom Alter her nahe bei Herman liegt, da Bartolt zum Zeitpunkt des Todes des Onkels Tile allem Anschein nach, gleich Hermans Kindern, noch nicht volljährig war. Unter dieser Voraussetzung könnte Bartolts Mutter mit ihrem Bruder Herman nach Danzig gezogen sein, wo sie ihren späteren Mann des Namens Synderouwe kennengelernt hat. Ob der nun aus Danzig oder der Umgebung Danzigs stammte, oder aber zu dem Kreis der Geschäftspartner Hermans gehörte, mit denen dieser Holz aus demjenigen Gebiet der heutige Ukraine beschaffte, in dem tatsächlich es einen Ort namens Synderow (heute Shenderiv) gibt, wissen wir nicht.

Falls aber Bartolt Synderouwe mit Bertolt Questenberg identisch ist, so muß die Mutter eher so alt wie Tile gewesen sein und kann mit Danzig gar nichts zu tun gehabt haben, da Herman bei Bartolts Geburt erst ungefähr zehn Jahre alt war und noch gar nicht nach Danzig gezogen war. In diesem Falle kommt theoretisch auch eine Familie Sind(e)ram infrage, welche in der Gegend von Osterode am Harz lebte und in der der Name Bartolt verbreitet war. Das ist natürlich nur Spekulation und ich überlasse die Beantwortung der Frage, ob "Sinderam" und "Synderouwe" unterschiedliche Schreibweisen desselben Namens sein könnten, auch lieber den Onomastikern und Ethymologen.

Im Grunde wissen wir von Bertolt Questenberg nur, daß er ein Neffe Tiles und Hermans war, also auch der Sohn eines der vier Brüder der beiden (Hinrik, Hennig, Evert und Lüdeke) hätte sein können.

Serbien lassen wir mal ganz aus dem Spiel. Das ist sicherlich keine heiße Spur.

Zitat:
Zitat von Szillis-Kappelhoff Beitrag anzeigen
Ich möchte den Blick nach Osten wenden und den Namen folgendermaßen trennen: Synder-o-uwe. Aus prussischer Sicht wäre das sinnvoll. meta.genealogy.net wirft den Namen Synder aus.
Was bedeutet denn Synder-o-uwe? Ist Synder also ein prussischer Name?

Viele Grüße
Matthias
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