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Alt 26.05.2009, 01:46
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Hina Hina ist offline weiblich
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Hallo Geza,

im Prinzip haben wir beide recht . Fast alle alten Familien, die sich namentlich belegt bis etwa in das 17., Anfang 18. Jh. zurückverfolgen lassen und deren Namen mit y oder yi enden, waren adeligen Familien. Bis dahin hat Dein Vater Dir das auch richtig erklärt. Aber, es gab auch adelige Familien, die nicht die Endung y haben, z.B. die Szep, Szerafin, Taaffe, Egeri (aber es gab auch Egery), Vachott und viele weitere.

Das y war jedoch auf Dauer nicht das Adelskennzeichen per se. Das einzige sichere Adelskennzeichen in Ungarn war, dass es sich um eine freie Familie handelte, die auch verpflichtet war, im Heer ihren Dienst zu tun. Ein Unfreier durfte keine Waffe führen und an kriegerischen Auseinandersetzungen teilnehmen. Das war diesen Adelsaufgeboren vorbehalten. Erst in der Nachnapoleonischen Zeit, als stehende Heere eingeführt wurden, änderte sich das.

Aber zurück zu den Namen. Auch beim Uradel in Deutschland war "von" kein offizielles Adelskennzeichen und in Polen der Suffix -ski ebenso nicht, obwohl das ursprünglich im Grunde nur beim Adel zu finden war und man es deshalb auch in der Frühzeit als sicheres Kennzeichen für die alten Adelsgeschlechter sehen kann. Das hatte schlicht und einfach den Grund, dass der Rest der Bevölkerung gar keinen Familiennamen führte und die Adeligen ihre Namen von ihrem Sitz ableiteten. Das war auch in vielen anderen europäischen Ländern so, dass man diese "Kennzeichen" findet, auch in Frankreich, Spanien, Portugal, Italien usw. Dennoch kann man in keinem einzigen dieser Länder den Umkehrschluss ziehen, alle, die auch in späterer Zeit diese Kennzeichen im Namen haben, würden adeligen Familien entstammen. Viel mehr muss man ergründen, seit wann die eigene Familie einen Familiennamen führt und wovon sich dieser ableitet. Es gab natürlich auch schon sehr alte Familien in den Städten, die Familiennamen führten, die jedoch bürgerlich waren. Deren Namen endeten in der Regel nicht mit diesem "Kennzeichen", da sie ihre Namen nicht von ihrem (nicht vorhandenen) Stammsitz, sondern z.B. von ihren Berufen oder ihrer Wohnstätte ableiteten.

In Ländern wie Polen und Ungarn wurde es erst mit Abschaffung der Leibeigenschaft gesetzlich gefordert, unveränderliche Familiennamen zu führen. Vorher war das auch nicht notwendig. Ein Leibeigener konnte sowieso nicht irgendwo hinziehen, wie er wollte. An seinem Heimatort war er aber mit seinem Rufnamen gut bekannt, hatte evtl. noch einen Beinamen, der sich aber in der Regel von Generation zu Generation änderte. Die Einführung der Familiennamen war aber genau der Zeitpunkt, ab dem man den Stand der Familie nicht mehr am Namen identifizieren konnte.

In dem von mir zitierten ungarischen Buch sind lange Listen von Familiennamen veröffentlicht, die sich einen neuen Familiennamen zulegten. Zudem finden sich dort auch die Vorschriften dazu. Handelt es sich beim gewünschten Namen z.B. um einen Namen, den auch ein adeliges Geschlecht führte, sollte von diesen die Genehmigung erbracht werden. Inwieweit das bei der Unzahl an Adelsgeschlechtern überhaupt nachvollziehbar gewesen wäre, weiß ich nicht, aber ich kann mir einen Reim darauf machen . Verboten war es jedoch nicht, Namen mit den Herkunftskennzeichen y oder yi anzunehmen. In der Veröffentlichung finden sich somit eine überaus große Anzahl Namen, die auf y, auf yi und auf i enden, deren frühere Namen z.B. Schuszter, Malik, Janka, Witz usw. waren. Aber es gab ja nicht nur diese veröffentlichten Namensänderungen sondern auch der Rest der Bevölkerung mußte Familiennamen annehmen. Dass es hier genauso gehandhabt wurde, versteht sich.

Spätestens seit dem 18./19. Jh., konnte man also in Ungarn anhand des Familiennamens absolut nicht mehr feststellen, ob es sich tatsächlich um eine adelige Familie handelte oder nicht. Genauso steht es um die -ski-Namen in Polen. Kommt man mit seiner Ahnenforschung jedoch belegt noch ein ganzes Stück weiter zurück und es handelte sich um eine freie Familie, kann man sicher sein, dass es sich um ein Adelsgeschlecht handelt. Aber ohne Ahnenforschung bringt selbst ein Fund einer gleichnamigen Adelsfamilie nicht den geringsten Aufschluss über die eigene Familie. Das sieht übrigens z.B. in Spanien und Frankreich nicht anders aus. Da gibt es auch heute noch vielen Namen mit "de" und nur ein Bruchteil davon waren adelige Geschlechter. Ebenso verhält es sich mit den vielen besonders in norddeutschen Namen vorhandenen "von" oder mit dem niederländischen "van", das ja noch viel häufiger vorkommt.

Das Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes würde mich übrigens sehr interessieren. Wo findet sich das? Ich kann mir zwar gut vorstellen, dass es anerkannt wurde, wenn die Familien bereits auf deutschem Territorium lebten und das "von" berechtigt oder auch nicht im Namen führten, dass sie es auch weiterhin als Namensbestandteil führen durften, jedoch wundert mich, dass die Familien, die das bis dahin nicht in der Praxis verwendeten, dieses "von" zusetzen durften. Das wäre eine etwas merkwürdige Praxis, an Namensänderungen. Die sind ja nur aus gewichtigem Grunde gestattet. Da aber ein Adelstitel oder -prädikate, noch dazu ein deutsches/österreichisches in einer Republik keinen gewichtigen Grund einer Namensänderung darstellt, wäre die Begründung dieses Entscheides doch recht interessant. Selbst in Zeiten der Monarchie musste sich ausländischer Adel immatrikulieren lassen und da wurde nicht in jedem Falle positiv entscheiden, dass der Antragsteller seine Titel und Prädikate auch in Deutschland führen durfte, geschweige denn entsprechende deutsche zu führen.

Viele Grüße
Hina
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"Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
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