Einzelnen Beitrag anzeigen
  #10  
Alt 28.05.2009, 22:19
Benutzerbild von Hina
Hina Hina ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 03.03.2007
Ort: Skive, Danmark
Beiträge: 4.662
Standard

Noch ein Nachtrag zu dem von mir oben erwähnten Buch über die ungarisierten größtenteils deutschen Familiennamen. Hierbei sollte erwähnt werden, dass es sich vor allem um die jüdische Bevölkerung handelte. Diese führten ursprünglich nur Patronyme, die sich also mit jeder Generation veränderten. Im Jahre 1788 kam es auf königlichen österreichisch-ungarischen Befehl dazu, dass alle diese Bürger sich innerhalb eines Jahres einen deutschen Namen zulegen mussten. Da der jüdische Bevölkerungsanteil in Ungarn nicht gerade klein war, wimmelte es nun buchstäblich vor deutschen Namen im Lande. Im Laufe der Zeit wurde die Bestimmung, dass sie deutsche Namen tragen mussten, wieder aufgehoben. Da die Familien jedoch in der Zeit vor ihren deutschen keinen Familiennamen führten, konnten sie sich einen ungarischen oder ungarisch klingenden Namen ausdenken.

In dem Buch sind über 14.500 Familien erfasst, die ab 1815 einen ungarischen Namen annahmen. Davon haben ca. 12.000 Familien einen ungarischen Namen mit -i und vor allem mit -y und -yi angenommen. Schon damals wurde beklagt, das hier in Größenordnung versucht wird, den Anschein zu erwecken, adeligen Geschlechtern zu entstammen. Es wird sogar ein Fall geschildert, in dem ein Schreiber seinen deutschen Namen in einen ungarischen änderte und gleichzeitig das adelige Sigel seines verstorbenen Kollegen ursurpierte.

Ich kann also jedem, der einen ungarischen Namen hat und nach "seinem" Adel und Wappen sucht, nur dringend empfehlen, es doch vor allem mal mit ernsthafter Ahnenforschung zu versuchen und nicht vermeindlich adeligen Namen hinterher zujagen. Es könnte doch so manches Wunder im eigenen Weltbild geschehen.

Viele Grüße
Hina
__________________
"Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
Mit Zitat antworten