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Alt 28.08.2009, 18:27
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Johannes v.W. Johannes v.W. ist offline männlich
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Hallo Stefan
Zitat:
Zitat von amerste Beitrag anzeigen
Fragen über Fragen...
Und hier eine (mögliche) Antwort

Amerkamp ist gemäß googlemap eine Lokalität von/oder bei Todtenhausen, das heute komplett in Minden eingewachsen zu sein scheint.
Früher dürfte es ein selbstständiger Hof oder eben ein kleines Gut gewesen sein.
In dem von dir zitierten Dokument ist von dem "Alten´schen Lehen" die Rede. Amerkamp war also ein Lehensbesitz und somit ein adeliges Gut.

Die Familie v. Alten ist eine der sehr bekannten niedersächsischen Uradelsfamilien, ebenso wie die genannten von Grone ("Johann Friedrich Grone").
Ein Lehensbesitz wurde dem niederen Adel vom Landesherrn, hier der Bischof von Minden, verliehen und verblieb in deren Besitz solange die Familie nicht im Mannesstamm ausstarb. In dem Fall wurde das Lehen wieder eingezogen (man sagt, "es fiel heim"), ein Ereignis, das auch nach Jahrhunderten von Familienbesitz eines Gutes eintreten konnte.
Scheinbar ist der genannte Johann v. Alten ohne männliche Erben geblieben. Normalerweise trat dann der nächste männliche Verwandte in die Reihe. Aber bei völliger Überschuldung konnte das auch zugunsten der Gläubiger übergangen werden. In solchen Fällen folgten oftmals jahrzehntelange Prozesse seitens der ausgebooteten Verwandten, die sie -man wird sich wundern- oft genug gewannen. Das Lehenssystem war, solange es noch einen männlichen Namensträger gab, wie eine Art Vorfahrtsrecht: Ein verschuldetes Gut konnte zwar verpfändet werden, aber nach Tilgung fiel es an die Familie zurück, der Besitz blieb also bestehen. Natürlich gab es auch Kompromißlösungen, die Familien hielten aber in der Regel eisern an ihren Lehensrechten fest.
Lehensakten und die darin dokumentierten dauernden Zwistigkeiten sind eine der Hauptquellen für die Genealogien des niederen Adels.

Zurück zum Thema:
Es ist nun die Frage, ob dein Johann v. Alten, Herr auf Amerkamp (= zu Amerkamp), einer eigenen Familie angehörte, die auszusterben drohte (weil das Lehen heimfiel), oder doch eher der großen, heute noch bestehenden Adelsfamilie. Ich vermute das letztere, da die Alten noch heute Gutsbesitz um Hannover und südwestlich davon, z.B. bei Barsinghausen (Gut Groß-Goltern) und bei Stadthagen (Gut Wormsthal) besitzen. Also ungefähr die Gegend.
Zur Alten´schen Familiengeschichte gibt es reichhaltige Literatur, in der der Johann auf Amerkamp zu finden sein müßte.

Im Katalog der Landesbibliothek Hannover finde ich z.B.:

Victor von Alten, Stammtafeln des Uradelichen Geschlechts von Alten, Berlin 1889

Victor von Alten, Sammlung von Regesten zu einer Familien-Geschichte der Herren von Alten, Hannover 1888

Eberhard C. von Alten, Urkundenbuch des altfreien Geschlechts der Barone, Grafen, Herren von Alten etc., Weimar 1901

Wenn der Johann v. Alten also dein Vorfahre ist, und er (wie ich meine) dieser Familie angehört, dann Glückwunsch:
Da fällst du sicher in einen schönen Stammbaum hinein ...

Viele Grüße
Johannes
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Dergleichen [genealogische] Nachrichten gereichen nicht nur denen Interessenten selbst, sondern auch anderen kuriosen Personen zu einem an sich unschuldigen Vergnügen; ja, sie haben gar oft in dem gemeinen Leben und bei besonderen Gelegenheiten ihren vielfältigen Nutzen. Johann Jakob Moser, 1752

Geändert von Johannes v.W. (28.08.2009 um 18:43 Uhr)
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