Einzelnen Beitrag anzeigen
  #5  
Alt 15.08.2011, 09:34
Xylander Xylander ist gerade online männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 2.691
Standard

Hallo Catha-Tina,

ja, regionale Unterschiede habe ich auch, aber ebenso wird die Tatsache eine Rolle spielen, dass es sich um Wohnstätten-Namen handelt. Die wurden sicherlich im Bewusstsein stark mit der jeweiligen Wohnstätte verbunden, die man ja kannte. Bei mir, wieder SW-Westfalen, floss im mündlichen Sprachgebrauch bis mindestens Mitte 20. JH gern mal ein aufm/opm oder vom/vam ein. Ein Beispiel kenne ich, wo derjenige familiär noch heute mit Vornamen + Präposition + Namen der Wohnstätte bezeichnet wird, den die Familie aber schon 1812 durch Einheirat verlor. Aber das hat inzwischen fast den Charakter eines Spitznamens angenommen.

Zur Entwicklung zwei Steuerlisten für die Bauerschaft Gennebreck, heute Stadtteil von Sprockhövel/Ennepe-Ruhr-Kreis

1644

60 Steuerpflichtige
3 ohne Wohnstättenangabe (Schmidt, Ehedomb = Schwiegersohn, Creditores = Gläubiger)
57 Wohnstätten-Namen
18 davon ohne Präposition

1705

67 Steuerpflichtige
1 ohne Wohnstättenangabe (Hahn)
6 mit Wohnstättenzusatz (zB. Schmidt auf Fluisloh, Schmidt auf der Straßen, Hahn Flanhard)
60 Wohnstätten-Namen
29 davon ohne Präposition

Die Entwicklung zum Wegfall der Präposition zeichnet sich klar ab, auch in der namen-konservativen niederdeutschen Region. Es gibt aber auch Fälle, wo die Präpositionen zum Bestandteil des festen Namens wurden, getrennt geschrieben Typ ten Hoff, oder zusammen geschrieben, Typ Aufderheide. Oder Zumbach, um mal andere Regionen zu betrachten.

Das große Übergewicht der Wohnstätten-Namen wird von einer Steuerliste, die kein Einwohnerverzeichnis darstellt, natürlich überzeichnet. Trotzdem erleichtert es die Familienforschung und erschwert sie zu gleich, Thema Genannt-Namen, die ja im dortigen Raum meist zwei Wohnstätten-Namen enthalten, aber das verdient einen eigenen Thread.

Als Vergleich für dieselbe Epoche habe ich bei mir nur den Raum Gummersbach im Oberbergischen: bei meinen Vorfahren deutlich geringerer Anteil der Wohnstätten-Namen, kein einziger mit Präposition. Generell vermute grob gesprochen eine Süd/Nordwanderung und eine Stadt/Landwanderung.

Sehr neugierig wäre ich auf süddeutsche, österreichische, Schweizer, ostdeutsche Beiträge, allgemein zu Beinamen, nicht nur zur Untergruppe Wohnstättennamen.

Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (15.08.2011 um 12:42 Uhr)
Mit Zitat antworten