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Alt 10.02.2016, 00:18
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Ralf-I-vonderMark Ralf-I-vonderMark ist offline männlich
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Standard Verwertungsrecht zur Digitalisierung und Indexierung der Filmkopien durch Ancestry

Hallo allen Interessierten an künftigen Ancestry-Digitalisate,

besonders spannend und für die aktuelle Digitalisierung und Indexierung von Kirchenbüchern aus den Verfilmungsbeständen der Genealogischen Gesellschaft von Utah durch Ancestry bedeutsam ist sodann die Frage, ob und in welcher Weise die Verwertungsrechte an den Kirchenbuchverfilmungen zwischen dem jeweiligen Rechtsinhaber und der Genealogischen Gesellschaft von Utah geregelt worden sind; insbesondere ob regionale, zeitliche oder auf bestimmte Medien bezogene Einschränkungen vereinbart wurden.

Das Verbot „kein Verleih an europäische Genealogie-Forschungsstellen“ ermöglicht gleichwohl den Verleih der Microfilmkopien durch die Genealogische Gesellschaft von Utah in den USA; z.B. an Ancestry. Durch die älteren Verträge vor 1992 bzw. vor 2003 wurde aber wohl kein Verbot zur sonstigen Verwertung der Filmkopien durch Dritte auf Datenträgern und im Internet geregelt; insbesondere nicht die Digitalisierung und Indexierung der Filmkopien durch Dritte. Daher dürfte eine auslegungsbedürftige Vertragslücke bestehen.

Es ist allerdings denkbar, dass aufgrund neuerer Verträge für die Verfilmungen von Kath. Kirchenbüchern ab 1992 die Verwendung der Filmkopien der Genealogischen Gesellschaft von Utah durch Dritte, insbesondere durch Ancestry unzulässig ist.

Dies bedeutet, dass die Genealogische Gesellschaft von Utah und Ancestry anscheinend eine Vertragslücke entdeckt haben und ausnutzen und demnach geplant sein könnte, dass Ancestry im Verlauf der Zeit zumindest die voraussichtlich von der Vertragslücke umfassten älteren Verfilmungen der deutschen Kirchenbücher aus dem Bestand der Genealogischen Gesellschaft von Utah digitalisieren und indexieren könnte.

Der Zeitplan bzw. die Reihenfolge mag dabei abhängig sein von den firmenstrategischen und wirtschaftlichen Erwägungen von Ancestry; wonach vielleicht vorrangig Ev. Kirchenbücher wegen der Konkurrenz zu ARCHION online gestellt werden sollen, z. B. insbesondere aus Regionen, in denen ARCHION noch nicht oder kaum präsent ist. Ideal wäre es (unrealistisches Wunschdenken), hierzu ein klarstellendes Statement von Ancestry zu erhalten. Der Wettbewerbsvorteil von Ancestry dürfte aber ohnedies darin bestehen, dass den Nutzern eine Indexierung zur Verfügung gestellt wird, welche trotz einer zweifelsohne gegebenen Fehlerhaftigkeit in vielen Fällen die Suche erleichtert oder überhaupt erst eine Spur offenlegt und einen Fund ermöglicht.

Doch unabhängig von der rechtlichen Zulässigkeit und der Firmenstrategie steht fest, dass Ancestry nur diejenigen Ev. und Kath. Kirchenbücher digitalisieren und indexieren kann, von denen die Genealogische Gesellschaft von Utah Filmkopien besitzt; sei es auf der Grundlage eines Vertrages mit einer Ev. Landeskirche, einem Kath. Bistum, einem Staatsarchiv (KB-Zweitschrift) oder der Deutschen Zentralstelle für Genealogie (DZfG) in Leipzig (heute Referat 33 des Sächsischen Staatsarchivs).

Da Ancestry plant, bis 2017 mehr als 100 Millionen Dokumente aus den Jahren 1500 bis 1900 zu digitalisieren und für Familienforscher zugänglich zu machen und hiervon bislang „erst“ über 20 Millionen Aufzeichnungen aus den Regionen Württemberg, Ostholstein und dem Elbe-Weser-Dreieck online gestellt wurden, ist noch mit etwa 80 Millionen Dokumente zu rechnen.

Mittels einer Analyse des Filmbestandes der Deutschen Kirchenbücher bei der Genealogischen Gesellschaft von Utah lässt sich möglicherweise spekulativ erraten, aus welchen Regionen am Wahrscheinlichsten mit einer Digitalisierung und Indexierung von Kirchenbüchern durch Ancestry gerechnet werden darf bzw. aus welchen Regionen die noch zu erwartenden 80 Millionen Dokumente stammen könnten. (Eine rege Beteiligung am Ratespiel und Ratespaß ist erwünscht).

Viele Grüße
Ralf
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