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Alt 27.11.2019, 13:58
Ilja_CH Ilja_CH ist offline
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Ich kann leider nicht sagen, was in der Fiche meines Vorfahrens steht.

Aber es kommt ganz darauf an, um wen es sich handelt, denke ich.
Bei meinem Vorfahren wusste ich etwas, dass jetzt auch in der Fiche vorkommt. Allein mit der Fiche (Karteikarte) ist man aber nicht viel schlauer, erst das dazu «verlinkte» Dossier bzw. die Akte wäre interessant. Dafür haben andere Vorkommnisse, von denen ich weiss, anscheinend niemanden interessiert, weil sich in der Fiche nichts darüber findet.

Ob das für die Ahnenforschung extrem wichtig ist, kann ich nicht beurteilen. Aber ev. war jemand in einer rechten oder kommunistischen Gruppe und ist deshalb fichiert worden. Das kann heute schon interessant sein, dies anzuschauen. Aber man darf nicht zu viel erwarten, vor allem, wenn man einfach blind jemanden überprüft.

Was z. B. sehr spannend war, als ich einmal bereits öffentliche Dossiers zum Thema «rechtsextreme Bewegungen in der Schweiz» im Zeitraum der 30er Jahre fand. Das waren wirkliche Akten, hunderte Seiten über eine Person oder Gruppe. Immer am Anfang war der Verdachtsmoment (z. B. habe im Bundeshaus jemanden hochdeutsch sprechen gehört ungefähr um diese Uhrzeit an diesem Tag) und dann die einzelnen Behörden, die dem nachgehen, Nachbarn befragen, Zeugenaussagen aufnehmen, eingeschriebene Briefe öffnen (kopierte Inhalte). Da ging es z. T. rabiat zur Sache (Drohungen in Basel, weil ein Wirt einer rechten Gruppe den Saal nicht zur Verfügung stellen wollte); Leute wurden von Rechten bedroht, dass sie schon auf einer schwarzen Liste seien und nach der baldigen Einverleibung der Schweiz ins Deutsche Reich ins KZ kommen würden; dann Paketbomben (auch Basel) usw. Sehr spannend das heute zu lesen. Zeitungsartikel, die von einem Plan Hitler’s berichten, die Schweiz einzuverleiben, dann Schriften des NSDAP-Chefs Zürich usw.
Oder ein Schweizer Arzt, der Hitler gut gestimmt war und aus seiner Einstellung keinen Hehl machte. Dieser Arzt, der Himmler in der Schweiz getroffen haben will und auch Ernst Röhm. Weiter hinten fand sich dann eine kopierte Publikation von Ernst Röhm, indem er den besagten Schweizer Arzt und das Treffen sogar erwähnt.
Das waren wirkliche Fundgruben an Informationen, oder auch Soldaten, die während der Militärzeit im Zweiten Weltkrieg unerlaubterweise zu viel Proviant gestohlen und für sich selber gehortet und gekocht haben. Die ganzen Befragungen sind vorhanden, Vorstrafen werden erwähnt usw.
Auf diese Dokumente bin ich gestossen, als ich in der Suchfunktion nach verschiedenen Jenzer gesucht habe und rein vom Namen her hätte es sich um Vorfahren gehandelt, aber in den Dokumenten konnte ich anhand Geburtsdaten, Elternnamen oder Heimatorte schnell sehen, dass das nicht «meine» Jenzer sind. Dennoch hatte ich an jenem Tag eine spannende Lektüre und habe davon sehr viele Fotos gemacht zur Stimmung in der Schweiz so kurz vor dem Zweiten Weltkrieg.

Daher kann es in Svenja’s Fall oder Fund gut möglich sein, dass in den Akten viele Infos stehen und man sollte schnell erkennen, ob es sich um die gesuchte Person handelt oder um jemanden, der nur gleich heisst.
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