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Alt 02.05.2021, 12:19
goli goli ist offline
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Bei meinen Forschungen, die überwiegend im Bereich Namslau, Kreuzburg und Rosenberg liegen, lässt sich öfter etwas über die Sprache gewisser Personen aus Testamenten, Grundstücksverträgen, Konfirmationslisten, etc. erkennen.
Dort wird meist ganz speziell etwas zur Sprache geschrieben, bzw. ob ein Dolmetscher benötigt wurde.
Bei mir handelt sich sich ganz überwiegend um Personen ev. Konfession, sowohl mit "richtigen deutschen", typisch schlesischen und polnischen Nachnamen.
Im Verlauf des 19. Jahrhunderts scheint fast nie der Familienname über die Muttersprache eine sichere Auskunft zu geben, sondern ich stellte fest, das der soziale Status eine sehr große rolle spielt, ob jemand doch eher deutsch, oder polnisch, oder beide Sprachen sprach.
Sprich, der begüterte Bauer, sprach durchaus früher deutsch (meist auch den wasserpolnischen Dialekt), obwohl eher einen polnischen Familiennamen hatte, als der Knecht mit einem deutschen Familiennamen.
So habe ich Akten, wo ein Vorfahre, der einen polnischen Nachnamen hatte schon in der Zeit kurz nach 1800 als Erb und Gerichtsscholze bei vielen Verhandlungen im Ort auch als Dolmetscher in Erscheinung trat, da er neben dem typischen wasserpolnischen Dialekt auch der deutschen Sprache mächtig war und zudem schreibkundig war. So ist es nichts ungewöhnliches, wenn in solchen Regionen der "Müller, Meier, Schmitt", obwohl er einen deutschen Familiennamen führt, damals keine ausreichenden deutschen Sprachkenntnisse hatte, sondern nur polnisch/wasserpolnisch sprach.

Geändert von goli (02.05.2021 um 12:25 Uhr)
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