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Alt 06.08.2015, 19:52
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Johannes v.W. Johannes v.W. ist offline männlich
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Hallo Meliasandre

Zitat:
Zitat von Meliasandre Beitrag anzeigen
...und zwei gestürzten siebenzackigen Sternen balkenweise begleitet (Symbol für mystisches Lamm/Christus, Harmonie/ Liebe/ Glück, Nordstern, Druiden-Loge 1872 in Berlin-Preußen gegründet) an Herzstelle geordnet
Zunächst einmal: Bitte keine esoterischen Interpretationen der Heroldstücke , das ist aus fachmännisch-heraldischer Sicht alles blanker Unsinn. Sterne und heraldische Rosen waren in Wappen vollkommen allgemeine und besonders häufig verwendete Symbole.
Es gibt auch keinen Schildrand ("Schildbord"), das ist nur die typische Gravurlinie. Ebensowenig vermag ich ein Winkelmaß zu erkennen (wo ist denn da der rechte Winkel?), und dafür ist der Schaft viel zu lang im Verhältnis zur Abstrebe. Bevor man auch hier wieder "interpretiert" (Hacken?, Haken?, Dreschflegel?), sind diese Zeichen vor allem erst einmal abstrakt. Man sieht hier eher eine stilistische Anleihe bei den Hausmarken, ohne daß es Hausmarken im echten Sinn wären. Das ist nichts ungewöhnliches v.a. in der bürgerlichen Heraldik.

Der Wappenschild (dem das Oberwappen fehlt) blasoniert sich also wie folgt: 2 ins Andreaskreuz gestellte Schäfte mit nach außen weisenden Oberkopfabstreben, oben und unten begleitet von 2 fünfblättrigen Rosen und rechts und links von 2 siebenstrahligen Sternen. Über dem Schild ein Spruchband mit den Initialen "P B W".

Die Tartsche als heraldische Schildform wurde auf jeden Fall auch noch im späten 16. Jh. verwendet und darüber hinaus. In Kombination mit der Gestaltung des Bandes sieht mir die ganze Gravur nach spätem 16. oder eher nach frühem 17. Jh. aus. Sowohl die Inititalen, die sicher dem Namen des Stifters und Wappenträgers zuzuordnen sind, als auch ganz allgemein die Figuren und deren Anordnung lassen an Bürgerwappen der Zeit denken. Also vielleicht ganz einfach ein wohlhabender Gelsenkirchner Bürger? Insofern wäre die frühe Datierung des Kelchs (von dem du uns leider keine Abb. zeigst) in Frage zu stellen, bzw. zu überprüfen.

Zitat:
Zitat von Meliasandre Beitrag anzeigen
1634 ein Kelch wird aus der Georgskirche in Gelsenkirchen von hessischen Landsknechten gestohlen (S. 12, Gemeindebuch 1950, Kreissynode Gelsenkirchen)
Allein nach der Art von Gravur und Wappen wäre dieser Kelch nicht auszuschließen!
Wer so einen Kelch stiftete, hatte meistens auch einen engen Bezug zu der Kirche, könnte also Gemeindevorsteher oder Provisor o.ä. gewesen sein und liegt vermutlich auch in der Kirche begraben. Wenn es hierzu oder zu ehemaligen(?) Grabmälern noch Notizen gibt, wäre das ein möglicher Forschungsweg.

Viele Grüße
Johannes
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Dergleichen [genealogische] Nachrichten gereichen nicht nur denen Interessenten selbst, sondern auch anderen kuriosen Personen zu einem an sich unschuldigen Vergnügen; ja, sie haben gar oft in dem gemeinen Leben und bei besonderen Gelegenheiten ihren vielfältigen Nutzen. Johann Jakob Moser, 1752

Geändert von Johannes v.W. (06.08.2015 um 20:06 Uhr)
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