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Alt 27.11.2020, 10:55
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Schlußfolgerung

Schlußfolgerung zum Abstammungsthema:


Merkmale des Merchweilers Johannes Dürr sind:

1) Er war Katholik.
2) Johannes Dürr wird in Merchweiler erstmals aktenkundig Anfang August 1682, muß also in den Monaten davor seinen Umzug organisiert haben.
3) Er muß um etwa 1635-40 geboren worden sein.
4) Er muß kurz vor 1665 geheiratet haben.
5) Er war Lehrer und Gerichtsschreiber. Da er von diesen kurzzeitigen Anstellungen, die zudem im allgemeinen nicht gut bezahlt wurden, wohl keine große Familie ernähren konnte, muß er noch einen Brotberuf, ein Handwerk ausgeübt haben.
6) Sein ältester Sohn hatte den selben Vornamen wie der Illinger Landesherr. Es bleibt weiterhin eine Hypothese, daß der älteste Sohn nach dem Landesherrn Johann Daniel genannt wurde und auch diesen Landesherrn zum Taufpaten erhielt. Aber für mich steht fest, daß der ältere Joh. Daniel v. Kerpen 1665 und wohl schon davor als Oberamtmann in Krautheim lebte. Um den Landesherrn zum Taufpaten zu bekommen, muß der nicht in der Nähe des Taufortes leben. Es genügt sein Einverständnis, er kann einen Stellvertreter benennen, das kam häufiger vor.
Robert Kirsch schrieb in „Fast völlig ruiniert“ (Wemmetsweiler Heimatblätter 1991, S. 61), Johann Daniel v. Kerpen sei Ende April 1674 nach Mainz an den Hof des Kurfürsten geflüchtet, in dessen Dienst früher sein Vater als Amtmann in Lohr gearbeitet hatte, „und übernahm im Dienste des Kurfürsten eine Amtmannstelle in Krautheim.“ Das suggeriert einen Antritt 1674 oder 1675. An anderer Stelle (in seiner Stammtafel der Herren v. Kerpen) bezeichnete er Joh. Daniel v. Kerpen als kurmainzischen Rat und Oberamtmann in Krautheim. Auf meine schriftliche Anfrage, ob er denn wisse, seit wann Kerpen im kurmainzischem Dienst in Krautheim war, antwortete er, das wisse er nicht. Ich gehe davon aus, daß Joh. Daniel v. Kerpen bereits Jahre vor 1674 in Krautheim Dienst tat. Nach 1648 ritt er mehrmals in die Alpen zu entfernten Verwandten mit der Bitte, ihm Bewohner für seine Herrschaft zu überlassen, vergeblich. Solche mehrmaligen Ritte erscheinen mir von Krautheim aus leichter und praktikabler als von Illingen aus.


Zum Vergleich die Gegenüberstellung mit den Merkmalen des Johannes Dürr in Kocherstetten:

1) Er war sehr wahrscheinlich Katholik.
2) Da Friedrich Dürr den Geburts- und Lehrbrief für Johannes Dürr „bar aus seiner Erbsportion“ bezahlte, muß das nach dem 9. Januar 1682 geschehen sein, denn vorher hatte er vermutlich noch keine Erbsportion, höchstens einen nicht baren Anspruch oder ähnliches. Gerade die Ausstellung von Geburts- und Lehrbrief zwischen 10. Jan. und 12. März erscheint mir als schwerwiegendes Argument für die Abstammungsthese, denn sie besagt eindeutig, daß Johannes Dürr nach Abwicklung der Erbverteilung nicht auf seinem „Gütl“ bleiben, sondern wegziehen würde. In der Vermögensverteilung wird Johannes Dürr als „Johannes der Gütlerer“ bezeichnet, was wohl bedeutet, daß er mit Familie ein „Gütl“ außerhalb der Pfarrei Kocherstetten bewohnte. Der Ort bleibt unbekannt
3) Er wurde ca. 1640/42 geboren. Nach der Eheschließung der Eltern im August 1635 wurden zunächst zwei Töchter geboren (1636 und 1638?), erst danach Johannes.
4) Wahrscheinlich heiratete er vor 1665. Im Taufbuch von Kocherstetten taucht er nie auf.
5) Von David Dürrs Sohn ist eine Ausbildung zum bzw. Tätigkeit als Lehrer und Gerichtsschreiber nicht nachzuweisen, aber ich unterstelle David Dürr eine Schulbildung seines ältesten Sohnes, die ihn dazu befähigte. Ich gehe davon aus, daß schulische und weitergehende Bildung in dieser Familie Dürr ein Teil der Erziehung war. Der Lehrbrief für Johannes weist aus, daß er wohl ein Handwerk, einen Brotberuf erlernte.
6) Die Namen seiner Kinder sind unbekannt.
7) Johannes Dürr aus Kocherstetten wuchs in der Nähe von Krautheim auf. Gerade die Nähe des Freiherrn v. Kerpen in Krautheim, sicherlich bereits vor 1665 und bis um 1680, zeitweise in Illingen, der als Landesherr von Illingen und also mit Entscheidungsmacht neue Bewohner für seine Herrschaft suchte und sicherlich gerne jemanden wie Johannes Dürr, den gebildeten Sohn eines gebildeten, wenn auch protestantischen Vaters mit nach Illingen nehmen würde, wenn er ihn an sich binden konnte durch die Eheschließung mit der Tochter seines Jägers, erscheint mir als ein weiteres schwerwiegendes Argument für diese Abstammungsthese. Zu diesem Gedanken paßt die Patenschaft für den ältesten Sohn von Johannes Dürr. Man wird davon ausgehen können, daß der Oberamtmann von Krautheim das Faktotum der Herrschaft Kocherstetten, also den Jäger, Gerichtsschreiber, Lehrer, etc. David Dürr und seine Familie, gekannt haben muß.


Wenn also nicht David Dürrs Sohn Johannes Ottilie Hack heiratete und nach Merchweiler zog, dann müßte ein weiterer, quasi dritter Johannes gefunden werden, der alle diese Merkmale auf sich vereinigen konnte. Eine solche Parallelität erscheint mir sehr sehr unwahrscheinlich.


Ich gehe also davon aus, daß der Sohn Johannes von David Dürr Ottilie Hack heiratete. Es sei denn, jemand weist etwas anderes nach.




E N D E

Geändert von Corrado (27.11.2020 um 11:15 Uhr)
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