#1  
Alt 11.07.2019, 23:28
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Pollmeier_MS Pollmeier_MS ist offline weiblich
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Standard Zusatz Meiersche/Meyrsche im 18. Jhdt.

Jahr, aus dem der Begriff stammt: Anfang 18. Jhd.
Region, aus der der Begriff stammt: Werne, Westfalen

Hallo zusammen,
im Kirchenbuch von Werne (bei Unna) taucht ab dem ersten Drittel des 18. Jhdts. auf einmal bei manchen Frauen der Zusatz "Meiersche" auf (zumindest lese ich das...)

Meistens in Familien, die häufig, aber nicht immer, mit dem Zusatz "Schulte" verbunden sind.

Ein Beispiel: Anna Elisabeth Krevet (verheiratete Schulte Gedemberg) wird 1764 in einem Taufeintrag als Patin Anna Elisabetha Krevet Meirsche Gedemberg aufgeführt.

oder, von 1717
Anna (Schulte) Gemberg Meyersche Becking (s. Anhang)


Ist das schonmal jemandem untergekommen?

Vielleicht, im Sinne von Adelung ("die Meierinn, ein sehr altes Wort, welches überhaupt eine Person bedeutet, welche mehr als andere ist, andern Personen ihrer Art, oder auch wohl einer Sache vorgesetzet ist") die Frau oder Witwe des Familienoberhaupts?
Angehängte Grafiken
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  #2  
Alt 12.07.2019, 07:36
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AKocur AKocur ist offline weiblich
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Hallo,

ich würde annehmen, dass die Begriffe als Synonyme genutzt wurden, bzw. ein Pfarrer da "Hochdeutschen" wollte und ein vermeindlich plattdeutsches "Schulte" in vermeindlich hochdeutsches "Meier/Meyer" veränderte. Zumindest ist es mir in der Zeit in Westfalen häufiger begegnet, dass Pfarrer Namen oder Namensteile "hochdeutschten".

Les dir mal diesen Artikel durch: LEOPOLD SCHÜTTE, Absetzbare Wirtschafter: Die Schulten im alten Westfalen, aus: Westfälische Zeitschrift 159, 2009.
Der sollte die Frage ausführlich klären.

LG,
Antje
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  #3  
Alt 12.07.2019, 08:17
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Pollmeier_MS Pollmeier_MS ist offline weiblich
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Hallo,

vielen Dank für den Hinweis. Den Artikel werde ich mir auf jeden Fall am Wochenende mal vornehmen.

Es stimmt auf jeden Fall, dass so ab 1700 auf einmal die Elskes, Gretkes und Gördts verschwinden und durch Elisabeth etc. ersetzt werden.

Für mich passt die "Hochdeutsch"-Theorie aber noch nicht ganz... warum werden nur Frauen "gemeiert", die Männer bleiben aber Schulten?

Zum Teil sind auch im gleichen Eintrag Schulte und Meyrsche/Meiersche nebeneinander: Getauft wird ein Kind von Joan Henrich Schulte Gemberg, Taufpatin ist Anna Elis. Krevet Meirsche Gedemberg.


Einen schönen Start ins Wochenende!
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  #4  
Alt 12.07.2019, 09:08
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Guten Morgen!

@Antje: ein hochinteressanter und hervorragender Artikel zum Thema. Vielen Dank für's Teilen!

@PollmeierMS: auf S. 217 findest Du, was Du suchst.

Viele Grüße
consanguineus
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Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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  #5  
Alt 12.07.2019, 09:11
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo zusammen,
ich kenne den Begriff aus SW-Westfalen, auch bei einer Schultenfamilie. Wenn ich die Erklärung des Heimatforschers Fritz Lehmhaus richtig im Kopf habe (finde ihn grad mal wieder nicht) geht er zurück auf die Bedeutung von major/Meier als Hausverwalter, wurde ursprünglich für Ehefrauen von höhergestellten Personen verwendet, sozusagen als eigener Titel, später allgemein für Ehefrauen gesetzteren Alters und würdevoller Ausstrahlung, etwa wie Matrone. Also keine Verwechselung und keine Verhochdeutschung, sondern ein eigener Ehrentitel. Der Schulte war der Schulte und seine Ehefrau war seine Meyersche.

Dies ausm Kopf, den Artikel muss ich lesen. Sehe gerade es ist der Schütte, den kenne ich, hatte aber vergessen, dass er sich zu dem Thema äußert.

Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (12.07.2019 um 09:45 Uhr)
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  #6  
Alt 12.07.2019, 09:24
holsteinforscher holsteinforscher ist offline
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Moinsen zusammen,
es gab den Begriff der Haus- und Hofmeiers, ein hohes Verwaltungsamt. Wenn der
Begriff Meiersche/Meier gleich mehrfach im KB auftaucht müsste man schauen, ob
es sich hierbei tatsächlich um ein Verwaltungsamt handelt, ferner stellt die Angabe
Schulte/Dorfschulte i.d.R. keine Berufsangabe dar.
Was mir jetzt in den Sinn kommt, sind die sgn. Meierhöfe > Milchbauern > Milchbetriebe.
__________________
Die besten Grüsse von der Kieler-Förde
Roland...


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  #7  
Alt 12.07.2019, 09:32
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Moin Roland,

die Milchviehbetriebe haben mit dieser Geschichte von Pollmeier nichts zu tun. Ich habe mich sowieso immer gefragt, warum man mancherorts einen Milchviehbetrieb als Meierhof bezeichnete. Bis vor 60 Jahren hatte doch eh jeder Hof noch Milchvieh. Wozu also diese besondere Bezeichnung? Aber das nur nebenbei...

Viele Grüße
consanguineus
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  #8  
Alt 12.07.2019, 09:46
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Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
Also keine Verwechselung und keine Verhochdeutschung, sondern ein eigener Ehrentitel. Der Schulte war der Schulte und seine Ehefrau war seine Meyersche.
Wäre toll wenn du da noch die Quelle finden würdest. Mir ist das so nämlich noch ganz und gar nicht klar, warum man die Ehefrau eines Schulten als Meyersche bezeichnet haben soll, ihn aber nicht ebenso als Meyer. Warum kriegt sie einen "Ehrentitel" der ihren Familiennamen verändert und er nicht?

LG,
Antje
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  #9  
Alt 12.07.2019, 10:05
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo Antje,
oh! Da muss ich suchen, das kann ein bisschen dauern. Aber eins kann ich jetzt schon sagen: ihr Familienname wird nicht verändert. Der wird ja in den Beispielen genannt. Meyersche ist ihre Bezeichnung als Ehefrau und Verwalterin des Hauses. Stell Dir einfach, das stünde hausfraw statt meirsche. Nur wurde eben nicht eben jede Hausfrau=Ehefrau als Meyersche bezeichnet.

Viele Grüße
Xylander

Geändert von Xylander (12.07.2019 um 10:29 Uhr)
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  #10  
Alt 12.07.2019, 12:29
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AKocur AKocur ist offline weiblich
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Hallo Xylander,

naja, es gibt genügend Frauen im KB Werne (ich hab mal in die Taufen der 1760er Jahre geschaut), die als Vorname Schulte Sowieso drinstehen, dagegen nicht eine einzige Hausfrau Sowieso.
Und es erklärt auch nicht, warum der Ehemann der Meyerschen Sowieso nicht analog als Meyer Sowieso auftaucht.

Ich wüsste gerne, welche Frauen genau davon betroffen sind. Sind es die Ehefrauen der Familienoberhäupter eines Schulte Sowieso Hofes? Oder gar die Witwen? Jede oder nur manche? Tauchen sie ausschließlich als Meyersche Sowieso auf oder auch mal als Schulte Sowieso? Wenn sich Lehmhaus (oder auch jemand anderes) diesen Fragen gewidtmet hat, wäre das toll. Ansonsten wüsste ich halt gerne, wie er seine Ansicht begründet.


LG,
Antje

PS: Wäre es mein Forschungsgebiet würde ich mir meine oben genannten Fragen durchaus untersuchen. Ich forsche zwar auch in Westfalen, aber in meinen Orten scheint es diese Sitte nicht zu geben.
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