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  #481  
Alt 25.02.2019, 11:35
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Verano Beitrag anzeigen
Eine Mühle gab es in jedem Ort. Die Siedlung war überschaubar, und viele Einwohner waren noch einnamig. Außer dem Müller! Der Name wurde vererbt.

Hallo August,

nein, es gab lange nicht in jedem Ort eine Mühle! Auch habe ich festgestellt, daß vor 500 Jahren die Einnamigkeit schon lange Geschichte war. Einige Müller habe ich in der Zeit auch angetroffen, aber von denen hieß keiner mit Familiennamen Müller. Tatsächlich habe ich noch nie jemanden vor 500 Jahren gesehen, der tatsächlich Müller mit Familiennamen hieß. Meinetwegen "Tileke Brandes, der Müller", aber da war der Familienname schon fix. Müller war dann nur noch die Berufsbezeichnung. Meyer habe ich gaaaanz selten erlebt. Smed oder Schmidt ebenfalls. Etwas häufiger dann schon Scrader, also Schneider.

Viele Grüße
Matthias
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Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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  #482  
Alt 25.02.2019, 12:03
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Laurin Beitrag anzeigen
dieser Ansatz zur Namensetymologie ist nicht ganz richtig.

Beispiel - der heutige Familienname Müller, der übrigens der häufigst vorkommende in Deutschland ist.
Menschen, die von Beruf Müller (Schmied, Schneider ...) waren, haben sich im Zeitraum der Herausbildung der Familiennamen wohl niemals selbst nach ihrem Beruf einen Beinamen = Familiennamen gegeben. Dies erfolgte stets von dritter Seite aus. Wohnten im Dorf mehrere Menschen mit dem Rufnamen Hans, von denen einer den Beruf des Müllers hatte, unterschied man "Hans, der Müller" von "Hans, der Schneider" usf.
Befanden sich aber im gleichen Ort mehrere Mühlen und zwei der Müller hießen zufällig Hans, wurde entweder die Mühle für den Familiennamen näher spezifiziert (Obermüller, Wiesenmüller ...) oder der Müller erhielt seinen Familiennamen gleich nach dem Namen der Mühle.
Mir ist schon bewußt, daß sich Menschen ihren Namen zumeist nicht selbst gegeben haben. Ich habe das oben ziemlich überspitzt dargestellt weil mir aufgefallen ist, daß die heute am häufigsten vorkommenden Familiennamen vor einigen 500 Jahren noch kaum aufgetreten sind. Aber auch so gut wie keine Menschen mit nur einem Namen. Das bedeutet doch, daß fast alle Menschen um 1450 bereits einen Familiennamen hatten, der aber eben nicht oder sehr selten Müller, Meyer (heute mit allen Varianten auf Platz 2, nicht Platz 6!), Schmidt (mit allen Varianten heute auf Platz 1) lautete. Und heute wimmelt es nur so von Trägern dieser Namen. Sind die damals einfach nicht in irgendwelchen Urkunden aufgetaucht? Oder wie erklärt sich das Phänomen dieser rasanten Vermehrung der heute typischsten und häufigsten deutschen Namen?

Zitat:
Zitat von Laurin Beitrag anzeigen
Zur Häufigkeit des FN Müller:
Dieser Beruf war nun einmal der häufigste im Zeitraum der Herausbildung von Familiennamen. Wie Verano bereits andeutete, gab es in den meisten Ansiedelungen - sowohl ländlich als auch später städtisch - nicht nur eine Mühle. Man denke hier bitte nicht nur an die Verarbeitung von Getreide zu Mehl, sondern an die vielfältige Anwendung sowohl der Wind- als auch der Wasserkraft. Das englische Wort mill drückt das wohl auch heute noch am Umfassendsten aus.
Ich gebe Dir Recht, daß es durchaus mehr Mühlen gab als die typischen Mahlmühlen, aber daß in jedem Dorf eine Mühle stand, halte ich für weit übertrieben. Ich habe mich mit Mühlen in meiner Gegend mal sehr beschäftigt. Wenn es hoch kommt, gab es eine Windmühle auf drei Dörfer. Wassermühlen so gut wie gar keine, was aber der Topographie hier geschuldet ist.

Zitat:
Zitat von Laurin Beitrag anzeigen
Das Handwerk des Müllers war somit neben dem Schmied (->FN Schmidt u.a.) und dem Schneider das Wichtigste für den Lebenserhalt. So ist auch die Reihenfolge der Namenshäufigkeit erklärbar. Der FN Meyer belegt übrigens "nur" Platz 6 - erklärbar an der geringeren Häufigkeit ländlicher Verwalter gegenüber den vorgenannten Berufsgruppen. Platz 4 gebührt übrigens dem FN Fischer und Weber auf Platz 5.
Meyer darf man tunlichst nicht mit "ländlicher Verwalter" gleichsetzen! Das mag vielleicht auf einen kleinen Teil der Meyer zutreffen, aber da es nicht so viele Verwalter ländlicher Güter gab, ist eine andere Deutung viel zwingender. Ein Meyer ist ein Bauer, der seinen Hof nach Meyerrecht innehat. Das Meyerrecht ist die "schlechteste" Form des bäuerlichen Untereigentums an einem Hof, nämlich dem "Meyerhof". Es gab auch "Erbzinshöfe" (besser) und "Lehnshöfe" (noch besser). Natürlich konnte ein Bauer sein Land auch von verschiedenen Grundherren zu verschiedenen Besitzrechten innehaben. Im ländlichen Umfeld finde ich häufig in 500 oder 600 Jahre alten Urkunden etwa "Hans Everdes, Hinrik Beierstedts Meyer". Hans Everdes ist also der Bauer, der von Hinrik Beierstedt einen Hof zu Meyerrecht hat.

Viele Grüße
Matthias
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  #483  
Alt 25.02.2019, 13:13
Verano Verano ist offline
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Zitat:
Zitat von consanguineus Beitrag anzeigen
Hallo August,

nein, es gab lange nicht in jedem Ort eine Mühle! Auch habe ich festgestellt, daß vor 500 Jahren die Einnamigkeit schon lange Geschichte war. Einige Müller habe ich in der Zeit auch angetroffen, aber von denen hieß keiner mit Familiennamen Müller. Tatsächlich habe ich noch nie jemanden vor 500 Jahren gesehen, der tatsächlich Müller mit Familiennamen hieß. Meinetwegen "Tileke Brandes, der Müller", aber da war der Familienname schon fix. Müller war dann nur noch die Berufsbezeichnung. Meyer habe ich gaaaanz selten erlebt. Smed oder Schmidt ebenfalls. Etwas häufiger dann schon Scrader, also Schneider.

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Matthias

Hallo Matthias,



Stimmt schon, nicht in jedem Ort stand eine Mühle.



Ich bin auch nicht im 14. oder 15. Jahrhundert, sondern viel früher.

Hier ein lesenswerter Artikel:
https://www.welt.de/print-welt/artic...b-im-Land.html

Dass ein Müller sich nicht selbst so genannt hat, kann ich mir kaum vorstellen.
Mal angenommen, Hans, der Müller, wäre in eine größere Stadt zum Jahrmarkt gegangen. Dort kannte ihn keiner. Um sich vorzustellen, könnte er doch gesagt haben: „Ich bin Hans, der Müller“. Und schwupps, war er der Hans Müller.
Vereinfacht gesagt.

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Viele Grüße August

Die Vergangenheit ist ein fremdes Land, dort gelten andere Regeln.
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  #484  
Alt 25.02.2019, 16:31
Zima1986 Zima1986 ist offline weiblich
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Einer meiner DNA-Matches bei MyHeritage hat den Nachnamen "Sommerlatte"

Und ein Verwandter aus einer Seitenlinie hat eine Frau mit dem schönen Nachnamen "Aufderstraße" geheiratet.
__________________
Kr. Briesen u. Strasburg: Czaplewski, Kaminski, Dolaszynski,
Kr. Gostyn: Berdyszak, Klups
Oppeln/Rosenberg O.S.: Wodarz, Tkaczyk, Nowak, Jess, Jendrysik
Bad Reinerz: Kastner
Kr. Frankenstein: Tiltsch, Jaschke
Striegau: Körber
Eichsfeld: Müller, Kaufholz, Schwarzenberg, Kühne, Wiese

Geändert von Zima1986 (25.02.2019 um 16:32 Uhr)
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  #485  
Alt 25.02.2019, 17:13
Verano Verano ist offline
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Zitat:
Zitat von Zima1986 Beitrag anzeigen
Einer meiner DNA-Matches bei MyHeritage hat den Nachnamen "Sommerlatte"

Verwandt mit Sylvia von Schweden?
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Viele Grüße August

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  #486  
Alt 25.02.2019, 18:22
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Laurin Laurin ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Zima1986 Beitrag anzeigen
Einer meiner DNA-Matches bei MyHeritage hat den Nachnamen "Sommerlatte".
Bedeutet „Frühlings- bzw. Sommer-Sproß“ und deutet z.B. auf einen Gärtner (als Spottname) hin.
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #487  
Alt 25.02.2019, 20:26
magic70 magic70 ist offline weiblich
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Mit Müller, Schneider oder Schmidt kann ich bei meinen Vorfahren bis jetzt nicht dienen, allerdings ist „Brandes“ hier in der Gegend nicht besser und führt quasi ins nirgendwo oder auch ins überall, zumal, wenn der Vorname Friedrich oder Maria ist .... *genervt*

Aber so richtig nerven mich die Hirnsteins, die Ahnen meiner Uroma, die locker drei Ehefrauen pro Sohn verschlissen haben, die allesamt Ferdinands in die Welt setzten und wo ich mich nun nicht mehr durchfinde ...

Also, wer bitte Hirnsteins oder Spaniers aus dem schönen Arnsberg sein eigen nennt, bitte gern melden !
__________________
Liebe Grüsse
Dunja

Geändert von magic70 (25.02.2019 um 20:28 Uhr)
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  #488  
Alt 25.02.2019, 20:57
Verano Verano ist offline
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Zitat:
Zitat von Laurin Beitrag anzeigen
Bedeutet „Frühlings-Sproß“ und deutet z.B. auf einen Gärtner (als Spottname) hin.
Ein Schelm, der bei „Latte“ einen anderen Zusammenhang herstellt - aber so weit entfernt liegt er damit wohl nicht -> einfach mal „Morgen“ davorsetzen.
Sommerlatten sind besonders solche junge zarte Weiden vom ersten Wuchse.
http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...&lemid=DL00506
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Viele Grüße August

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  #489  
Alt 25.02.2019, 23:34
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Laurin Laurin ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Verano Beitrag anzeigen
Sommerlatten sind besonders solche junge zarte Weiden vom ersten Wuchse.
http://www.woerterbuchnetz.de/cgi-bi...&lemid=DL00506
Sommerlatte, zu mhd. sumerlate, summerlatte, "Gerte, Sommerschössling, diesjähriger Schössling, in einem Sommer gewachsener Schössling" (nach Köbler, Mhd. WB)
__________________
Freundliche Grüße
Laurin
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  #490  
Alt 26.02.2019, 08:30
Verano Verano ist offline
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Schon klar!
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