#1  
Alt 24.04.2011, 18:01
sla019 sla019 ist offline männlich
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Standard Ober-/Niederösterreichische Exulanten in Franken

Zitat:
Zitat von Marlies Beitrag anzeigen
Archive in Österreich
Darf ich daran eine gänzlich unilluminierte Frage anschließen? Meine Mutter hat ihre Familienforschung vor vielen Jahren an dem Punkt eingestellt, an dem klar war, daß ihre Vorfahren nach dem dreißigjährigen Krieg als hartnäckige Ketzer in den Genuß eines des gegenreformatorischen Patente gekommen sind. Das einzige, was sie herausfand, war, daß die Leute "aus dem Ländlein ob der Enns" ins Fränkische verschlagen wurden (ach - bin ich somit eigentlich halber Nachwuchsvertriebener? ). Nun, ich habe ihre Archivalien geerbt und frage mich oder besser die Kundigen auf diesem Gebiet: Wo könnte man denn ansetzen, um die Geschichte weiter rückwärts verfolgen zu können? Ein Ortsname ist leider nicht bekannt.

Dank und Gruß,

Friedrich

Geändert von sla019 (27.04.2011 um 16:59 Uhr)
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  #2  
Alt 25.04.2011, 13:20
sternap sternap ist offline
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da würde ich auf das land ob der enns= erzherzogtum österreich ob der enns= eventuell oberösterreich, tippen. speziell die gegend um enns, steyr etc...
falls ja, würde ich im oberösterreichischen landesarchiv oder im diözesanarchiv nachfragen.

eventuell ist der name noch in oberösterreich geläufig.


katholische grundherren aus schwaben zum beispiel, so die grafen abensberg traun, siedelten nach österreich, evangelische "ketzer" mit ihrem herrn dafür in deutsche gebiete, viel später noch u.a.in das gebiet des heutigen rumänien. der name eines evengelischen grundherren, der zur zeit der glaubenskriege von österreich in euer gebiet kam, kann dir die ortssuche erheblich erleichtern.

lesestoff:"Die Verfolgung der österreichischen Protestanten während der Gegenreformation",von Gustav Reingrabner, Dr. et Mag. theol., im internet zu finden.
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  #3  
Alt 25.04.2011, 13:23
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karin-oö karin-oö ist offline weiblich
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Hallo Friedrich!

Ich habe mir erlaubt, für deine Frage ein eigenes Thema zu eröffnen. So erhältst du hoffentlich leichter Hinweise zu deiner Suche.

Kannst du uns bitte Namen und Jahreszahlen nennen, auf die sich deine Forschungen beziehen!
Mich verwirrt nämlich der Zeitraum "nach dem Dreißigjährigen Krieg", vor allem weil der Begriff "Emigrationspatent" hauptsächlich nach 1730 auftaucht und zwar im Zusammenhang mit der Vertreibung der Salzburger Protestanten.
Mit "Ländlein ob der Enns" war aber Oberösterreich gemeint (ohne das Innviertel, das damals noch bayerisch war).

Ich habe aber in den Bestandsverzeichnissen des OÖ Landesarchivs etwas zum Begriff Emigrationspatent gefunden, was auch evtl. schon ins 17. Jahrhundert zurückreicht:
http://www.landesarchiv-ooe.at/xbcr/...4FA/SENSEN.pdf
Schau dir das doch mal an, ob das vielleicht passen könnte.
Für die darin genannten Orte Kirchdorf-Micheldorf (Pfarre Kirchdorf an der Krems) gibt es Matrikenbücher sogar schon ab 1589. Diese sind online einzusehen unter:
http://matricula-online.eu/pages/de/recherche.php

Vielleicht findest du dort ja was passendes, ansonsten teile uns genauere Daten mit, dann können wir vielleicht weitere Tipps geben.

Schöne Grüße
Karin
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  #4  
Alt 26.04.2011, 14:36
sla019 sla019 ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von karin-oö Beitrag anzeigen
Vielleicht findest du dort ja was passendes, ansonsten teile uns genauere Daten mit, dann können wir vielleicht weitere Tipps geben.
Vielen Dank, liebe Karin, für Deine Hinweise. Interessiert bin ich in erster
Linie an dem FN Zillinger, dessen erster Vertreter im Totenbuch
eines Pappenheimer Grafendorfs 1675 als "gewesener Bauer im Ländlein ob der
Enns" bezeichnet wird, leider ohne nähere Ortsangabe.

Aber nehmen wir einen möglicherweise etwas einfacheren Fall, mit
Ortsangabe:

Einer der Enkel des obengenannten heiratet 1670 eine

"Lamperger Susanna, wld. Simon Lampergers, gewes. Bauern in Österreich, in die Herrschaft Rappottenstein gehörig, hinterl. Tochter"

Ich nehme an, daß Rappottenstein das R. in der Gegend von Zwettl ist.
Wie könnte ich nun vorgehen, um Licht in die Geschichte der Familie
Lamperger zu bringen?

Dank und Gruß,

Friedrich

PS: daß Exulantenfamilien untereinander geheiratet haben, war offenbar keine Seltenheit und durch die Verhältnisse fast geboten, denn in etlichen der vom 30jhr. Krieg dezimierten Dörfern der Markgrafschaft Ansbach und der Grafschaft Pappenheim stellten sie die Bevölkerungsmehrheit, wie bei G. Rusam, Österr. Exulanten in Franken und Schwaben, 1989 zu lesen ist.
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  #5  
Alt 26.04.2011, 15:36
carinthiangirl carinthiangirl ist offline
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http://de.wikipedia.org/wiki/Waldviertel
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3%BChlviertel

Rapottenstein liegt im niederösterreichischen (Land unter der Enns) Waldviertel und ist bekannt für die Auswanderung von Exulanten nach Franken. Auch das angrenzende Mühlviertel in Oberösterreich (Land ob der Enns) war davon stark betroffen.
Dazu gibt es auch ein Buch:
Exulanten aus dem westlichen Waldviertel in Franken, Eberhard Krauß (ca. 1627-1670) -
Eine familien- und kirchengeschichtliche Untersuchung

Links zum Exulanten-Thema:
http://www.reocities.com/HotSprings/8008/exulger.html
Exulanten anklicken: http://www.ihff.de/start.htm?exulnt/exulanten.htm
http://www.sonntagsblatt-bayern.de/0...3709-38315.htm
http://books.google.at/books?id=qLzm...age&q=&f=false
Interessante Seite einer Exulanten-Familie aus dem Bezirk Zwettl: http://www.pfaenders.com/html/inhaltsverzeichnis.html

Geändert von carinthiangirl (26.04.2011 um 15:55 Uhr)
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  #6  
Alt 26.04.2011, 15:50
sternap sternap ist offline
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1664 wurden die katholischen reichsgrafen von abensberg traun besitzer der burg rapottenstein, spätestens damit war für die ehemalige protestantische bevölkerung kein bleiben mehr. die burg ist bis heute im eigentum der selben familie.

die pfarrmatriken von rapottenstein sollen nach meinen persönlichen aufzeichnungen 1785 vernichtet worden sein.

aufschluss über die vormals da ansässige bevölkerung gäbe unter anderem die liste der zum glauben zurückgekehrten ketzer/konvertiten, deren name mir gerade nicht geläufig ist, bzw. die steuerliste der grundherren, die mit bevölkerung rapottenstein verlassen hatten.

ab 1546 waren die herren von landau besitzer der burg gewesen.
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  #7  
Alt 26.04.2011, 15:52
carinthiangirl carinthiangirl ist offline
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Für OÖ eventuell eine Hilfe > Heider-Indices in Linzer Landesarchiv.
"In Oberösterreich gibt es eine Besonderheit: die sogenannten Heider-Indices. Für alle Pfarren nördlich der Donau sowie einige des Salzkammergutes erstellte Herr Josef Heider in mehr als 25 Jahren die sogenannten Heider-Indices. Alle genealogisch wichtigen Daten zwischen Matrikenbeginn und etwa 1784 (teilweise auch später) wurden indiziert, also alle Taufen, Trauungen und Sterbefälle, und mit Maschine geschrieben fast jeder Pfarre zur Verfügung gestellt. Für den Forscher sind dies sehr wichtige und günstige Hilfsmittel, können hiermit doch die Familien ohne Originalmatriken erforscht werden. Hingegen sind im übrigen Bereich Oberösterreichs nur selten Indices anzutreffen. Diese Heider-Indices sind im oberösterreichischen Landesarchiv einsehbar."
http://www.landesarchiv-ooe.at/

Seit April 2010 besteht eine Kooperation zwischen dem Oberösterreichischen Landesarchiv (OÖLA) in Linz und dem Verein Familia Austria, alle im OÖLA vorhandenen Indices von Pfarrmatriken zu erfassen und elektronisch durchsuchbar zugänglich machen.Konkret handelt es sich um die Matriken-Indices von ca. 150 katholischen Pfarren, darunter die 100 sog. Heider-Indices, die das gesamte Mühlviertel und einen Teil des Salzkammerguts abdecken.
http://familia-austria.net/forschung...C3%96STERREICH

Geändert von carinthiangirl (26.04.2011 um 16:09 Uhr)
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  #8  
Alt 26.04.2011, 16:06
sternap sternap ist offline
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1654 wurden die protestanten aus dem waldviertel vertrieben.


"in der nationalbibliothek in wien erliegt ein buch, welches alle namen des waldviertels enthält, die in den jahren 1652/1654 vom evangelischen (protestantischen) glauben zum katholischen zurückgekehrt sind."schreibt der ahnenforscher karl weinmann im jahre 1977. weiter bei weinmann "der protestantische burgherr von rapottenstein, von landau, hatte seinen besitz 1660 verloren".
er informiert :da protestanten "die gegend traunstein- schönbach- rapottenstein damals das weinviertel verlassen und sich im heutigen franken in der gegend ansbach- nürnberg angesiedelt haben"....

damit sollte eine spur zu deinen vorfahren gelegt sein.
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  #9  
Alt 26.04.2011, 16:45
PeterS PeterS ist offline männlich
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Hallo Friedrich,
das Buch "Verzeichnis der Neubekehrten im Waldviertel 1652-1654" wurde in die Einwohnerdatenbank von Familia Austria integriert.
Man findet dort die Nennungen von Hannß und Urban Lamberger aus Schönbach (Herrschaft Rapottenstein), die zum Katholizismus offiziell zurückgekehrt sind.
Lt. Ortsverzeichnis auf
www.genteam.at
gehörte Schönbach vor 1701 zur Pfarre Traunstein (Bücher ab 1636), im Taufindex 1636 bis 1668 kommt kein Lamberger mehr vor.
Auf Genteam gibt es in den Indices auch weitere spätere (für Dich zu späte) Vorkommen vom Lamberger im Waldviertel.

Der Name Zillinger ist zwar prinzipiell ein häufiger in Österreich, jedoch nicht mehr im Oberösterreich.

Die meisten Kirchenbücher von Oberösterreich sowie der Diözese St. Pölten für das Waldviertel findest Du online hier:
http://matricula-online.eu/pages/de.php

In Buchkirchen bei Wels gab es z.B. zeitlich passend Exulanten. Leider hat die Pfarre (Bücher ab 1597 keine Indexe).

Grüße, Peter

Geändert von PeterS (26.04.2011 um 16:51 Uhr)
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  #10  
Alt 27.04.2011, 17:03
sla019 sla019 ist offline männlich
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Zitat von karin-oö Beitrag anzeigen
Mich verwirrt nämlich der Zeitraum "nach dem Dreißigjährigen Krieg", vor allem weil der Begriff "Emigrationspatent" hauptsächlich nach 1730 auftaucht und zwar im Zusammenhang mit der Vertreibung der Salzburger Protestanten.
Nun habe ich mich ein wenig in das Material vertieft:
Offenbar hat der Ahnenforscher, der dieses Material für meine Mutter erarbeitet hat, Bezug genommen auf die Patente Ferdinands III. von 1652 und den Begriff "Emigrationspatent" anachronistisch in Analogie zu den Salzburger Patenten gewählt. Ich habe deshalb den Fadentitel geändert. Besten Dank für den Hinweis!

Friedrich
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