#1  
Alt 11.05.2015, 11:41
Renate7 Renate7 ist offline weiblich
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Standard Vorgehensweisen zur Beurkundung

Hallo, liebe Mitforscher

Bei den meisten meiner Standesamtsurkunden zeigte jeweils ein Familienmitglied den Sachverhalt an, der Vater die Geburt (oder auch die Hebamme), die Ehefrau den Tod, die Braut und der Bräutigam erschienen selbst u.s.w.
Was glaubt Ihr, sagt es aus, wenn der Tod einer alleinstehenden Person durch die Direktion eines Krankenhauses angezeigt wird, trotz lebender Kinder?
War das gängige Praxis, wenn man eventl. nichts von den Verwandten wußte oder sie auf die Schnelle nicht erreicht werden konnte?
Haben die Kinder einer Verstorbenen erst beim nächsten Besuch in der entfernten Stadt erfahren, das ihre Mutter verstorben ist?

Dann habe ich heute auf einer Beurkundung zur Geburt gelesen, dass jemand sich mit "Bestellung" ausgewiesen hat. Das kannte ich auch noch nicht, dass jemand zum Standesamt bestellt wurde. Zwischen Geburt und Beurkundung lagen 6-7 Tage. Wie kommt so eine Bestellung zu Stande?

Entschuldigt die vielleicht naiven Fragen und meine Unkenntnis über diese Vorgänge, aber vielleicht hatten Ihr auch schon einmal so etwas und kennt Euch aus.

Sollte es dieses Thema schon geben, ich konnte es über die Forensuche nicht finden, gerne hier den Thread posten.

Liebe Grüße
Renate
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  #2  
Alt 11.05.2015, 12:04
Artsch Artsch ist offline
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Hallo Renate,

ich würde annehmen, daß es sich um eine behördliche bestellte Person handelt, die eine Berechtigung hatte, Geburten anzuzeigen.

Beste Grüße
Artsch

Geändert von Artsch (11.05.2015 um 12:30 Uhr)
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  #3  
Alt 11.05.2015, 12:23
Artsch Artsch ist offline
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Hallo Renate,

ich weiß ja nicht in welcher Zeit sich der Fall abspielte.
Aber aus meiner Familie starb meine Urgroßmutter im Krankenhaus. Die Angehörigen erfuhren von ihren Tod erst bei einem Besuch. Besuchszeit war damals nur Mittwochs eine Stunde zu einer festgelegten Zeit.
Sicher hatte das Krankenhaus diesen Fall dem Standesamt gemeldet, aber nicht den Angehörigen. Das Ereignis fand um 1920 statt.
Ich vermute, damals war das die Regel.

Beste Grüße
Artsch
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  #4  
Alt 11.05.2015, 12:27
Benutzerbild von jacq
jacq jacq ist offline männlich
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Moin Renate,

ohne weitere Details zu kennen, hier mal Paragraphen zur Beurkundung:

http://de.wikisource.org/wiki/Gesetz...g_der_Geburten.
Zitat:
§. 17.

Jede Geburt eines Kindes ist innerhalb einer Woche dem Standesbeamten des Bezirks, in welchem die Niederkunft stattgefunden hat, anzuzeigen.

§. 18.

Zur Anzeige sind verpflichtet:

1. der eheliche Vater;
2. die bei der Niederkunft zugegen gewesene Hebamme;
3. der dabei zugegen gewesene Arzt;
4. jede andere dabei zugegen gewesene Person;
5. die Mutter, sobald sie dazu im Stande ist.

Jedoch tritt die Verpflichtung der in der vorstehenden Reihenfolge später genannten Personen nur dann ein, wenn ein früher genannter Verpflichteter nicht vorhanden oder derselbe an der Erstattung der Anzeige verhindert ist.

§. 19.

Die Anzeige ist mündlich von dem Verpflichteten selbst oder durch eine andere aus eigener Wissenschaft unterrichtete Person zu machen.
__________________
Viele Grüße,
jacq

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  #5  
Alt 11.05.2015, 12:50
Artsch Artsch ist offline
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Hallo Renate,

ich habe deinen Beitrag in der Lesehilfe erst jetzt gelesen.
Sowas habe ich bei Ancestry in den Berliner Geburtsregister bemerkt. Meine Idee war dazu, evtl. wurde ein Termin brieflich vereinbart und der Brief wurde nun vorgezeigt. Vielleicht war dies auch ein zweiter Kontakt, weil beim ersten noch nicht alle Vornamen feststanden.

Beste Grüße
Artsch
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  #6  
Alt 11.05.2015, 12:53
Benutzerbild von Forschi
Forschi Forschi ist offline
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Hallo Renate,

hier ein wenig detaillierter:

Personenstandsgesetz
§ 30 Anzeige durch Einrichtungen und Behörden

(1) Bei Sterbefällen in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen sowie sonstigen Einrichtungen gilt § 20 entsprechend.
(2) Ist ein Anzeigepflichtiger nicht vorhanden oder ist sein Aufenthaltsort unbekannt und erlangt die für den Sterbeort zuständige Gemeindebehörde Kenntnis von dem Sterbefall, so hat sie die Anzeige zu erstatten.
(3) Findet über den Tod einer Person eine amtliche Ermittlung statt, so wird der Sterbefall auf schriftliche Anzeige der zuständigen Behörde eingetragen.


§ 20 Anzeige durch Einrichtungen
Bei Geburten in Krankenhäusern und sonstigen Einrichtungen, in denen Geburtshilfe geleistet wird, ist der Träger der Einrichtung zur Anzeige verpflichtet. Das Gleiche gilt für Geburten in Einrichtungen, die der Unterbringung psychisch Kranker dienen, in Einrichtungen der Träger der Jugendhilfe sowie in Anstalten, in denen eine Freiheitsstrafe, ein Jugendarrest oder eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung vollzogen wird. Die Anzeigeberechtigung der in § 19 genannten Personen und ihre Auskunftspflicht zu Angaben, die der nach Satz 1 oder 2 zur Anzeige Verpflichtete nicht machen kann, bleiben hiervon unberührt.

Die Sterbefälle werden wie die Geburtsfälle behandelt.

Und hier hatten wir ein ähnliches Thema. Vielleicht helfen dir die Infos auch ein wenig weiter.
__________________
LG Forschi
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  #7  
Alt 11.05.2015, 15:53
Renate7 Renate7 ist offline weiblich
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Hallo,

erstmal herzlichen Dank für die zahlreichen Rückmeldungen.

Die Beurkundungen fanden in der Zeit um 1890-1900 in Berlin statt, obwohl ich auch eine Beurkundung 1876 durch eine Hebammenanstalt in Osnabrück habe.

Das mit dem brieflich vereinbartem Termin scheint mir einleuchtend, könnte ich mir gut vorstellen. Wahrscheinlich mußte der Anzeigende,beim Amt erst vorsprechen, bekam dann einen Termin (Bestellung) und die brachte er zur Beurkundung dann wieder mit.

Bei einem Sterbefall ist mir klar, dass wenn keine Angehörigen zu Besuch da waren oder sonst jemand, das Krankenhaus dann die Beurkundung einreicht. Meine Überlegung war nur die, das Angehörige ja dann teilweise erst sehr viel später vom Tod erfuhren, oder vielleicht gar nicht, wenn sie nicht vor Ort und weit weg wohnten und der Erkrankte zuvor keine Angaben mehr machen konnte.
Gab es damals schon eine Art Nachforschung, außer die Veröffentlichung im Amtsblatt "Erben gesucht".
Was letztendlich aber auch bedeutet, das derjenige ganz allein verstarb.

Werde mir gleich Eure Antworten und Links nochmal genauer ansehen, sehe jetzt aber schon klarer.

Herzlichen Dank nochmal und liebe Grüße
Renate
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  #8  
Alt 14.05.2015, 01:56
Asphaltblume Asphaltblume ist offline
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Bei allen meinen Verwandten, die im Krankenhaus starben, wurde die Todesmeldung beim Standesamt von einem Krankenhausangestellten vorgenommen, obwohl nahe Angehörige beim Sterben anwesend waren. Das hat - wenigstens seit 1950 - nichts in Bezug auf die Familiensituation zu bedeuten. Von Angehörigen wurden nur Todesfälle angezeigt, die sich zuhause ereigneten. Da ging dann ein Angehöriger zum Standesamt, Witwe, Sohn, Neffe...
__________________
Gruß Asphaltblume
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  #9  
Alt 14.05.2015, 02:00
Asphaltblume Asphaltblume ist offline
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Bei der Geburt: Bist du dir sicher, dass es Bestellung heißt und nicht Bestallung? Beamte wurden "bestallt", wenn sie in ihr Amt eingesetzt wurden (das heißt immer noch so) und erhielten eine "Bestallungsurkunde". Auch andere amtlich eingesetzte oder zugelassene Personen wurden bestallt. (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Bestallung)
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Gruß Asphaltblume
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  #10  
Alt 26.05.2015, 11:31
Renate7 Renate7 ist offline weiblich
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Hallo Asphaltblume,

habe erst jetzt Deine Rückmeldungen gelesen. Den Hinweis mit der Bestallung werde ich mir merken, sehr interessant.
In meinem Fall bin ich mir ziemlich sicher, dass dort "Bestellung" steht, habe es zur Kontrolle auch in die Lesehilfe gestellt.
Die "Bestellung" leuchtete mir nach den Rückmeldungen auch ein, denn bei den vielen Geburten im Jahr (Berlin), zu denen ja auch noch andere standesamtliche Beurkundungen kommen, waren die Beamten sicherlich auf eine gute Terminverteilung angewiesen.

Nochmals Danke für die Rückmeldung.

Liebe Grüße Renate
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