#1  
Alt 09.07.2019, 20:51
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo zusammen!

Ich habe in meiner Vorfahrenschaft nur ganz wenige Handwerker und kenne mich daher wenig mit deren Mobilität aus. Konkret: mein 3xUrgroßvater ist Johann Friedrich Schönfeld, der 1810 in Treplin bei Frankfurt/Oder geboren wurde und dort auch als Tischler und Ortsschulze ansässig war. Sein Vater Friedrich Samuel Wilhelm Schönfeld stammte ebenfalls aus Treplin.

Ich habe nun Kontakt zur dortigen Kirchengemeinde aufgenommen und um Hilfe gebeten. Man war dort so freundlich, einen Blick in die Kirchenbücher zu werfen, allerdings aufgrund von Arbeitsüberlastung nicht umfassend. Aber immerhin! Ich bin begeistert, daß sie es überhaupt getan haben. Kommt sonst nicht vor.

Die Frau des Johann Friedrich Schönfeld war Marie Justine Conrad. Man hat mir leider nur diesen Namen genannt. Keinen Geburtsort. Ich weiß, ich muß dort gelegentlich selbst vorstellig werden, denn vor dem Landeskirchlichen Archiv in Berlin graut mir. Aufgrund meines Berufes kann ich eben leider keine langfristigen Termine zur Einsichtnahme machen.

Aber ich habe bei Ancestry spaßeshalber mal den Namen Marie Justine Conrad und ein Geburtsdatum um 1810 eingegeben. Bingo! Tatsächlich gibt es eine Person dieses Namens, geboren 1815. Könnte also passen. Der Geburtsort liegt ebenfalls in Preußen, allerdings in Ostpreußen, also rund 500 km entfernt.

Wie gesagt, ich weiß, daß ich die Trepliner Kirchenbücher selbst begutachten muß. Aber eine grundsätzliche Frage habe ich mal: ist es denn theoretisch denkbar, daß ein Mann aus Treplin in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Frau heiratet, die 500 km entfernt geboren wird? Vater Conrad in Ostpreußen war Drechsler. War es damals üblich, daß sich Handwerker auf die Reise machten? Daß etwa ein Tischler aus der Nähe von Frankfurt/Oder auf der Walz nach Ostpreußen kam, dort eine Drechslerstochter kennenlernte und mit nach Hause nahm?

Ich kenne es von meinen zahlreichen Bauernvorfahren, daß die kaum aus ihrem Landkreis herausgekommen sind, und der Gedanke, daß Menschen damals einigermaßen mobil waren, ist mir nicht sehr vertraut. Sind Handwerker seinerzeit so weit herumgekommen?

Ich will jetzt keine Mutmaßung darüber hören, ob Johann Friedrich aus Treplin Marie Justine aus Darkehmen geheiratet hat. Das kann ich selbstverständlich nur anhand der Kirchenbücher klären. Diese Ehegeschichte ist eigentlich auch nur der Aufhänger für die Frage nach dem Aktionradius eines Handwerkers im 19. Jahrhundert.

Was denkt Ihr?

Viele Grüße
consanguineus
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Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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  #2  
Alt 09.07.2019, 21:24
Benutzerbild von Hracholusky
Hracholusky Hracholusky ist offline männlich
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Hallo consanguineus,


ich kenne das so dass Handwerker im näheren Umkreis (ca.50km) tätig waren.
Es gab wohl aber auch Ausnahmen. Einer meiner Vorfahren war Seiler und hat 200km weiter weg gearbeitet und dort kam auch eine Tochter zur Welt. Geheiratet hatte er aber nur 50km weiter weg und ist schlussendlich dort auch hingezogen.

Beschäftigt hatte ich mich allerdings bisher nie mit soetwas. Ich kann da nur davon ausgehen was ich bisher bei meinen Forschungen so mitbekommen habe.


Beste Grüsse
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Beste Grüsse
Gerd
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  #3  
Alt 09.07.2019, 21:36
bleu-de-pastel bleu-de-pastel ist offline weiblich
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Guten Abend consanguineus,

mich lassen die beiden holzverarbeitenden Berufe einen Zusammenhang vermuten.
Denkbar wäre, dass der Vater Conrad in Heimarbeit Knöpfe, gedrechselte Stuhl- u. Tischbeine herstellte und sie selbst vertrieb. Vielleicht war sein Kunde u. a. der Tischler Schönfeld.

Ich weiß aus dem Sauerland, dass im Winter in Heimarbeit Holzwaren wie z. B. Heringsscheren, Schüsseln, Holzlöffel usw. hergestellt wurden, die dann mit einer Kiepe auf dem Rücken bis nach Holland gelangten. Einige dieser Handwerks/Handelsmänner haben dann auch in Holland bei einem Meisje eine neue Heimat gefunden.

Vielleicht ist ein Mitglied der Famile Schönfeld auch irgendwann mal in Ostpreußen "hängengeblieben" und daurch bestand bereits ein Kontakt zwischen den Familien?

Mir ist nicht bekannt, ob Tischler u. Drechsler im 18. Jahrh. auf Wanderschaft gingen.

Die andere Möglichkeit, evtl. ist die Ehefrau zwar in Ostpreusen geboren worden, aber bereits mit den Eltern als Kind in die Nähe oder nach Treplin verzogen!

Grüsse von bleu-de-pastel
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  #4  
Alt 09.07.2019, 22:26
Benutzerbild von Balle
Balle Balle ist offline männlich
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Frankfurt/Oder war eine Hansestadt und die Oder ein Transportweg.
Dort gab es Märkte und Waren wurden dort angeboten.
Es kann also sein, dass die Ostpreußen mit ihrer Ware Richtung Berlin zogen und sich die beiden in Frankfurt trafen.
__________________
Lieber Gruß
Manfred
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  #5  
Alt 09.07.2019, 22:27
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Gerd, hallo bleu-de-pastel!

Ja, meine Frage ist natürlich ein Stück weit brotlos. Mir kam nur vorhin die Frage, wie weit wohl der Aktionsradius eines jungen Handwerkers gewesen sein mag.

Selbstverständlich ist es auch möglich, daß die Familie Conrad von Ostpreußen nach Treplin verzogen ist. Den Gedanken hatte ich ebenfalls. Das muß ich eben vor Ort klären. Auch mir ist die Verwandtschaft der Berufe Tischler und Drechsler aufgefallen.

Ich habe da, das fällt mir gerade ein, noch einen Fall in derselben Generation, in dem der Sohn eines Zimmermeisters aus Querfurt die Tochter eines Böttches in der Lausitz geheiratet hat und dann selbst als Böttcher im Herkunftsort der Ehefrau tätig war, vermutlich in der Werkstatt seines Schwiegervaters. Das ist zwar keine Distanz von 500 km, sondern nur 200 km, aber irgendetwas muß den jungen Mann ja motiviert haben, in die Lausitz zu gehen. Da er seine Braut nicht auf einem Datingportal kennengelernt hat und zu ihr gezogen ist, wird er wohl während seiner Wanderschaft in die Lausitz gelangt sein und hat dort seine Braut kennengelernt.

Viele Grüße
consanguineus
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  #6  
Alt 09.07.2019, 22:56
Limonaia Limonaia ist offline
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Hallo,
Ich würde vermuten, er hätte sie auf der Walz kennengelernt.
100 Jahre später ist mein Großvater von Ostpreußen bis ins Rheinland gelangt als junger Handwerksgesell (Stellmacher).
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  #7  
Alt 09.07.2019, 23:03
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Ralf-I-vonderMark Ralf-I-vonderMark ist offline männlich
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Hallo consanguineus, hallo zusammen,

Drechsler gehörte zu denjenigen Handwerksberufen, welche wanderpflichtig waren. Ein Geselle konnte nur dann die Meisterprüfung machen, wenn er mit seinem Wanderbuch nachweisen konnte, dass er die Drechslerprofession zünftig erlernt hat.

Sehr anschaulich ist der Artikel „Aus dem Wanderbuch eines Drechslergesellen“:
vgl. http://weperhase.bplaced.net/?Moring...chslergesellen

Also wäre es nachvollziehbar und theoretisch möglich, dass der Vater der Marie Justine Conrad als Drechsler von Ostpreußen nach Treplin gekommen ist.

Viele Grüße
Ralf
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  #8  
Alt 09.07.2019, 23:22
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AKocur AKocur ist gerade online weiblich
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Hallo,

unter meinen Vorfahren ist ein Schuhmacher, der 1824 etwa 200km von seinem Geburtsort entfernt die Tochter eines Schuhmachermeisters geheiratet hat. Er ist dann auch da, im Geburtsort seiner Ehefrau, geblieben. Ich gehe da von der Walz aus, auch wenn ich keinerlei Belege dafür habe.

In der Schneider-Linie meines Mannes war es wohl üblich, sich die Ehefrau außerhalb des eigenen Wohnortes zu suchen; allerdings blieben die in einem Umkreis von ca. 20km.

Ich halte es schon für theoretisch denkbar, dass, auch in der Zeit, die Braut 500km entfernt geboren wurde. Häufig vorgekommen sein wird es wohl nicht, aber denkbar, ja, das schon.
Die Walz allein bringt ja schon eine sehr viel größere Mobilität als üblich mit sich. Laut dem Wikipedia-Eintrag zur Walz nahm die Bedeutung der Wanderjahre zwar ab dem 18. Jh. ab, aber das heißt ja nicht, dass es niemand mehr tat. Unten auf der Seite ist z.B. eine Liste von bekannten Personen, die gewalzt sind, darunter auch Tischler und Drechsler, die allesamt deutlich später geboren wurden, als die Personen in deinem Beispiel.

Interessant ist in deinem Beispiel, dass die Berufe von Bräutigam und Brautvater wirklich gut zusammenpassen. Tischler und Drechsler hatten ja ganz sicher Geschäftsbeziehungen, da ist es gut vorstellbar, dass es auch Heiraten zwischen diesen Gewerken gab.
Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, dass es im normalen Tagesgeschäft Geschäftsbeziehungen zwischen Personen gab, die so weit von einander entfernt waren. Üblich dafür wahrscheinlich eher der typische 30km Radius, in dem man ja auch sicher geeignete Handwerker der Gewerke finden würde. Drechsler und Tischler gab es ja fast in jedem Ort.



Ich hab auch nochmal kurz auf Ancestry geschaut. Dies hier müsste die Sterbeurkunde der Justine Conrad verh. Schönfeld sein. Danach war sie ebenfalls aus Treplin gebürtig.

LG,
Antje
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  #9  
Alt 09.07.2019, 23:35
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Hallo Ralf,

ich glaube aber nicht, daß Vater Conrad mit seiner Tochter, die ja noch in Ostpreußen geboren wurde, auf die Wanderschaft ging. Wenn überhaupt, dann müßte er später nach Treplin umgezogen sein.

Viele Grüße
consanguineus
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  #10  
Alt 09.07.2019, 23:52
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Zitat:
Zitat von AKocur Beitrag anzeigen
Ich hab auch nochmal kurz auf Ancestry geschaut. Dies hier müsste die Sterbeurkunde der Justine Conrad verh. Schönfeld sein. Danach war sie ebenfalls aus Treplin gebürtig.

Hallo Antje,

hab vielen Dank für die Sterbeurkunde! Die wurde mir bei Ancestry gar nicht angezeigt. Alles kann ich nicht lesen. Was ich lesen kann, klingt teilweise gut:

Das Alter passt. Die Namen auch. Der Sterbeort ist nicht unmöglich. Der Ehemann (ebenfalls in Berlin verstorben, allerdings in der Charité) lebte nicht mehr, also könnte die Frau durchauszu ihrer Tochter nach Berlin gezogen sein. Eine Tochter Ottilie ist mir allerdings nicht bekannt. Vielleicht habe ich aber auch nicht alle Kinder von Friedrich Wilhelm und Marie Justine Schönfeld erfasst.

Viele Grüße
consanguineus
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