#21  
Alt 10.07.2019, 10:09
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Guten Morgen consanguineus,
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ist es denn theoretisch denkbar, daß ein Mann aus Treplin in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts eine Frau heiratet, die 500 km entfernt geboren wird? ... War es damals üblich, daß sich Handwerker auf die Reise machten?
ja warum denn nicht? Die Walz war doch früher sogar die Regel. In Aschersleben wurde Handwerksgesellen noch im 18. Jh. bestraft, wenn sie vor Niederlassung ihre Jahre nicht wanderten. Für das 19. Jh. habe ich kaum Beispiele - aus älterer Zeit, was mir spontan aus meiner AL einfällt:

- Sattlermeister in Waltershausen/Thüringen (+ 1711, gebürtig aus Bern): Halbbruder (Bäcker) in Zürich, Halbschwester (Müllersfrau) in Weinheim bei Heidelberg, Brüder (Schreiber und Glaser) in Bern, Nichte in Moudon bei Lausanne, Sohn (Sattlermeister) in Ohrdruf, Sohn (Sattlermeister) in Colmar/Elsass, Sohn (Sattler) in Lichtenau bei Ansbach, Sohn (Tuchmacher) in Königsberg/Bayern, Schwiegersohn (Schuhmacher) in Waltershausen.
- Gerichtsschöppe (+ 1726) in Westdorf bei Aschersleben: Bruder (Drechsler) in Preßburg.
- Handschuhmachermeister (+ 1825) in Bautzen: Bruder (Kürschner) in Amsterdam.

Natürlich ist richtig, dass sich Bauern meist in einem engeren und Handwerker meist in einem weiteren Radius bewegten. Das schließt eine höhere Mobilität aber keineswegs aus. Meist kennen wir die persönlichen Verhältnisse auch viel zu wenig, um das sicher beurteilen zu können.

Es grüßt der Alte Mansfelder
__________________
Gesucht:
- Albrecht, Gottfried, Ziegeldecker aus Aschersleben, oo wo? v. 1791
- Beilcke, Joh. Caspar, Schafmeister Südharz, oo wo? um/v. 1767
- Blendor, Blandor(t), Joh. Christian, zul. Unteroffizier, *?/oo v. 1762/+ v. 1793 wo?
- Daume, Daniel *wo? (1716), zul. Erbmüller in Stangerode
- Kaur, Johann, 1815 Soldat Magdeburger Garnison, Schneider, */oo/+ wo?
- Knispel, Michael, oo wo? um/v. 1812 (Prov. Posen) Anna Rosina Linke
- Stahmer, Jacob *wo? (1767), Soldat, zul. in Aschersleben

Geändert von Alter Mansfelder (10.07.2019 um 10:17 Uhr) Grund: Ergänzung.
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  #22  
Alt 10.07.2019, 10:26
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Alter Mansfelder!

Ich kenne von den Kaufleuten unter den Vorfahren eine überraschend hohe Umzugs- und vor allem Reisemobilität. Die Bauern dagegen, das ist ja nicht anders zu erwarten, waren sehr ortstreu und entwickelten auch keine große Aktivität, ihre Frauen von weiter weg zu holen. Generell kann man da aber sagen: je größer der Hof, desto größer der Radius, was natürlich damit zusammenhängt, daß man, zumindest in meiner Gegend (wir hatten das Thema ja schon einmal), innerhalb der Bauernklassen unter sich blieb und es eben nicht so viele größere Höfe gab wie kleine. Und Handwerker habe ich, wie gesagt, zu wenige unter den Vorfahren, als daß ich mich da bezüglich der Mobilität auskennen könnte.

Viele Grüße
consanguineus

P.S. Die Frau des Schönfeld wuchs, wie wir jetzt wissen, in demselben Ort auf wie ihr Mann. Also nichts mit Ostpreußen. Aber die Diskussion über die Wanderungen der Handwerker sei davon nicht betroffen!
__________________
Suche:

Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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  #23  
Alt 10.07.2019, 12:36
Mittelfranke Mittelfranke ist offline männlich
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Hallo,

um auch ein Beispiel meiner Vorfahren beizusteuern:

Mein Stiefaltgroßvater wurde Mitte des 19. Jahrhunderts im Raum Danzig geboren, erlernte den Beruf des Zimmermanns und kam bis in die Gegend um Nürnberg. Die heutige Route Danzig-Nürnberg beträgt etwa 1000 km. Die Route lässt sich übrigens über sein Vorstrafenregister verfolgen, hauptsächlich Bettelei und hin und wieder Beleidigung.
Hier angekommen hat sich meine Altgroßmutter seiner angenommen und ihn gebändigt geheiratet (danach gab es anscheinend nur noch eine Verurteilung, u. a. wegen "groben Unfugs"...).

Ob seine Walz ausuferte oder ob er entgegen dem damaligen"Auswanderungstrend", also Exulanten in Richtung Ostpreußen, auswandern wollte kann ich leider nicht sagen, irgendwann war er einfach hier.

P.S.: Ich verstehe ihn, Franken ist einfach schön
__________________
Viele Grüße

ein Mittelfranke

________________
Ich suche in Ostpreussen:
Kreis Niederung: FN Beyer, Juckel/Jukkel, Kerstein, Paetzel; Kreis Labiau: FN Kailuweit, Denkert, Schönke, Seidenberg
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  #24  
Alt 10.07.2019, 12:50
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Hallo Mittelfranke!

Sehr cooler Lebenslauf! Born to be wild wurde eindeutig nicht in den USA erfunden.

Zitat:
Zitat von Mittelfranke Beitrag anzeigen
P.S.: Ich verstehe ihn, Franken ist einfach schön
Vor allem der Dialekt ist grandios!

Viele Grüße
consanguineus
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Johann Heinrich Jonas ANDRAE, Pastor, * 1796 in Kutzleben
Johann Heinrich CLEVE, Hofmeister auf der Domäne Bornhausen, * um 1775
Andreas HEINRICH: Bürger und Zimmermeister in Querfurt, * um 1770
Anton BLANKE, Halbspänner in Klein Rhüden, * um 1750
Andreas Christian HAGERODT, Ackermann und Krüger in Ahlshausen, * um 1740
Johann Heinrich MAASBERG, Müllermeister, Kaufmann und Brinksitzer in Söhlde, * 1725
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  #25  
Alt 10.07.2019, 15:20
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Bergkellner Bergkellner ist offline
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[QUOTE=consanguineus;1192662
Vor allem der Dialekt ist grandios!
[/QUOTE]

Neernberch...

Zum Thema Handwerker auf der Walz:

Mein 6xUrgroßvater Johann Georg Lehmann wurde 1731 in Pirna in der Sächsischen Schweiz geboren, wanderte der Arbeit(er war Strumpfwirker) nach Naumburg ab(sind nur ca. 180 km).
Er heiratete in Pirna seine Braut aus Naumburg, ihre Kinder zogen sie in Naumburg groß.
Ihr Sohn Carl Friedrich kam - offensichtlich auf der Walz??? - nach Geyer im Erzgebirge(ca. 110 km), wo er offensichtlich hängenblieb, heiratete und sich sofort an die Produktion von Strümpfen und kleinen Lehmanns machte...

Ich habe einige Handwerker unter meinen Vorfahren, die wanderten und sich unterwegs niederließen.
Bei Andreas' Vorfahren haben sich einige Handwerker in der Mitte der 19. Jahrhunderts als Kolonisten ins Weser-Ems-Land locken lassen.


Lg, Claudia
__________________
Wer lesen kann, ist besser dran!(Andreas' Opa Fred)
Nierngstwuh giehts so zu wie uff dar Walt!(Claudias Uroma Anna)

Suchen immer:
Loewe - Steinau an der Oder/Schlesien(vor 1850)
Heine - Glogau/Schlesien(vor 1850)
Hollenstein - Bleiwäsche/Westfalen(vor 1710)
Ulich - Neukirchen b. Stollberg(um 1710)
Rothbart - Kröslin/Pommern(um 1740)
Mädtke - Grambin und Umgebung/Vorpommern(vor 1840)
Buden/Budin - Wriezen u.U./Brandenburg(um 1700)
Kellner/Gevers - Hannover Stadt u.U.(um 1700)


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  #26  
Alt 10.07.2019, 16:00
Dunkelgraf Dunkelgraf ist offline
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Hallo,


mein Großvater und einige Urgroßonkeln von mir waren auf der Walz mehrere Jahre von Thüringen nach Hamburg gegangen. Dies vor allem deshalb, weil sich dort schon Verwandte aus der Heimat ansässig gemacht hatte, die ihrerseits auch wieder in Hamburg gelandet waren, weil vorher schon jemand sich dort niedergelassen hatte. Den ältesten die ich ermittelt habe, der vom thüringischen Heimatdorf sich in Hamburg niedergelassen hatte waren ein Zuckersieder namens Johann Georg Oppel im Jahr 1749.
Ein Ururgroßvater von mir schreibt in seinen Memoiren, dass er sich in seiner Jugend über fünf Jahre in der Schweiz aufgehalten hat. Dabei hatte er gar kein Handwerk gelernt und übte später in der Heimat den Beruf des Landwirts aus. In der Schweiz war er so um 1835, dort hatte sich ein Großonkel schon vorher ansässig gemacht.
Bei einem anderen Vorfahren dem Müllermeister Johann Martin Goldschmidt, schreibt der Pfarrer im Todeseintrag, dass er über 20 Jahre in der Welt unterwegs war, und in Dresden, Breslau und Schlesien gearbeitet hat und schließlich drei Jahre zur See fuhr was ihn bis nach Indien führte. Martin Goldschmidt starb 1752.
Gerade auch von den Thüringer Waldörfern gab es viele Handelsbeziehungen über den Main nach Frankfurt. Ich habe sogar dort eine Eheschließung 1609 gefunden, die in der Gegend einfach nicht zu finden war.
Ich bin mittlerweile zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wanderschaften und Handelsbeziehungen im 16. 17 18 und 19 wesentlich weiter und umfangreicher waren, als wir uns das heute immer vorstellen

Es grüßt der
Dunkelgraf
__________________
Wer einen Tippfehler findet, darf ihn gern behalten. Viel Spass damit wünscht Dunkelgraf

Geändert von Dunkelgraf (10.07.2019 um 16:02 Uhr)
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  #27  
Alt 10.07.2019, 17:39
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Zitat:
Zitat von Dunkelgraf Beitrag anzeigen
Ich bin mittlerweile zu dem Ergebnis gekommen, dass die Wanderschaften und Handelsbeziehungen im 16. 17 18 und 19 wesentlich weiter und umfangreicher waren, als wir uns das heute immer vorstellen
So sehe ich das auch.

Es grüßt der Alte Mansfelder
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- Albrecht, Gottfried, Ziegeldecker aus Aschersleben, oo wo? v. 1791
- Beilcke, Joh. Caspar, Schafmeister Südharz, oo wo? um/v. 1767
- Blendor, Blandor(t), Joh. Christian, zul. Unteroffizier, *?/oo v. 1762/+ v. 1793 wo?
- Daume, Daniel *wo? (1716), zul. Erbmüller in Stangerode
- Kaur, Johann, 1815 Soldat Magdeburger Garnison, Schneider, */oo/+ wo?
- Knispel, Michael, oo wo? um/v. 1812 (Prov. Posen) Anna Rosina Linke
- Stahmer, Jacob *wo? (1767), Soldat, zul. in Aschersleben
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