#1  
Alt 01.09.2019, 09:52
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Standard Kinderlandverschickung um 1943

Liebe Helfer,

wir haben mal wieder ein Foto gefunden, das sogar auf der Rückseite beschriftet ist

Man sieht Mutter und Sohn (12 Jahre alt) in einer Art Park, im Hintergrund ist eine Villa zu erkennen, die oberhalb des Parks liegt; scheint eine hügelige Gegend gewesen zu sein.

Hinter dem Foto steht, "Lemberg September 1943". Mutter und Sohn sind fein angezogen; der Sohn hat einen kleinen Hund auf dem Arm.

Wenn man "Lemberg" liest, kommt man natürlich zunächst mal auf die Idee, es würde sich um Lemberg/Ukraine handeln und überlegt sich dann, was ein 12-jähriges Kind 1943 in Lemberg macht, das eigentlich nach Osnabrück gehört?

Muttern guckt ausgesprochen heiter, der Sohn eher etwas traurig bzw. in sich gekehrt ...

Inzwischen haben wir herausgefunden, dass es ein Lemberg in der Pfalz gibt, dazu würde die offenbar hügelige Landschaft passen, dazu würde auch diese "Villa" passen.

Nächste Idee, Kinderlandverschickung und Besuch der Mutter dort.
Hat jemand Erfahrung mit der KLV? - Genauer gefragt, gibt es noch irgendwo "Listen", mit deren Hilfe man herausfinden könnte, ob die Idee mit der KLV real sein könnte?
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Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #2  
Alt 05.09.2019, 21:19
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Standard Akten zur Kinderlandverschickung

Hallo,

nach ein paar Zufallsfunden zur Kinderlandverschickung hatte ich hier vor einiger Zeit ein Thema zu noch vorhanden Akten gestartet:
https://forum.ahnenforschung.net/sho...d.php?t=173598

Anscheinend wurde damals alles genau dokumentiert, aber wahrscheinlich sind nur wenige Aufzeichnungen archiviert worden. Diese Akten (falls überhaupt erhalten geblieben) würde ich in den jeweiligen Ortsarchiven vermuten.

LG Adea
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  #3  
Alt 05.09.2019, 22:15
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Guten Abend,


es handelt sich hier mit Sicherheit um den KLV-Aufnahmegau Generalgouvernement Polen, zu dem Lemberg zu diesem Zeitpunkt gehörte. Zu diesem Zeitpunkt war die Luftkriegslage so verschärft das von Schirach die KLV immer mehr ausweitete bis ausserhalb des Reichsgebietes, den verbündeten und den besetzten Ländern.
__________________
Schönen Gruß Andreas

https://www.youtube.com/watch?v=VwX7nC-LpKs
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  #4  
Alt 06.09.2019, 11:13
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Hallo, zusammen!

Vielen Dank! - AnGr, für mich unvorstellbar, dass man ein Kind gute 1.300km weg schickt. Noch unvorstellbarer, dass eine Mutter offenbar mindestens 24 Std. mit dem Zug unterwegs ist, um ihr Kind zu besuchen, zudem noch mitten im Krieg.

Konnte man sich um diese Kinderlandverschickungen "bewerben" oder ging das irgendwie "automatisch"? Hatte man Einfluss auf das Ziel der Reise?
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Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #5  
Alt 06.09.2019, 12:26
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Noch ne Frage

Hatten die Schulen dabei auch irgendwie "die Finger im Spiel"? - Ein 12-jähriger Junge war letztlich auch noch schulpflichtig, musste also aus der Schule am Heimatort raus und am Ort x wieder rein.
Noch ein Problem mehr für ein Kind
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Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #6  
Alt 06.09.2019, 13:33
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Hallo Scheuck,

eine ganze Menge zu Deinen Fragen klärt sich schon, wenn man den Wikipedia-Artikel liest. https://de.wikipedia.org/wiki/Kinderlandverschickung

Und ja, überwiegend war die "erweiterte" Kinderlandverschickung freiwillig (wenn man das so sagen kann).

Die Mütter konnten ihre Kinder auch kostenfrei besuchen.
Und Schulunterricht wurde dort auch erteilt. Wenn nicht sowieso die ganze heimatliche Klasse zusammen dort hin verschickt wurde.

Es gab aber auch die Möglichkeit, dass die Mütter mit ihren Kindern zusammen in eine sogenannte Pflegefamilie für eine Zeit umsiedelten.

In Deinem Fall könnte das eine oder andere zutreffen.

Ob das für die Kinder immer so angenehm war, mag dahingestellt bleiben. Zumindest wenn die Mutter für die ganze Zeit mit dabei war, war es ganz sicher leichter.

Wenn man sich manche Geschichten der seinerzeit Beteiligten im i-net so durchliest, haben sich manche da ganz wohlgefühlt. Andere wiederum berichten, dass es fast die schlimmste Zeit ihres Lebens war.

LG Pitka
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WERNER aus Mertensdorf/Kr. Friedland, Allenstein und Marwalde (Ostpreussen), HINZ / HINTZE und KUHR aus Krojanke/Kr. Flatow (Posen/Westpreussen), WERNER, HINZ und SEIDEL aus Gilgenburg/Kr.Osterode (Ostpreussen), ELIS und FESTER aus Siegen bzw. dem Kr. Wetzlar (Hessen), ZILLEN aus Venekoten bzw. In den Venekoten, Gem. Elmpt (jetzt: Niederkrüchten) Kr. Erkelenz (NRW), SAENGER aus Süß und Machtlos (Hessen) u. aus Essen (NRW), PHILIPP aus Wolfsdorf/Niederung Kr. Elbing
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  #7  
Alt 06.09.2019, 14:35
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Hallo, Pitka!

Sei bedankt! - Tja, meine absolute "Haupt-Frage" ist die, dass ich es nicht verstehe
Ich verstehe natürlich das Prinzip dieser KLV, ich sehe aber in erster Linie Lemberg, das gute 1.300km weit weg ist, und ich sehe die ganzen anderen "Unannehmlichkeiten" auf beiden Seiten (Eltern und Kinder).

Ich bin ein deutliches Nachkriegs-Kind, "kenne" Krieg nur aus spärlichen Erzählungen und habe mir "den Rest" selbst zusammengereimt.
In meinem Kopf ist man als Familie besser zusammen, unabhängig davon, welche Konsequenzen das haben kann.

Mal ganz deutlich und "takt-arm" ausgedrückt, Eltern bei einem Luftangriff um's Leben gekommen, Kind in Lemberg bei der KLV ......
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Herzliche Grüße,
Scheuck
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  #8  
Alt 06.09.2019, 16:02
Pitka Pitka ist offline weiblich
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Ja, Scheuck, das haben wir beide uns jetzt gedacht, aber nicht nur wir, sondern auch die Mütter damals. Deshalb hatte die KLV auch vielfach keinen großen Anklang gefunden. Und selbst wenn die Mütter die Kinder kostenfrei besuchen durften, so waren in dem Moment zuhause immer noch die anderen Kinder zu versorgen. Wer machte das dann? Vater im Krieg und Mutter auf Kindbesuch? Wie soll das gehen?

Trotzdem sind hunderttausende von Kindern da mitgefahren! Und wie weit weg von zu Hause, war da nicht mehr so wichtig. Vor allen Dingen, wenn der ganze Jahrgang, also die ganze Schulklasse gefahren ist. Da wollte in der damaligen Zeit sicher niemand auffallen und seine Kinder nicht mitfahren lassen!

Ich glaube wir Nachkriegskinder können uns nicht wirklich vorstellen, wie schei.. der Krieg für alle Beteiligten wirklich war.

LG Pitka
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  #9  
Alt 06.09.2019, 16:13
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Standard Klv

Zitat:
Zitat von Pitka Beitrag anzeigen

... Ich glaube wir Nachkriegskinder können uns nicht wirklich vorstellen, wie schei.. der Krieg für alle Beteiligten wirklich war.

LG Pitka
Zweifelsfrei, Pitka! Und das fängt mit einem solch blöden Foto aus 1943 schon an ...
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Herzliche Grüße,
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  #10  
Alt 06.09.2019, 18:14
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AnGr AnGr ist offline
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Guten Abend,


besonders wird in einem Literaturwerk die Leistung der Reichsbahn hervorgehoben, die die Durchführung des Hilfswerkes KLV bis Kriegsende ermöglicht und gesichert hat und unvorstellbare Organisations - und Transportleistungen, auch unter schwierigsten Kriegseinwirkungen, bewerkstelligt hat.
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Schönen Gruß Andreas

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