#1  
Alt 12.09.2007, 16:59
MPHartmann MPHartmann ist offline
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Registriert seit: 14.05.2007
Beiträge: 17
Standard Schreibweise-Westerdorff aus Altenessen

Hallo Forenleser,

Von meinem Großonkel (+) bekam ich die Familienunterlagen von meiner Urgroßmutter, darunter sehr viele Abschriften von Dokumenten aus Archiven, zurückgehend bis 1275. Leider sind diese lückenhaft und Erwähnungen von Westerdorff'schen Personen sind als Vorfahren gelistet. Auf der Suche nach Verbindungen zwischen den erwähnten Personen fiel mir auf, das im Laufe der Zeit nicht nur die Schreibweise des Familiennamens variierte, sondern auch die Schreibweise von offensichtlich ein und derselben Person. Wie gehe ich bei der Suche nach Familienpersonen vor, wenn sich die Schreibweise der Namen teilweise von Generation zu Generation abwandelt?
Als Bsp.: Westerdorp- Westerdörpe, Westertorpf, Westerdorfe, Westerdorf, Westerdorff ...

Viele Grüße

Matthias
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  #2  
Alt 13.09.2007, 06:10
Marlies
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Schreibweise-Westerdorff aus Altenessen

Zitat:
Original von MPHartmann
Leider sind diese lückenhaft und Erwähnungen von Westerdorff'schen Personen sind als Vorfahren gelistet
Hallo Matthias,

wenn die Auflistung lückenhaft ist, hast Du KEINE schlüssige Beweiskette dass es sich wirklich um Deine Vorfahren handelt.

Zitat:
Original von MPHartmann
Wie gehe ich bei der Suche nach Familienpersonen vor, wenn sich die Schreibweise der Namen teilweise von Generation zu Generation abwandelt?
Als Bsp.: Westerdorp- Westerdörpe, Westertorpf, Westerdorfe, Westerdorf, Westerdorff ...
am besten nach allen Namen suchen, um so eine lückenlose Kette aufbauen zu können


Viel Erfolg!
Marlies
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  #3  
Alt 21.09.2007, 14:40
MPHartmann MPHartmann ist offline
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Beiträge: 17
Standard

Hallo Marlies

Vielen Dank für Deine Ausführungen, doch vielleicht habe ich meine Frage nicht richtig gestellt. Bei nachweislichen Vorfahren, zurück bis ca. 1650 wird der Vor- und Familienname oft anders geschrieben.
Bsp. Geburtsregister. Name: Heinrich Wilhelm- Datum und Eltern Westerdorff und Frau Maria...
Bei der Heirat wird er Wilhelm Westerdörpe genannt mit seiner Frau Anne+ Datum und Eltern.......
In einer Behandigungsurkunde wird er als Wilhelmi Henrici Westerdorpff mit seiner Frau Enne (Geb. + Heirats- Datum und Eltern identisch) erwähnt.
Bei den Geburtseinträgen seiner Kinder wird der Familienname wieder Westerdorff.
Später tritt dieses wieder auf, bei der Behandigung seines Sohnes, oder seiner Sterbedaten, jedoch handelt es sich stets um ein und die selbe Person, da sich dies aus den dabei erwähnten Eltern, Kindern, oder Ehepartnern zweifelsfrei klären lässt.

Welche Schreibweise ist die richtige, welche soll ich in dem betreffenden Personendatenblatt und Familiendaten verwenden? Ist es üblich, das sich die Schreibweise des Namens so oft und auffällig ändert?

Gruß Matthias
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  #4  
Alt 23.09.2007, 12:58
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Hintiberi Hintiberi ist offline männlich
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Standard

Zitat:
Original von MPHartmann
Bsp. Geburtsregister. Name: Heinrich Wilhelm- Datum und Eltern Westerdorff und Frau Maria...
Bei der Heirat wird er Wilhelm Westerdörpe genannt mit seiner Frau Anne+ Datum und Eltern.......
In einer Behandigungsurkunde wird er als Wilhelmi Henrici Westerdorpff mit seiner Frau Enne (Geb. + Heirats- Datum und Eltern identisch) erwähnt.
Bei den Geburtseinträgen seiner Kinder wird der Familienname wieder Westerdorff.
Hallo Matthias,

zusätzlich zu den von Marlies gegebenen Informationen, möchte ich noch auf folgendes hinweisen:

In Westfalen (bzw. überhaupt im Norden Deutschlands) wurde früher bekanntlich Plattdeutsch gesprochen.
Seit etwa dem ausgehenden 16. Jahrhundert gewinnt in Norddeutschland (zunächst im Schriftdeutschen) das Hochdeutsche die Überhand.

Das Hochdeutsche wird Vorschrift zunächst bei gerichtlichen Schreiben, später in sämtlichen "öffentlichen" Angelegenheiten, nach und nach auch in der Kirche (hier natürlich stets in Konkurrenz mit Latein).

Durch das Aufstreben des Hochdeutschen verlirt das Plattdeutche mehr und mehr an "Ansehen", es wird zur Sprache der Dummen, der Tölpel, der Ungebildeten. Will man (auch in der Literatur der Zeit) Leute als bescheuert darstellen, läßt man sie Plattdeutsch reden.


Plattdeutsch war also immer weniger angesehen, und so kam es vor, daß, wo und wann immer jemand etwas schreiben mußte, dieser Schreiber zunehmend darauf achtete, möglichst gutes Hochdeutsch zu verwenden.
(Ich sollte hier kurz erwähnen, daß es auch für das Hochdeutsche noch keine standardisierte Form gab; die gibt es erst seit Ende des 19. Jahrhunderts!)

Einige Schreiber waren jedoch "so" gewissenhaft, daß sie auch Namen "verhochdeutschten", sie haben "hyperkorrigiert":


Folgende Erscheinungen sind typisch für den Unterschied zwischn Platt- und Hochdeutsch:

Ein plattdt. "p" erscheint im Hochdeutschen als "ff" oder "pf",
ein plattdt. "t" erscheint hochdt. als "ss" oder "(t)z",
ein plattdt. "k" erscheint hochdt. als "ch".
(Für die sprachwissenschaftlich interessierten: Es handelt sich hier um das Phänomen der 2. Lautverschiebung).

Zudem gab es auch Wandlungen bei den Vokalen
ein plattdt. "ie" erscheint hochdt. als "ei"
ein plattdt. "u" erscheint hochdt. als "au"
ein plattdt. "ü" erscheint hochdt. als "äu"

Auch der Umlaut war/ist im Plattdeutschen viel ausgeprägter als im Hochdeutschen, daher z.B. auch "-dörpe" statt "-dorf" oder "Änne/Enne" statt "Anna".

und noch etliche mehr...



Der Name Westerdorp wurde also nach allen Regeln der Kunst in einen Westerdorf(f) oder Westerdorpf verwandelt, ein Schniedermann wurde zum Schneidermann, ein Pieper zum Pfeiffer, ein Schulte zum Schulz(e), ein Husemann zum Hausmann, ein Watermann zum Wassermann, ein Kock zum Koch, ein Schäper zum Schäfer, ein Schmidt zum Schmitz, usw. usw. usw.


Es lag also nicht ausschließlich am Gehör des Schreibers, sondern auch an dessen Wissen um die Unterschiede zwischen dem was die Leute sagen, und wie man das nun auf hochdeutsch schreiben soll; denn "gehört" hat er sicherlich den Pieper, den Schnieder und den Schulte - ob er letzten Endes auch den Pieper notierte, oder doch lieber den "richtiger" klingenden Pfeiffer, das lag oft in seinem Ermessen.



Zitat:
Welche Schreibweise ist die richtige, welche soll ich in dem betreffenden Personendatenblatt und Familiendaten verwenden? Ist es üblich, das sich die Schreibweise des Namens so oft und auffällig ändert?
Es gibt keine "richtige" Schreibweise eines Namns, denn Namen unterliegen nicht der deutschen Rechtschreibung gemäß Duden.
Die Schreibweise eines Namens wurde soweit ich weiß erst mit Einführung der Standesämter verbindlich festgelegt, doch wie auch in den Zeiten vorher, war es v.a. bei den "kleinen" Leuten eher nebensächlich, ob Schulze mit tz oder Meier mit ey geschrieben wurde.

Erst in der neueren Zeit wird verstärkt darauf geachtet, daß Namen ordentlich und "richtig" in die Urkunden eingetragen werden und dann kommt auch wieder diese dermaßen übertriebene Bürokratie hinzu, wenn jemand die Schreibweise seines Namens ändern möchte...

Welche Schreibung Du also übernimmst für die Namen Deiner Vorfahren, ist, wie Marlies schon schrieb, Deine Entscheidung. Vielleicht die, die am häufigsten erscheint, vielleict die, die am schönsten, altertümlichsten, zeitgenössischsten erscheint; die Varianten solltest Du aber alle notieren, vielleicht hilft Dir das später mal weiter...


Viele Grüße
-Jens
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  #5  
Alt 24.09.2007, 23:24
MPHartmann MPHartmann ist offline
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Registriert seit: 14.05.2007
Beiträge: 17
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Hallo Marlies, hallo Jens

Vielen Dank für Eure Ausführungen. Sehr interessant! Mal sehen wie ich mich bezüglich des Namens entscheide, ich tendiere dazu, die heutige Schreibweise zu nehmen, da es noch wenige lebende Familienmitglieder gibt. Die Erklärung zur veränderten Schreibweise bereichert auf jeden Fall meine Ausführungen zur Familiengeschichte.


Viele Grüße und Danke

Matthias
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  #6  
Alt 31.12.2007, 12:42
mschirm mschirm ist offline
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Registriert seit: 31.12.2007
Beiträge: 1
Standard RE: Schreibweise-Westerdorff aus Altenessen

Hallo Matthias,

Michael Wessendorf (Ahnenliste) hat mich auf deinen Forumsbeitrag aufmerksam gemacht.
Ich suche auch nach dem Namen WESTERDORF(F) in Essen. Folgende Ahnen habe ich bisher
ausfindig machen können:

32. Schirm, Carl Friedrich Wilhelm, ev., Bergmann,
  • * 17.09.1793 in Ludwigsthal (Oberschlesien)
  • + 25.06.1857 in Essen
  • [] 27.06.1857 in Essen
  • oo 12 Nov 1827 in St. Gertrud, Essen mit Elisabeth Westerdorff
  • Trauzeugen: Ignaz Westerdorf (Schlosser in Essen), Ferdinand Milleschein (aus Oberschlesien), Franz Schlössendorf
33. Westerdorff, Elisabeth, kath.,
  • * 22.01.1804 in Essen
  • ~ 24.01.1804 in St. Gertrud, Essen
  • Taufpaten: Maria Elisabeth Westerdorff, Henri Papenhoff, Anna Gertrud Wiethoff, Jacob Örding
  • + 27.05.1871 in Essen
  • [] 30.05.1871 in Essen
66. Westerdorff, Aegidius, kath., Taglöhner,
  • * Err 1757
  • ??? ~ 25.11.1760 in St. Johann oder St. Gertrud, Essen ???
  • + 04.09.1837 in Essen
  • [] 07.09.1837 in Essen
  • oo I. 24.02.1784 in Essen mit Anna Schroeders
  • oo II. 30.09.1798 in St. Gertrud, Essen mit Elisabeth Rasche
67. Rasche, Elisabeth,
  • * Err 1767
  • + 16.01.1842 in Essen
  • [] 19.01.1842 in Essen
Kannst du eventuell eine Verbindung zu meinen Westerdorffs herstellen? Viele Grüße und eine guten Rutsch ins neue Jahr Michael (Schirm)
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