#11  
Alt 31.07.2015, 15:26
PetraNeu PetraNeu ist offline
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Lieber PH

ich kann eine Kleinigkeit beitragen zu der Situation in Komotau Mai 45. Meine Mutter war hierher als 17-Jährige mit ihrer Familie nach 3-monatigem Aufenthalt im Lager Kruschowitz wohlorganisiert verlegt worden. Sie kamen mit dem Zug dort an und wurden in einer Schule untergebracht, die am Abend des Waffenstillstands von russischen Frontsoldaten belegt wurde. Es kam nicht zu Übergriffen, die Soldaten legten sich in der Turnhalle zum Schlafen hin.
Trotzdem packten die Flüchtlinge morgens schnell ihre Sachen und gingen in die Stadt in der Hoffnung auf einen Transport. Die 2-oder 3-tägige Wartezeit kamen sie notdürftig in einer Zuckerfabrik unter. Dann wurde ein Zug bereitgestellt, mit dem meine Familie auf einem offenen Pritschenwagen bis zur Endstation Dresden mitfuhr. Ab hier waren alle auf sich selbst gestellt. Es ging zu Fuß über Görlitz auf die polnische Seite und durch das Riesengebirge zurück nach Ratibor. Unterwegs hieltensie sichmit Betteln über Wasser. Bis auf zwei Übergriffe auf das Gepäck kam es nicht zu körperlicher Gewalt und meine Familie hat auch nichts selbst beobachtet. Aber die Angst davor war groß und das Leid, von dem andere Flüchtlinge berichteten, hat sie sehr bedrückt.
Vielleicht war Deine Familie auch auf diese Weise unterwegs und hat keine schlechten Erfahrungen gemacht?

Viele Grüße
Petra
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  #12  
Alt 31.07.2015, 15:39
Mysterysolver Mysterysolver ist offline
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Ich empfehle dir sehr das Buch "Ordnungsgemäße Überführung : Die Vertreibung der Deutschen nach dem Zweiten Weltkrieg" vonR. M. Douglas. Im Gegensatz zu vielen anderen Büchern ist es nicht tendenziös, aber dennoch ehrlich & sachlich geschrieben mit Quellennachweisen. Aus diesem Buch habe ich sehr viel gelernt über den komplizierten Vertreibungsablauf, der für mich vorher immer an irgend einer Stelle noch ein Buch mit mindestens einem übrigen Siegel war

Wenn ich mich korrekt an die Angaben im Buch erinnere, wurde zunächst in Polen "wild" vertrieben, dort wohl auch besonders brutal. Es gab massive Völkerbewegungen, die Höfe etc. wurden platt gemacht oder an polnische Heimkehrer vergeben. Da wäre die "erste" Flucht Richtung Tschechien denkbar, denn dort wurde meiner Erinnerung nach erst ein wenig später vertrieben. Dann wäre eine Rückkehr nach Schlesien denkbar, als die große Aufregung sich gelegt hätte... Und dann irgendwann wäre die offizielle Ausweisung 1946.
__________________
Lg,
Susanne

PS: Suche jegliche "Verflechtungen" zwischen FN Wichert & Zielke (Pommern, evtl. auch andere Gebiete). Außerdem: Nachfahren der Gertrud CYGANEK, geb. KILIAN (aus Leobschütz, Schlesien)
--
FN-Liste: Hamersky, Quitoschinger (Böhmen und Sachsen) / Kilian (Schlesien) / Kloss (Masuren) / Wichert, Zielke (Pommern) / Huismann, Memering (Emsland und Landkreis Leer)
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  #13  
Alt 01.08.2015, 09:35
henry henry ist offline männlich
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hallo,

Berichte aus Groß Tuchen und Ostpommern
über Flucht und Vertreibung


Inhalt Übertragung - Vertreibung

Bitte um Entschuldigung.
__________________




Gruss henry

Geändert von henry (01.08.2015 um 11:19 Uhr)
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  #14  
Alt 01.08.2015, 17:45
Benutzerbild von Schneerose
Schneerose Schneerose ist offline
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Hallo opledamu

danke, dass Sie Ihre Erinnerung mit uns teilen.

Sie sind ein Jahr jünger als mein Vater und er konnte nie darüber wirklich reden.

Hallo phparis

Meine Großmutter floh mit ihren vier jüngeren Kindern 1945 aus Niederschlesien. Se liessen Hof, Acker, Land und Tiere zurück.
Unter furchtbaren Umständen. Ein Sohn, gerade 16, war zum Volksturm eingezogen worden, mein Großvater ebenfalls in den letzten Kriegs"tagen".
Ein weiterer Sohn, 19, war ebenfalls eingezogen.

Hunger, Demütigung, Gewalt waren Begleiter der Flucht.

Als es hiess, es sei sicher, kehrten sie unter fast genauso bitteren Umständen zurück. Bei Ankunft fanden sie in der "guten Stube" Polen vor, die dort einquartiert wurden.
Galizierpolen, die, wie ein Familienmitglied sagte, das gleiche Schicksal hatten, wie es den Schlesiern noch bevorstand.

Die einquartierten Polen arbeiteten nicht, das tat meine Familie.
Meine Großmutter und ihre Kinder lebten relativ ruhig mit den Polen.

Bis Juli 1946. Räumungsbefehl. Am Abend.
Die Polen, die nun als Besitzer des Eigentums, das Jahrhunderte in unserem Familienbesitz war, galten, "karrte" meine Großmutter mit den vier Kindern, die sie schon auf der Flucht im Jahr vorher mitnehmen konnte, zum befohlenen Abtransportsort.
Dort wurden sie registriert und am nächsten Tag"weggekarrt"

Erst bei Ankunft im Westen bekamen sie zu essen. Und die Kleinkinder Milch.
Von den Briten. Die sie wie Menschen behandelten

Sie wurden dann "verteilt". Die Familie dabei getrennt. Die jugendlichen Söhne kamen woanders unter als die Kleinkinder mit meiner Großmutter.

Die beiden Söhne, die eingezogen waren, kamen nach Gefangenschaft "illegal" über Görlitz und fanden ihre Angehörigen.
Mein Großvater verhungerte einige Monate vor der Vertreibung in der heutigen Ukraine in sowjetischer Gefangenschaft.

Von einem Bruder meines Vaters weiss ich, dass er noch heute sich an jede Kleinigkeit erinnert. Jeden Namen, jeden Nachbarn, Häuser, Schulereignisse und so weiter.

Traumatisch ist es bis heute für alle, die noch leben.

Ich kann jedem nur raten, fragt die Zeitzeugen.

LG
Schneerose
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  #15  
Alt 01.08.2015, 19:11
Kunze Peter Kunze Peter ist offline weiblich
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Standard Ich kann jeden nur raten, fragt die Zeitzeugen.

Das habe ich getan. So konnte ich die schrecklichen Erlebnisse, Namen und Geschehnisse 1945 in Reutnitz , meiner Mutti und ihrer Eltern und ihre Flucht für ihre Nachkommem aufschreiben.
Es tut so weh war ihnen passiert ist.
Grüße Renate
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  #16  
Alt 01.08.2015, 21:50
Benutzerbild von Schneerose
Schneerose Schneerose ist offline
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Standard ja,

es tut weh, macht mich traurig und wütend

Liebe Renate,

was mich tröstet, ist ein älterer Bruder meines Vaters, der seinen Frieden gemacht hat mit dem, was ihm und seinen Geschwistern, seiner Mutter und seinem Vater angetan wurde mit dem Krieg.
Wie sagte er zu mir: dein Vater, mein Bruder, war viel zu klein, um das fassen zu können. Er hat das im Herz vergraben, weil er nur so leben konnte.

Es tröstet mich, zuzuhören, selber zu forschen und das Leid, dass mein Vater mit in sein Grab genommen hat, zumindest zu "kennen".

LG

Schneerose

Note: www.ost-doku.homepage.t-online.de
Das ist-für mich als Angehöriger der Kriegsenkel Generation- die beste homepage zum Thema. Umfassend, sachlich ohne zu beschönigen oder zu verschleiern. Informativ und übersichtlich.

Geändert von Schneerose (01.08.2015 um 21:55 Uhr)
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  #17  
Alt 05.11.2017, 20:33
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puschel puschel ist offline weiblich
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Zitat von Schneerose Beitrag anzeigen
Hallo opledamu

danke, dass Sie Ihre Erinnerung mit uns teilen.

Sie sind ein Jahr jünger als mein Vater und er konnte nie darüber wirklich reden.

Hallo phparis

Meine Großmutter floh mit ihren vier jüngeren Kindern 1945 aus Niederschlesien. Se liessen Hof, Acker, Land und Tiere zurück.
Unter furchtbaren Umständen. Ein Sohn, gerade 16, war zum Volksturm eingezogen worden, mein Großvater ebenfalls in den letzten Kriegs"tagen".
Ein weiterer Sohn, 19, war ebenfalls eingezogen.

Hunger, Demütigung, Gewalt waren Begleiter der Flucht.

Als es hiess, es sei sicher, kehrten sie unter fast genauso bitteren Umständen zurück. Bei Ankunft fanden sie in der "guten Stube" Polen vor, die dort einquartiert wurden.
Galizierpolen, die, wie ein Familienmitglied sagte, das gleiche Schicksal hatten, wie es den Schlesiern noch bevorstand.

Die einquartierten Polen arbeiteten nicht, das tat meine Familie.
Meine Großmutter und ihre Kinder lebten relativ ruhig mit den Polen.

Bis Juli 1946. Räumungsbefehl. Am Abend.
Die Polen, die nun als Besitzer des Eigentums, das Jahrhunderte in unserem Familienbesitz war, galten, "karrte" meine Großmutter mit den vier Kindern, die sie schon auf der Flucht im Jahr vorher mitnehmen konnte, zum befohlenen Abtransportsort.
Dort wurden sie registriert und am nächsten Tag"weggekarrt"

Erst bei Ankunft im Westen bekamen sie zu essen. Und die Kleinkinder Milch.
Von den Briten. Die sie wie Menschen behandelten

Sie wurden dann "verteilt". Die Familie dabei getrennt. Die jugendlichen Söhne kamen woanders unter als die Kleinkinder mit meiner Großmutter.

Die beiden Söhne, die eingezogen waren, kamen nach Gefangenschaft "illegal" über Görlitz und fanden ihre Angehörigen.
Mein Großvater verhungerte einige Monate vor der Vertreibung in der heutigen Ukraine in sowjetischer Gefangenschaft.

Von einem Bruder meines Vaters weiss ich, dass er noch heute sich an jede Kleinigkeit erinnert. Jeden Namen, jeden Nachbarn, Häuser, Schulereignisse und so weiter.

Traumatisch ist es bis heute für alle, die noch leben.

Ich kann jedem nur raten, fragt die Zeitzeugen.

LG
Schneerose
Eine Zeitzeugin wäre z.b.meine Mutter,sie hat auch die Flucht aus Schlesien mitgemacht,durfte nichts minehmen,sondern nur was sie tragen konnten.Wie eine lange Marschkollonne wurden sie gejagt und daneben die Soldaten mit Gewehren,wer nicht mitmachte wurde liegen gelassen,oder erschossen bei Wind und Wetter.Bei Regen draussen schlafen war auch nicht gerade toll.Sie hat für uns Kinder und engere verwandten alles aufgeschrieben und ich habe es drucken lassen.Das ist ein Andenken an Sie,wenn sie einmal nicht mehr ist.Heute ist sie 95 Jahre alt und hat ihre Heimat seitdem nie wieder gesehen.

Geändert von puschel (05.11.2017 um 23:23 Uhr)
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  #18  
Alt 05.11.2017, 22:05
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puschel puschel ist offline weiblich
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meine Mutter ist aus Niederschlesien ( Schweidnitz ) und hat auch die flucht mitgemacht und hat ein buch nur für uns geschrieben.Sie ist heute 95 jahre alt.
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flucht , goldberg , liegnitz , niederschlesien , vertreibung , zeitzeuge

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