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Umfrageergebnis anzeigen: Meine Meinung zum Dialekt
Ich spreche selbst Dialekt (oder kann/könnte es zumindest) und bin für den Dialekterhalt 211 64,33%
Ich kann keinen Dialekt sprechen, begrüße aber die Bestrebungen Dialekte zu erhalten 91 27,74%
Ich lege keinen Wert auf Dialekt, könnte/kann jedoch Dialekt sprechen 15 4,57%
Ich lege keinen Wert auf Dialekt, spreche auch keinen 13 3,96%
Multiple-Choice-Umfrage. Teilnehmer: 328. Sie dürfen bei dieser Umfrage nicht abstimmen

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  #41  
Alt 22.10.2006, 19:39
Marlies
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Tschuschen und Tschurtschen/

Zitat:
Original von carinthiangirl
Ich kann mich noch an ein Plakat in Österreich in den 70igern erinnern,
Hallo Inge,

ja, jetzt wo Du es sagst, kommt es mir auch wieder ins Bewußtsein! Es zeigte Wirkung.
Ich verstehs eh nicht: Mir ists egal, ob jemand aus xy oder sonstwo herkommt, wenn er/sie mir sympathisch ist, bleibts dabei, wenn nicht, hat es nichts mit der Herkunft zu tun, sondern die "Wellenlänge" stimmt nicht und das kann ja auch auf die liebe Verwandtschaft zutreffen genauso wie auf das "Gegenüber" in einer größeren Gesellschaft.

Lieben Gruß
Marlies

P.S. Tschurtschalan hab ich heuer einige gesammelt, sie sind zum Anschüren gut und riechen so herrlich
  #42  
Alt 28.10.2006, 18:42
Dieter Seeghitz Dieter Seeghitz ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 14.07.2006
Beiträge: 117
Standard Dialekt - ja bitte!

Wenn man ein bewusst offenes Ohr für Dialekt hat, wird man immer wieder feststellen können, wie facetten- und einfallsreich ein heimischer Dialekt sein kann. Wenn ich in Mittelfranken beim Bäcker allein das hochdeutsche
"Brötchen" verlange, reichen die Varianten von Brödli, Brödla, Semmerli, Semmerla bis zum Weckla. Meines Erachtens vermag Hochdeutsch viele der Feinheiten, die im Dialekt stecken, nicht ausdrücken. Schönstes Beispiel für mich ist ein Kleinkind, das gerade das Laufen gelernt hat. In Franken ist das ein "Waggerla", weil es das Gleichgewicht halten wollend immer hin und her wackelt. Übersetzt dieses Wort mal ins Hochdeutsche!

Wo meine Liebe zum Dialekt (mit meinen Mitmenschen verständige ich mich in einem gehobenen Umgangsdeutsch mit fränkischer Einfärbung) aufhört ist dann gegeben, wenn jemand mit tiefstem Dialekt - aus welcher Ecke Deutschlands auch immer - sich an mich wendet und meint, ich müsse ihn sofort verstehen und auch dann sich sprachlich nicht bemüht, wenn ich ihn sichtlich nicht verstehe.

Adé miteinander

Dieter
  #43  
Alt 28.10.2006, 20:32
Dieudonné Dieudonné ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 13.05.2006
Beiträge: 24
Standard RE: Dialekt - ja bitte!

Dieter,
Dein Beitrag hat ein ganzes Szenario aus Würzburger Tagen vor meinen Augen aufleben lassen. Da kann man die Ausdrucksstärke von Dialekt direkt spüren.
Vor allem das Adé, mit dem mich meine Schwiegermutter immer verabschiedete.
Das Adé wurde bereits im späten 16.Jhd./17.Jhd. aus dem nordfranzösischen adé übernommen. Adé = adieu (franz.) = ad deum (lat.) = addio (it.). Das bedeutet soviel wie zu Gott, auch Gott befohlen und wurde dann zu Lebe wohl.
Dazu fällt mir auch ein Ausspruch in einem Märchen der Brüder Grimm ein: "Adjes Herr Kartoffelkönig".
Und wenn schon Gott im Spiel ist: Gott zum Gruß als Begrüßung und Verabschiedung. Und hier nun unser bayrisches Grüß Gott.
Sehr interessant auf welchen Wanderwegen die verschiedenen Lehenswörter in unser Land kamen.
Das Waschlavor - von lavoire (frz.) und, und, und...
Man könnte Bände füllen!
Vielleicht erhebt doch mal jemand die Mundart zum Weltkulturerbe.

Es grüßt Euch, der Römer sagt noch heute "Salve"
  #44  
Alt 28.10.2006, 21:23
BenediktB BenediktB ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 31.05.2006
Ort: Oberbayern
Beiträge: 508
Standard RE: Dialekt - ja bitte!

Zitat:
Original von Erika
Das Adé wurde bereits im späten 16.Jhd./17.Jhd. aus dem nordfranzösischen adé übernommen. Adé = adieu (franz.) = ad deum (lat.) = addio (it.). Das bedeutet soviel wie zu Gott, auch Gott befohlen und wurde dann zu Lebe wohl.
Französische Ausdrücke sind in Bayern ohnehin keine Seltenheit. Man denke da an "Trottoire", "Merci" oder "Parterre". Früher gab es z.B. auch noch "Paraplui" u.ä..
Wo wir gerade dabei sind: weiß jemand woher das weit verbreitete "Servus" stammt? Das wird ja wohl nichts mit dem lateinischen Wort für Sklave zu tun haben oder?
__________________
Mein Ancestry-Stammbaum
  #45  
Alt 28.10.2006, 21:38
Marlies
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard RE: Dialekt - ja bitte!

Zitat:
Original von BenediktB
Wo wir gerade dabei sind: weiß jemand woher das weit verbreitete "Servus" stammt? Das wird ja wohl nichts mit dem lateinischen Wort für Sklave zu tun haben oder?
Hallo Benedikt,

doch, im weitesten Sinn schon: Servus ist ja in Bayern und Österreich ein Grußwort, es bedeutet genaugenommen: Ihr oder Dein Diener.

Lieben Gruß
Marlies
  #46  
Alt 29.10.2006, 10:12
Benutzerbild von Eva64
Eva64 Eva64 ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 08.07.2006
Ort: Ba-Wü
Beiträge: 730
Standard RE: Dialekt - ja bitte!

Zitat:
Original von BenediktB
Französische Ausdrücke sind in Bayern ohnehin keine Seltenheit. Man denke da an "Trottoire", "Merci" oder "Parterre". Früher gab es z.B. auch noch "Paraplui" u.ä..
Wo wir gerade dabei sind: weiß jemand woher das weit verbreitete "Servus" stammt? Das wird ja wohl nichts mit dem lateinischen Wort für Sklave zu tun haben oder?
Die kommen auch alle in Württemberg vor . Und kennt jemand einen so schönen Ausdruck für einen Nachttopf wie wir ihn haben "Bottschamperle" (pot de chambre).
Dass die Schwaben respektive Württemberg sehr sparsam waren auch in der Sprache drückt sich in einer Begrüßungsformel aus, die es an meinem Heimatort gab. Trafen sich die Menschen da auf dem Feld wurde nur gesagt "Au". Was so viel heißt wie, "So, bist du auch da und willst auf dem Acker arbeiten?!"
Wir reden noch ein gemäßigtes Schwäbisch zu Hause sog. "Pfarrhausschwäbisch" und auch das verliert sich immer mehr. Unsere Tochter spricht fast ausschließlich Hochdeutsch, woher sie das hat, frage ich mich immer wieder.

Eva
__________________

  #47  
Alt 26.12.2006, 22:04
Andreas G Andreas G ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 25.12.2006
Beiträge: 106
Standard

Ich finde, dass Dialekte erhaltenswert sind. Andererseits hat es mich schon viele Nerven gekostet, dialektisch geschriebene Namen zu entziffern und zuzuordnen.
Mit der Zeit habe ich sogar etwas Sorbisch gelernt. Es ist wahnsinn, wie schnell man dann weiterkommt.
Z.B.
König = Krahl, das geht ja noch
Zscharnack = Schwarz, geht auch noch
aber:
Lehmann = Witschas, da kommt man schon nicht mehr so leicht drauf
und Rack(el) = Krebs(er) ist auch schwer

die Liste ließe sich noch fortsetzen.
Ich bin mir schon bewusst, dass Sorbisch eigentlich kein Dialekt ist, aber da es in den Kirchenbüchern rund um Bautzen oft vorkommt gehört es schon irgendwie zum Thema.
Andreas
  #48  
Alt 27.12.2006, 00:04
roi roi ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.11.2006
Ort: Münsterland
Beiträge: 377
Standard

Ich komme auch aus dem Münsterland und spreche kein plattdeutsch, kann es aber gut verstehen. Auf unserer Straße sprechen die älteren Leute noch platt, aber niemand hat es an seine Kinder weitergegeben. Die Angst, die Kinder könnten dann in der Schule Probleme haben ist noch immer groß. Aus dem gleichen Grund hat schon meine Großmutter (westfälische Bauerntochter) mit ihren Kindern nicht Plattdeutsch gesprochen. Dabei hatte ich Mitschülerinnen, die problemlos zweisprachig aufgewachsen sind.
Ich denke, der wesentliche Punkt ist, wie Hintiberi schon ausgeführt hat, dass es sich beim Niederdeutschen eben nicht um einen Dialekt handelt, sondern um eine eigene Sprache, die sich natürlich ihrerseits in viele Dialekte unterteilte.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vom Rheinland an und südlich davon in Deutschland doch noch viel Dialekt gesprochen wird, vielleicht nicht immer rein, so doch deutlich zu erkennen. Aber das sind eben Dialekte des Hochdeutschen und Hochdeutsch hat als allgemeine Sprache das Niederdeutsche einigermaßen komplett verdrängt.
Ich glaube nicht, dass es nutzt, die Kinder im Plattdeutschen zu unterrichten - sie lernen dann sehr nett, Gedichte aufzusagen oder kurze Geschichten vorzutragen - aber solange niemand mit ihnen diese Sprache ganz normal spricht, nutzt das nicht viel. Schade!
  #49  
Alt 28.12.2006, 23:01
Dieudonné Dieudonné ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 13.05.2006
Beiträge: 24
Standard Dialekt/Mundart - Plattdeutsch

Ich glaube wir müssen anders definieren. Wo geht es um regionale Färbungen in der Aussprache, um menthalitätsbezogene, ganze grammatikalische Satzbildungen oder um eine Vermischung in Grenzgebieten?
Dialekt/Mundart. Wo hört die Möglichkeit auf, sich trotz guten Sprachgefühls zu verstehen? Bairisch - Schwäbisch - Fränkisch, das geht ganz leicht für mich als Süddeutsche - und sogar Sächsisch! Probleme habe ich immer noch mit dem Kölner Dialekt - eigentlich komisch - mit Deutsch- Französisch- Italienischkenntnissen ist das Schweizer Deutsch kein Problem.
Ich glaube Plattdeutsch ist, wie das Schweizer Deutsch eine eigene Sprache. Plattdeutsch stellt eine Mischung aus Deutsch und Angelsächsisch dar.
So ist das für mich auch mit dem Jiddisch, das ich doch ein wenig verstehe. Grundlage dazu ist: a)eine germanische Sprache, b) eine slawische Sprache (die ich nur sehr mangelhaft verstehe), aber es reicht für die Kombinationsgabe.
In Wikipedia wird da von "Ausbausprache" und "Abstandsprache" gesprochen - alles sehr verwissenschaftlicht. Ich denke, wir könnten das - trotz sprachwissenschaftlichem Hintergrund doch einfacher formulieren. Ich glaube das würde viel zum Verständnis beitragen. WER TRAUT SICH?

Es grüßt Euch

Erika
  #50  
Alt 29.12.2006, 14:54
Benutzerbild von Hintiberi
Hintiberi Hintiberi ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 26.09.2006
Ort: Paderborn, Westf.
Beiträge: 1.053
Standard RE: Dialekt - ja bitte!

Zitat:
Original von Dieudonné
Das Adé wurde bereits im späten 16.Jhd./17.Jhd. aus dem nordfranzösischen adé übernommen. Adé = adieu (franz.) = ad deum (lat.) = addio (it.). Das bedeutet soviel wie zu Gott, auch Gott befohlen und wurde dann zu Lebe wohl.
Dazu fällt mir auch ein Ausspruch in einem Märchen der Brüder Grimm ein: "Adjes Herr Kartoffelkönig".
Und wenn schon Gott im Spiel ist: Gott zum Gruß als Begrüßung und Verabschiedung. Und hier nun unser bayrisches Grüß Gott.

Und an diesem Grimmschen Beispiel sieht man auch sehr schön, wie unser heutiges "tschüß" zustandekam - über jenes "adjes" nämlich aus dem französischen "adieu".

Gruß
-Jens
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