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  #1  
Alt 09.06.2019, 14:11
Stefritz Stefritz ist offline
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Beiträge: 3
Standard Widerstand in Breslau, Euthanasieverbrechen in der Heil- und Pflegeanstalt Lüben?

Die Suche betrifft das Jahr oder den Zeitraum: 1933-1945
Genaue Orts-/Gebietseingrenzung: Breslau, Lüben, Schlesien
Konfession der gesuchten Person(en): (evangelisch)
Bisher selbst durchgeführte Internet-Recherche (Datenbanken):
Zur Antwortfindung bereits genutzte Anlaufstellen (Ämter, Archive): Bundesarchiv, Bad Arolsen, Suchdiesnt Deutsches Rotes Kreuz, Staatsarchiv Breslau, Stadt Lubin



Auf der Suchen nach Details zum Schicksal meines Urgroßvaters bin ich nun in einer Sackgasse gelandet. Ich hoffe auf eure Hilfe in Form von Hinweisen welche Stellen/Archive nachweislich Unterlagen aufbewahren.

Meine Recherche begann vor 2 Jahren mit ausschließlich dem Namen meiner Großmutter und der Information meines Vaters "ihr Vater war ein Roter und ist im KZ gestorben" und das sie in der DDR VdN Rente bezog.

Mittlerweile konnte ich Folgendes mithilfe von Geburtsurkunden und Archivdokumenten in Erfahrung bringen:

Friedrich Wilhelm Simon, *1897 Bresalu
wurde als Mitglied/Kassierer der Sozialistischen Arbeiterpartei SAP(D) im August 1933 mit 13 weiteren Personen in Breslau durch die Gestapo(Gestapa) verhaftet. Während der Verhörmaßnamen wurde er am Kopf stark verletzt und musste mehrfach operiert werden (Zeugenaussage eines Mitverhafteten, eidestatttlich abgegeben 1947). Die Breslauer SAP verteilte Flugblätter an ihre Mitglieder in der sie zur Revolution nach russischem Vorbild aufrief und über die Verbrechen der Nationalsozialisten aufklärte.
Er wurde wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 2 Jahren Gefängnis verurteilt (Urteilsdokumente Oberlandesgericht Breslau im Bundesarchiv Berlin).
1936 wurde er am Grabe Ecksteins (Gründer der SAP in Breslau und im KZ Breslau ermordet) wegen staatsfeindlichen Äußerungen verhaftet (Polizeimeldung Tagesbericht Breslau, Bundesarchiv)

Meine Urgroßmutter floh 1945 mit meiner Großmutter aus Breslau über Sachsen nach Potsdam wo sie in den 50er Jahren verstarb. Vom Standesamt Potsdam erhielt ich die Information, dass FW Simon am 1.Januar 1945 in Lüben verstarb.
Meine Vermutung ist nun, dass dieses Datum überliefert wurde. Möglicherweise durch eine Sterbenachricht, die meine Urgroßmutter noch in Breslau lebend, erhielt.

Erst habe ich angenommen, dass er in ein Strafbatallion kam, dass in Kriegsgefechte im Gebiet von Lüben kam und dabei starb. Einschlägige Literatur schließt dies jedoch aus. Was war also nun in Lüben? Meine Recherche ergab, dass sich dort eine Heil und Pflegeanstalt befand.
Im Zusammenhang mit seiner Kopfverletzung lässt sich nun mutmaßen, dass er dort seine letzten Tage verbrachte. Was allerdings noch zwischen den Jahren 1936-1945 geschah lässt sich bisher nicht rekonstruieren.

Die Behauptung er starb im KZ würde ich zu diesem Zeitpunkt ausschließen. Ich habe die Archive der KZ Sachsenhausen, Buchenwald und Groß-Rosen kontaktiert. Dort war kein Friedrich Simon *1897 aus Breslau, inhaftiert.

Wer weiß hier aus dem Forum wo ich nun weitere Dokumente finden kann?

Der Großteil der Akten aus dem Oberlandesgericht Breslau wurde durch die Nazis vernichtet, eine Anfrage an das Staatsarchiv Breslau blieb bis auf die oben genannten Unterlagen erfolglos. Teilweise sind diese im Bundesarchiv Berlin umfangreicher vorhanden.
Eine Wissenslücke daraus ist z.B wo Friedrich nach dem Urteil inhaftiert war. Gibt es noch Akten aus einem Breslauer Gefängnis aus dieser Zeit?
Da weitere Mitangeklagte auch zu Zuchthausstrafen verurteilt wurden, lässt sich dieses Schicksal ausschließen.
Kann es noch Krankenhausakten aus Breslau geben und in welchen Archiv würden diese verwahrt werden?
Die Stadt Lüben hat scheinbar keine Unterlagen zur Heil- und Pflegeanstalt. Man hat mich an das Staatsarchiv Breslau verwiesen. Dort konnte man mit meiner Anfrage nicht anfangen. Im Bundesarchiv wird das Standesamt Lüben benannt.
Mein Ziel wäre eine Sterbeurkunde oder ein Eintrag ins Sterbebuch der Kirche. Das heutige Krankenhaus Lubin habe ich kontaktiert, auch die wissen nichts.

Für jegliche Hilfestellung zur weiteren Vorgehnesweise und Möglichkeiten danke ich Euch bereits jetzt!


Frohe Pfingsten
Stef
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  #2  
Alt 09.06.2019, 15:25
sonki sonki ist offline
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Hallo,

wurde schon versucht die Geburtsurkunde aus Breslau zu besorgen bzw. wann exakt ist er geboren (Datum)? Dort ist im Idealfall der Tod vermerkt- mit Angabe der STA-Nummer aus Lüben. Damit könnte man dann beim heutigen STA Lüben die Urkunde anfordern.
Das noch Unterlagen existieren, zeigt sich ja hier an einem ähnlichen Beispiel - unten auf der Seite: http://www.lueben-damals.de/heilanstalt.html
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  #3  
Alt 09.06.2019, 16:17
rpeikert rpeikert ist offline
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Hallo

Falls es sich um diese Geburtsurkunde http://des.genealogy.net/search/show/11384326 handelt, dann existiert das Erstregister dazu in Archeion. Beide Male aber leider kein Randvermerk.

Aber das gleiche könnte man jetzt noch mit der Heiratsurkunde versuchen (?).

Gruss, Ronny


P.S. Muss mich gerade korrigieren: Bei Archeion ist auch nur das Zweitregister zu sehen. Das dürfte dann leider aber bedeuten, dass das Erstregister verloren gegangen ist.

Geändert von rpeikert (09.06.2019 um 16:24 Uhr)
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  #4  
Alt 09.06.2019, 18:09
Benutzerbild von AlAvo
AlAvo AlAvo ist offline
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Hallo Stef,

sofern eine Sterbeurkunde von "normalen" Standesämtern auffindbar wäre/ist, bezweifle ich, dass im möglichen Zusammenhang mit der Euthanasie auch in Randvermerken (wahre) Angaben von Sterbedaten zu finden sind.

Wie auch hier anschaulich beschrieben, wurde in den allermeisten Fällen der Todesfall verschleiert.

Sofern ein Verdacht im Zusammenhang mit der Euthanasie besteht, lohnt sich eventuell eine Kontaktaufnahme mit einer Euthanasie- Gedenkstätte, z. B. der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein.
Sämtliche Gedenkorte- bzw. Gedenkstätten sowie das Bundesarchiv Berlin, Abt. R. sind untereinander vernetzt und haben Einsicht in die jeweiligen Bestände der anderen Orte.

Ich hoffe, mit diesen Angaben ein wenig zu helfen?


Viele Grüße
AlAvo
__________________
Mitglied der Lettischen Kriegsgräberfürsorge (Bralu Kapi Komiteja)

Zirkus- und Schaustellerfamilie Renz sowie Lettland

Meine Alben (werden ständig erweitert)



Reisenden zu folgen ist nicht einfach, um so mehr, wenn deren Wege mehr als zweihundert Jahre zurück liegen!


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  #5  
Alt 10.06.2019, 15:13
Stefritz Stefritz ist offline
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Hallo,

>>> wurde schon versucht die Geburtsurkunde aus Breslau zu besorgen bzw. wann exakt ist er geboren (Datum)? Dort ist im Idealfall der Tod vermerkt- mit Angabe der STA-Nummer aus Lüben. Damit könnte man dann beim heutigen STA Lüben die Urkunde anfordern.<<<

Die Geburtsurkunde hat keine Randvermerke.
Eine Anfrage beim Standesamt zu den mir bekannten Personendaten war erfolglos.

>>>Das noch Unterlagen existieren, zeigt sich ja hier an einem ähnlichen Beispiel - unten auf der Seite: http://www.lueben-damals.de/heilanstalt.html<<<

Die Seite "Lüben Damals"und die Geschichte um Reinhold Beckers sind mir bekannt. Bisher habe ich noch nicht versucht mit dem Autor Kontakt aufzunehmen und mehr zu seinen Quellen zu erfahren.

>>Zitat Ronny: Falls es sich um diese Geburtsurkunde http://des.genealogy.net/search/show/11384326 handelt, dann existiert das Erstregister dazu in Archeion. Beide Male aber leider kein Randvermerk. <<

Ja, das ist in der Tat die Geburtsurkunde, seit ein paar Monaten ist sie online verfügbar. Darüber habe ich dann auch zwei ältere Geschwister finden können.

>>Aber das gleiche könnte man jetzt noch mit der Heiratsurkunde versuchen (?).<<<

Eine Heiratsurkunde konnte ich bisher nicht finden. Meine letzte Anfrage diesbezüglich ans Staatsarchiv Breslau war, was die Namen der Eheleute anging, damals noch unvollständig. Ein zweiter Versuch wäre es allemal wert.

>>>P.S. Muss mich gerade korrigieren: Bei Archeion ist auch nur das Zweitregister zu sehen. Das dürfte dann leider aber bedeuten, dass das Erstregister verloren gegangen ist.<<<

Worin besteht der Unterschied zwischen Erst- und Zweitregister?

>>> Sofern ein Verdacht im Zusammenhang mit der Euthanasie besteht, lohnt sich eventuell eine Kontaktaufnahme mit einer Euthanasie- Gedenkstätte, z. B. der Gedenkstätte Pirna-Sonnenstein.
Sämtliche Gedenkorte- bzw. Gedenkstätten sowie das Bundesarchiv Berlin, Abt. R. sind untereinander vernetzt und haben Einsicht in die jeweiligen Bestände der anderen Orte.<<<

Ich hatte eine allgemeine Anfrage mit Personendaten von Friedrich Simon an das Bundesarchiv gestellt und habe drei Dokumente erhalten. Das Gerichtsurteil vom Oberlandesgericht Breslau, die eidestattliche Erklärung eines Mitopfers und der Polizeibericht Breslau. Sollte es Patientenlisten oder -akten aus Heil- und Pflegeanstalten geben, hätten diese doch dabei sein müssen?
Über Bad Arolsen habe ich die Anklageschrift vom Oberlandesgericht Breslau erhalten. Würde es weitere Dokumente zu seiner Verfolgung geben, die bereits damals bekannt waren, denke ich, müssten sie dem Archiv auch vorliegen.

Da unter https://www.gedenkort-t4.eu/de die Pflege- und Heilanstalt Lüben bisher nicht gelistet ist, ist es wohl naheliegend, dass belastende Zeitdokumente bereits damals vernichtet wurden oder verloren gegangen sind.

Ich werde aber die Gedenkstätten Sonnenstein und Meseritz-Obrawalde kontaktieren. Zumindest erhoffe ich mir Aussagen über den Forschungsstand.


Vielen Dank für eure Antwortung und Hinweise.
Wenn ich Neues weiß, werde ich diesen Beitrag ergänzen.

Viele Grüße
Stef
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  #6  
Alt 10.06.2019, 15:14
Stefritz Stefritz ist offline
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Keine Ahnung wie man hier mehreren Zitaten in einem Post antwortet...
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  #7  
Alt 10.06.2019, 17:17
rpeikert rpeikert ist offline
Erfahrener Benutzer
 
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Beiträge: 326
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Zitat:
Zitat von Stefritz Beitrag anzeigen
Ja, das ist in der Tat die Geburtsurkunde, seit ein paar Monaten ist sie online verfügbar. Darüber habe ich dann auch zwei ältere Geschwister finden können.
Es gibt (mindestens) acht ältere Gewschwister. Falls noch nicht bekannt, kann ich Dir die Links gern zusammenstellen.
Zitat:
Zitat von Stefritz Beitrag anzeigen
Worin besteht der Unterschied zwischen Erst- und Zweitregister?
Der Unterschied besteht in den möglichen späteren Anmerkungen zu Heiraten, Kindern, Tod etc. Diese wurden normalerweise im Hauptregister gemacht, aber nicht auch im Zweitregister.

Oft ist es so, dass man die Breslauer Erstregister auf der Archeion-Plattform (des Staatsarchivs Breslau), und die Zweitregister (heute im Landesarchiv Berlin) via genealogy.net oder Ancestry findet. Das hatte ich zunächst ohne zu prüfen angenommen. Die Zweitregister erkennt man aber daran, dass jemand die Uebereinstimmung mit dem Hauptregister bestätigen musste.

Gruss
Ronny
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Stichworte
breslau , euthanasie , heil- und pflegeanstalt , kirchenbücher , krankenhaus , lüben , oberlandesgericht , sap , sterbeurkunde , widerstand

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