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  #1  
Alt 13.02.2013, 09:21
franz ferdinand franz ferdinand ist offline männlich
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Standard FN Moldaschl

Familienname: Moldaschl
Zeit/Jahr der Nennung: bis heute
Ort/Region der Nennung: Oberösterreich - Schwabenland


Die mütterliche Linie meiner Ehefrau heißt Moldaschl und um diesen Namen ranken sich in der Familie die wildesten Deutungen. Von Margarathe Maultasch von Tirol-Görz (http://de.wikipedia.org/wiki/Margarete_von_Tirol) bis hin zur Moldau-Asche (was auch immer das sein soll) reichen die (nicht immer ernsten) Spekulationen.

Da ich im Internet eine signifikante Häufung des Namens in Schwaben festgestellen konnte, habe ich eine weitere Theorie aufgestellt, es konnte einen Bezug zum schwäbischen Nationalgericht der Maultaschen geben.

Im o.g. Wikipedia-Eintrag wird für "Maultasch" auch noch die Bedeutung „Hure, liederliches Weib“ bzw. "missgestalteter Mund" erwähnt.

Könnt Ihr vielleicht den Spekulationen ein Ende setzen und mir weiterhelfen?

Danke und LG
Martin
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  #2  
Alt 13.02.2013, 14:31
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Laurin Laurin ist offline männlich
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Hallo Martin,

Schmeller, Bayr. WB, hat die Begriffe Mol, Moll, Mollein (schwäb. Kindersprache) "Stier, Stück Rindvieh".
Vielleicht könnte das auch ein Anhaltspunkt sein.

In meiner onomast. Lit finde ich direkt zum FN Moldaschl (noch) nichts.
Auch in der ČR ist die Verbreitung dieses und ähnl. FN so gering, daß kaum ein Bezug zur Moldau bestehen kann.
Angehängte Grafiken
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Freundliche Grüße
Laurin

Geändert von Laurin (13.02.2013 um 17:35 Uhr) Grund: orth. Korr.
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  #3  
Alt 13.02.2013, 15:33
franz ferdinand franz ferdinand ist offline männlich
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Danke Gerhard, fürs Nachsehen. Die Moldau-Geschichte halte auch ich für eine Mär; damals hat eine Lehrerin meiner Schwägerin einfach eins und eins zusammengezählt und hat als Ergebnis drei herausbekommen.

Das Grimmsche Wörterbuch weiß übrigens auch Interessantes zu berichten:

Zitat:
maultasche, f.
1) klatschender schlag aufs maul, maulschelle: die taschen, maultaschen;
...
2) maultasche, in Schlesien ein gebäck. Weinhold 97b; in Schwaben gefüllte nudel. Schmid 379. s. maulschelle.
http://woerterbuchnetz.de/DWB/?lemma=maultasche

Erst jetzt wird mir die Ähnlichkeit zum süddeutschen Ausdruck "Tetschen" für Ohrfeige bewusst.

Von der liederlichen Frau über die Speise und den Stier hin zur Ohrfeige haben wir ja jetzt schon eine ordentliche Bandbreite an Deutungen...

PS: Das weiche d ist übrigens erst im 20.Jh in den Namen gekommen, vorher schrieb man die Familie "Moltaschl".

Kurzes Update:
Da ich mit den üblichen Namensverteilungskarten weder in D noch in Ö auch einen einzigen Treffer zu den Namen "Maultaschl" bzw. "Mauldaschl" gefunden habe, dafür aber eine Flut an Moldaschl, Moltaschl und Moldaschel gehe ich davon aus, dass das "o" wohl eher nicht auf ein verschobenes "au" zurückgeht und vielmehr immer schon ein "o" war. Die Deutungen basierend auf Maultasche sind daher eher mit Vorsicht zu genießen, nehme ich an.
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Geändert von franz ferdinand (14.02.2013 um 11:23 Uhr)
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  #4  
Alt 21.02.2013, 13:38
carinthiangirl carinthiangirl ist offline
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Mir würde nach den Erläuterungen jetzt eine "Tasche aus Rindsleder" einfallen, also Berufsbezeichnung - einer der sowas herstellte, weil Daschl/Taschl klingt schon eindeutig nach Tasche, Täschchen - im Verbreitungsgebiet der bairischen Dialekte jedenfalls - und der Raum ist ja gross.

Und seit wann gibt es eigentlich Maltaschen? Fiele mir auch noch ein.

Geändert von carinthiangirl (21.02.2013 um 13:46 Uhr)
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  #5  
Alt 21.02.2013, 15:09
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Laurin Laurin ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von carinthiangirl Beitrag anzeigen
Und seit wann gibt es eigentlich Maultaschen? Fiele mir auch noch ein.
Eigentlich schon seit langer, langer Zeit als Immigranten aus dem Mittelmeer-Raum (Ravioli, Tortellini!), siehe dazu auch hier

Zitat:

Eine Legende besagt, dass auf diese Weise die Zisterziensermönche des Klosters Maulbronn
(daher auch der Name
Maultasche) in der Fastenzeit das Fleisch vor dem lieben Herrgott verstecken wollten.

Der Name des Klosters Maulbronn geht auf ein Lehen "Mulenbrunnen" (erwähnt 1147) zurück, siehe .

Nach Köbler, Althochdt. WB:
ahd. mula "Mühle" + ahd. brunno "Brunnen, Quelle, Born, Wasser, Ursprung"
--> Mühlenbrunnen etc. ist naheliegend.

ahd. mūla "Maul, Schnauze, Mund" (davon ausgehend Maulesel / Muli, Maulbeerbaum ...)
in Verbindung mit Wasser wäre zwar möglich, aber nicht sinnvoll für den "Mulenbrunnen"

Nach Vorgenanntem ist es anzweifelbar, ob die vermutete "Maultasche" überhaupt etwas mit dem Mund gemein hat,
mit der Ausnahme, daß diese als Speise dort hinein verbracht werden.

ahd. / mhd. mol "Molch, Salamander, Eidechse" + ahd. taska, tasca, zaska "Tasche, Quersack, Reisetäschchen, Brotbeutel"
käme noch in Betracht, macht aber keinen Sinn.

Nach Köbler, Mittelhochdt. WB:
mhd. molte, molt, molde, "Staub, Erde, Erdboden" »Molde«
mhd. moltwerf , "Erde aufwerfendes Tier, Maulwurf"
»Moldwerf«

--> evtl. Moldaschl regional (süddt.) für Maulwurf?

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Laurin
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  #6  
Alt 21.02.2013, 18:53
Lola38 Lola38 ist offline weiblich
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denkt Ihr auch mal bei Eurem Problem an Moldavien? Der rumänische, sowohl als auch der heutige russische Teil spricht moldovan. Vielleicht ist hier eine Lösung zu finden. lg. lola38
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  #7  
Alt 21.02.2013, 19:52
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Zitat:
Zitat von Lola38 Beitrag anzeigen
denkt Ihr auch mal bei Eurem Problem an Moldavien?
Der rumänische, sowohl als auch der heutige russische Teil spricht moldovan.
Vielleicht ist hier eine Lösung zu finden.
Daran hatte ich auch bereits gedacht, nur spricht für mich die stark regionale Verbreitung der FN Moldaschl und Moldaschel
in Deutschland und in Österreich (süddeutscher / bairischer Dialektraum) dagegen.
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Freundliche Grüße
Laurin
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  #8  
Alt 22.02.2013, 08:46
franz ferdinand franz ferdinand ist offline männlich
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Zwischendurch möchte ich allen, insbesondere Laurin, für die fortdauernde Beschäftigung mit dem Namen Moldaschl nochmals danken - ein ganzer Familienzweig fiebert mit!
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  #9  
Alt 22.02.2013, 12:38
gki gki ist offline
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Hallo Martin,

ab wann kannst Du den Namen denn nachweisen? Und wo genau? Gab es früher noch andere Schreibweisen?
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Gruß
gki
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  #10  
Alt 22.02.2013, 12:56
franz ferdinand franz ferdinand ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von gki Beitrag anzeigen
Hallo Martin,

ab wann kannst Du den Namen denn nachweisen? Und wo genau? Gab es früher noch andere Schreibweisen?
Diese Linie konnte ich noch gar nicht weiter beackern, da für Oberösterreich die Jahre 1818-1919 nicht auf Matricula veröffentlicht sind und ich dazu erst ins Landesarchiv Linz gehen muss - wofür mir leider iM die Zeit fehlt. Sobald ich mehr weiß, werde ich es hier posten.

Zu den Schreibweisen kann ich jedenfalls schon die beiden Versionen Molldaschl und Moltaschl anbieten, diese habe ich schon anderweitig gefunden.
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