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  #1  
Alt 23.04.2009, 23:40
Benutzerbild von Hina
Hina Hina ist offline weiblich
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Standard Standeserhöhung - ein Thema nur für Männer?

Hallo liebe Adelsforscher,

ich komme hier mal mit einer etwas provokativen aber vor allem neugierigen Frage.

Ich habe mich in den letzten Tagen endlich mal wieder etwas mehr meiner eigenen Ahnen gewidmet. Da es so viele sind, hatte ich mir meist über einzelne Vorfahren wenig Gedanken gemacht, erstmal erfassen war die Devise. Beim Ergänzen von Quellenangaben usw. ist mir nun folgende Begebenheit bewusst geworden, die ich auch gleich auf den Wahrheitsgehalt überprüft habe.

Meine großmütterliche Vorfahrenlinie stammt teilweise aus Deutschland und Österreich. Die Familie meiner Großmutter führt einen Doppenamen, dessen zweiter Name von einer im Mannesstamme erloschenen österreichischen Grafenfamilie stammt. Die Vorfahrin, die den Namen in die Familie einbrachte, kam 1708 als Hofdame an den portugiesischen Hof (die portugiesischen Königinnen waren in der Regel Habsburger) und heiratete dort einen Oberst Hofmeister. Später wieder als Witwe stieg sie zur Obersten Hofmeisterin auf. Dieser Ehe entstammt eine Tochter, die ebenfalls die Karriere ihrer Mutter nahm. Und jetzt kommt das Interessante. Sie wurde als Frau zur Condessa (Gräfin) erhoben, die restliche Familie jedoch noch nicht, erst ihr Enkel, mein Altgroßvater.

Dieser stab nach junger Ehe und vier Kindern recht früh. Und mittlerweile wundere ich mich nicht mehr. Seine Witwe, meine Altgroßmutter wurde ebenfalls Oberste Hofmeisterin der portugiesischen Königin, wurde zur Marquesa (Markgräfin) und ein Jahr später zur Duquesa (Herzogin) erhoben. Der Rest der Familie jedoch nicht. Die blieben im Grafenstand.

Vor ein paar Tagen habe ich gelesen, dass auch in Österreich im 19. Jh. durchaus eine ganze Reihe Frauen in den Adelsstand erhoben wurden. Die Männerdomäne war dort also auch gebrochen.

Jetzt meine Frage. Sind Euch derartige Fälle auch bekannt, wo Frauen nobilitiert oder gar erhöht wurden oder habt Ihr sogar welche in Eurer Familie? Hier geht es mir jetzt nicht so um die nobilitierten königlichen Mätressen, sondern um Frauen, die auf Grund besonderer Leistungen dazu kamen - naja, dann gehören die Mätressen wohl doch hierher .

Ich finde es ein interessantes und spannendes Thema und habe Lust, mich ein wenig näher damit zu beschäftigen.

Viele Grüße
Hina
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"Der Mensch kennt sich selbst nicht genügend, wenn er nichts von seiner Vergangenheit weiß." Karl Hörmann
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  #2  
Alt 24.04.2009, 13:44
Benutzerbild von Johannes v.W.
Johannes v.W. Johannes v.W. ist offline männlich
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Gender-Studien und Adelsforschung – interessante Kombination, da bin ich mal gespannt.

Zur Kategorie “gegrafte Hofdamen” haben wir auch eine unter den indirekten Vorfahrinnen:
Henriette von Viereck (1766-1854), seit 1814 Henriette Gräfin von Viereck.
Sie kam bereits jung an den Berliner Hof und soll gemäß eines Zeitberichtes als Siebzehnjährige dem Kronprinzen (späteren Friedrich Wilhelm II. von Preußen), der ihr nachstellte, eine schallende Ohrfeige dafür verpaßt haben. Das trübte das Verhältnis aber gar nicht, im Gegenteil, es wurde besonders vertrauensvoll, auch von einen kleinen Techtelmechtel ist die Rede.
Das unbedingte Vertrauensverhältnis zum König war aber das wichtigere und sie machte Karriere: später als würdige und nie verheiratete Matrone – so ist sie auf einem Ölportrait überliefert: mit schwarzem Rauscherock und Biedermeierhaube- wurde sie die erste Hof- und Staatsdame der Königin Luise, neben der Gräfin Voss. Und dafür gab es auch einen Grafentitel. Kinderlos vererbte sie alles ihrer Lieblingsnichte, die unsere Vorfahrin war, und wurde von der Familie in Ehren gehalten.

Viele Grüße
Joh.
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Dergleichen [genealogische] Nachrichten gereichen nicht nur denen Interessenten selbst, sondern auch anderen kuriosen Personen zu einem an sich unschuldigen Vergnügen; ja, sie haben gar oft in dem gemeinen Leben und bei besonderen Gelegenheiten ihren vielfältigen Nutzen. Johann Jakob Moser, 1752

Geändert von Johannes v.W. (24.04.2009 um 15:50 Uhr) Grund: Daten eingefügt
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  #3  
Alt 24.04.2009, 15:58
Benutzerbild von Hina
Hina Hina ist offline weiblich
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Lieber Johannes,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Das gab es also auch in Preußen. Die Dame bewies ja sehr anschaulich, dass man durchaus auch auf unkonventionellem Wege auf sich aufmerksam und Karriere machen kann .

Interessant ist bei den Hofdamen und Hoffräuleins, dass es hier weniger um den "Job" und die damit verbundene gute Einnahmequelle ging, als um die Nähe zur Königin und damit auch zum König. Es ging also vor allem um das Ansehen.

Als Hoffräulein konnte man zu einer recht guten Partie werden, da sich die Kontakte auch nach einer Eheschließung durchaus noch hielten. Die Hofdamen, die in der Regel Witwen waren, konnten so manches für die eigene Familie bewirken. Hier wurde also auch Familienpolitik betrieben. Wen wundert es, dass da ein Aufstieg durchaus erstrebenswert war. Dass es vorkam, dass einige dieser Damen dann auch im Adelsrang aufstiegen, war mir allerdings nicht bekannt.

Schade, dass Henriette Gräfin von Viereck unverheiratet und kinderlos blieb. Es hätte mich ja sehr interessiert, ob sogar mit Hofdamen ganze Familien aufgestiegen sind.

Von meiner Altgroßmutter D. Eugénia Maurícia Tomásia de Almeida Portugal, 1ª duquesa de Ficalho, obwohl sie 1859 im Alter von 74 Jahren verstarb, gibt es sogar schon ein Foto, das ich zu meinem Avatar gemacht habe. Sieht sie nicht auch nett bieder aus ?

Viele Grüße
Hina
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  #4  
Alt 24.04.2009, 17:21
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Friedrich Friedrich ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Johannes v.W. Beitrag anzeigen
Henriette von Viereck (1766-1854), seit 1814 Henriette Gräfin von Viereck.
Sie kam bereits jung an den Berliner Hof und soll gemäß eines Zeitberichtes als Siebzehnjährige dem Kronprinzen (späteren Friedrich Wilhelm II. von Preußen), der ihr nachstellte, eine schallende Ohrfeige dafür verpaßt haben. Das trübte das Verhältnis aber gar nicht, im Gegenteil, es wurde besonders vertrauensvoll, auch von einen kleinen Techtelmechtel ist die Rede.
Moin Johannes,

Was doch eine Ohrfeige alles anrichten kann!

Friedrich
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"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
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