#1  
Alt 06.04.2010, 22:01
Hibol
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Standard Schicksale von Kirchenbüchern

Sind Euch bei Euren Forschungen auch schon mal Geschichten über das "Schicksal von Kirchenbüchern" begegnet?

Ich habe schon einige erlebt:
z.B.
a) Das Kirchenbuch von Wiesenfeld. Kreis Coburg wurde während der Pfarrvakanz im leeren Pfarrhaus in einem unverschlossenen Holzschrank 1956 aufbewahrt. Beim Spielen kam Kinder durch ein zerbrochenes Fenster, entdeckten das Buch und fanden wohl Gefallen daran. Sie rissen Seiten heraus und bastelten Schiffchen und Hüte und malten mit Buntstiften Männchen und Häuschen hinein. Später hat man das Buch dann völlig vom Regen durchweit auf der Strasse gefunden. Restaurierungsversuche konnten leider nicht alles wieder lesbar machen.

b) Das Kirchenbuch von Sachsendorf, Kreis Hildburghausen wurde 1846 beim Tod des alten Pfarrers und dessen Haushaltsauflösung aus Versehen mitversteigert. Ein Kaufmann aus der nahen Stadt erhielt es und zerschnitt es zu Tüten und Einwickelpapier. Als man das Versehen merkte fehlten leider schon viele Seiten, die nicht wieder beschafft werden konnten. So fehlen heute ganze Jahre oder zwischendurch auch nur einzelne Seiten. Auf manchen ist noch der Abrduck zu sehen, was darin eingewickelt war.

c) das Kirchenbuch von Reurieth wurde 1993 aus dem leerstehenden Pfarrhaus gestohlen. 1995 wurde es von einem Ahnenforscher zufällig auf dem Flohmarkt in Schweinfurt entdeckt. Er kaufte es und gab es der Pfarrgemeinde zurück.

d) das Kirchenbuch von Heldritt, Kreis Coburg ist in der Zeit von 1705 bis 1735 teilweise nur in der oberen Hälfte erhalten, da der ansässige Baron es zufällig 1740 in die Hände bekam und entdeckte, dass der Pfarrer alle seine unehelichen Kinder fein säuberlich verzeichnet hatte. Er riss die entsprechenden Seiten entzwei und verfütterte es an die Schweine. Eine Magd sah dies zufällig und rettete den oberen Teil.

e) das älteste Kirchenbuch von Heßberg, Kreis Hildburghausen ist seit 2003 verschollen, Gerüchten zu Folge soll es der Kirchendiener "mit ins Grab" genommen haben

f) das Sterberegister der Gemeinde Rottenbach von 1804-1875 war bei der Pfarreiauflösung 1984 auf dem Dachboden in einem kleinen Holzschränkchen zurückgeblieben (warum auch immer). Da man das Holzschränken nicht öffnen konnte warf man es einfach verschlossen auf den Abfallcontainer. Ein Nachbar holte es sich später von dort, ließ es jedoch über 5 Jahre verschlossen bei sich in der Garage stehen. Als er es 1990 doch öffnete fand er das Buch, zeigte es im Wirtshaus herum. Erst als mehrere ihm den Rat gaben, es dem Pfarrer zu geben, kehrte das Buch an seinen angestammten Platz zurück.

Habt Ihr auch solche Geschichten um Kirchenbücher?
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  #2  
Alt 06.04.2010, 22:22
Benutzerbild von karin-oö
karin-oö karin-oö ist offline weiblich
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Hallo Hibol!

So interessante Geschichten wie du habe ich nicht zu bieten, aber über folgenden Fund habe ich mich besonders gefreut:

Als ich vor Jahren mit der Ahnenforschung begann, habe ich alle unsere Kirchenbücher eingesehen. Leider fehlte dabei das erste Trauungsbuch, das schon seit 50 Jahren niemand mehr gesehen hatte.

Letztes Jahr habe ich unser Pfarrarchiv aufgeräumt, und was habe ich gefunden? Das verschollene Trauungsbuch, worüber ich mich natürlich riesig gefreut habe!
Es hat sich unter alten Protokollbüchern befunden und war mit Packpapier eingebunden, sodass man von seinem Innenleben auf den ersten Blick nichts erkennen konnte.

Schöne Grüße
Karin
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  #3  
Alt 06.04.2010, 22:56
Benutzerbild von KimS
KimS KimS ist offline weiblich
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vor einiger zeit hab ich mal eins bei ebay gesehen. weiß aber nicht mehr woher es war.
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  #4  
Alt 07.04.2010, 09:13
emma2412 emma2412 ist offline weiblich
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Ich habe vor einigen Monaten selbst etwas erlebt, dass ich heute noch nicht ganz glauben kann.

Ich habe einige Vorfahren in einem kleinen Markt mit einem lieben, schrulligen Pfarrer. Dreimal war ich innerhalb eines Jahres dort. Bei meinem vierten schriftlich angekündigten Besuch traf ich nur noch die etwas naive (aber sehr freundliche Haushälterin), der Pfarrer war da schon drei Wochen begraben ..! Ich war richtig traurig, mit dem habe ich gute Gespräche über mein Hobby führen können, hat er doch selbst auch ein bisserl Ahnenforschung betrieben und war ein Studienkollege von meinem alten Religionslehrer gewesen.

So ist halt das Leben. Aber die Bücher ...!! Die Haushälterin sagte, ich kann ruhig suchen, wo ich möchte, aber sie kennt sich nicht aus, Kirchenbücher und so .. na ja. Schließlich lagen der große Stapel (23 Stück bis 1580 zurück!) am Gang, mitten im Gerümpel (oTon: Das holen die Ungarn, jenes kommt zum Sperrmüll, dass schenk wir dem Herrn xy ..). Wer weiß, wo die Bücher gelandet wären!! Ich habe ihr dann angeboten, die Bücher ins Archiv zu bringen. Sie war damit einverstanden, kein Problem .. das war an einem Freitag nachmittag. Mein Auto war bis oben voll mit alten Wälzern, die 60 km Heimfahrt waren 'ungewöhnlich'. Ich habe dann noch diverse alte Eheprotokollbücher und ähnliches eingepackt, zu Hause übers Wochenende zwischengelagert (meine eigene Familien in dem Ort komplett erforscht) und am nächsten Archivöffnugnstag alle Bücher reingebracht. Na Mann, die haben vielleicht geguckt.

Später hat der Archivdirektor mir dann eine tollen Blumenstrauß und eine Nascherei geschenkt und sich xxmal bedankt. Noch zwei Wochen später stand dann plötzlich der neue Pfarrer vor meiner Türe, ebenfalls mit Blumenstrauß und Co. Das war nämlich zufällig der einstige Kaplan meiner Heimatstadt und ich kannte ihn gut ...

Ja, so ist das Leben

Geändert von emma2412 (07.04.2010 um 10:23 Uhr)
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  #5  
Alt 07.04.2010, 10:16
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so was kann man sich nicht vorstellen. unglaublich. zum glück konntest du sie noch retten, emma.
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  #6  
Alt 07.04.2010, 10:19
emma2412 emma2412 ist offline weiblich
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Ja .. und das Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, hat mich tagelang verfolgt

Was gar nicht schlecht. Und ich bin nicht mal ein Pfadfinder oder sowas ...
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  #7  
Alt 07.04.2010, 10:33
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weiter so :-)
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  #8  
Alt 07.04.2010, 12:05
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Aida Aida ist offline
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Solche Horrorgeschichten gibt es ja nicht nur mit Kirchenbüchern... ich hatte ein Standesamt im Januar 2009 angeschrieben und nach Daten gefragt, bekam die Antwort, dass die Unterlagen gerade ins Städtische Archiv gegeben würden. Dort seien sie ab März einsehbar. Hatte mir dann in der ersten Märzwoche dafür einen Tag reserviert, fragte vorher gottlob noch einmal per E-Mail an, ob nun alles einsehbar sei. Nein, es dauert noch ein paar Wochen. Am 3. März, einen Tag vor meinem geplanten Termin, hörte ich Nachrichten im Radio: Das Kölner Stadtarchiv gab es nicht mehr.

Na, und so werde ich wohl über bestimmte Zweige der Familie in vorerst (in den vielleicht nächsten 30 Jahren) nichts oder nie etwas erfahren.

Gruß
Christel
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  #9  
Alt 07.04.2010, 20:21
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Schlupp Schlupp ist offline
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Hey Emma, was für eine Geschichte! Ich selbst habe nicht soviel zu bieten, bin aber ebenfalls von einer KB_Sache betroffen. In einem Kirchenbuch von Seehausen/Börde steht nämlich vermerkt, es gäbe einen Traueintrag meiner Vorfahren im dortigen Zivilstandsregisterbuch von 1814 - dieses aber ist verschollen. (Ohne meine Suche, hätte es dort wahrscheinlich nicht mal einer bemerkt...)

Ich hoffe, es existiert noch und findet einst den Weg zurück.

Schlupp
__________________
Woher stammen: 1) der Hirte Johann Peter Matthias TRIEGER (* um 1760, angeblich in Barby bei Magdeburg, V: Andreas Trieger), 2) der Hirte Michael BREITMEYER (* um 1727, V: David Breitmeyer, 1740er: wohnhaft in Schwanebeck bei Halberstadt), 3) Schulmeister Hinrich ZELLHORN (1790er: Schulmeister in Großensee/Stormarn)
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  #10  
Alt 08.04.2010, 22:17
Zetteltante Zetteltante ist offline weiblich
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Hallo Christel,
Deine Geschichte ist auch meine.....
Vielleicht haben wir aber Glück im Landesarchiv....irgendwann mal....
Grüße
Zetteltante
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