#1  
Alt 03.12.2013, 02:06
gki gki ist gerade online
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Standard Sebastian Baman

Die Suche betrifft das Jahr oder den Zeitraum: 18. Jhd.
Genauere Orts-/Gebietseingrenzung: Niederbayer / Rottal-Inn
Fernabfrage vor der Beitragserstellung genutzt [ja/nein]: Ja
Zur Antwortfindung bereits genutzte Anlaufstellen (Ämter, Archive, Datenbanken): Matricula


Hallo beisammen,

ich will mal sehen, ob mir die Schwarmintelligenz des Forums helfen kann, einen meiner Toten Punkte zu überwinden. Mir gehen nämlich die Ideen aus.


1719 heiratet "Sebastian Baman" die Witwe des Simon Ortner auf dem Ortner-Hof in Geroling, Pfr. Tettenweiß. Die Witwe heißt Catharina, sie ist eine geborene Rädler aus der Pfarre Weihmörting.

Bei der Hochzeit (Tettenweis, Trauungen Bd. 10, S. 32) sind für ihn keine Eltern und keine Herkunft angegeben. Die Zeugen sind der Schulmeister Utz und der Prokurator Oberwimmer, was es zu der Zeit leider häufiger gab. Der Name Baman kommt in der Pfarre Tettenweis sonst nicht vor. In der Nachbarpfarre Karpfham hab ich einige Namensträger gefunden, aber niemanden der paßt.

Die Ehe bleibt kinderlos, Catharina war Jahrgang 1665. Sie hatte auch aus der ersten Ehe keine Kinder.

1742 gibt es einen Totenbucheintrag für "Rosina, Mater des Ohrtners zu Geroling". Einträge dieser Art, d.h. mit einer Verwandtschaftsangabe, sind selten. Meiner Meinung nach spricht das auch dafür, das Sebastian von auswärts kam.

Catharina Rädler stirbt wohl 1749, beim Totenbucheintrag steht sie allerdings auch als Rosina. Bemerkenswert ist, daß das angegebene Alter ziemlich gut paßt: 84 Jahre.


Sebastian verheiratet sich mit Margaretha Wendl von Melchior und Margaretha aus Tiefendobl. Trauzeugen sind Mathaeus Wendl und Joseph Dobler. Beides sind Brüder der Braut, beide sind mit dem Hofnamen angegeben, wie das damals üblich war.


Aus der Ehe geht ein Kind hervor: Magdalena.

Margaretha Wendl verh. Ortner stirbt 1752 und Sebastian verheiratet sich mit Gertrud Wagner von Martin und Maria aus Burgerding. Trauzeugen sind Joseph Dobler (s.o.) in Kleinhaarbach, Johann Hochfehlner in Großhaarbach.

Aus der Ehe gehen zwei Kinder hervor: Joseph und Johann. Weiterer Verbleib ist ungeklärt.

Sebastian stirbt 1758, eine Altersangabe fehlt.

Seine Wittwe heiratet Martin Hechfellner, von Stephan und Rosina aus Großhaarbach, Zeugen sind Johann Seidl, Philipp Prunnhuber, Bauern in Großhaarbach. Vermutlich ist der Bräutigam ein Bruder des Trauzeugen der vorherigen Hochzeit.


Bisher sehe ich da keine Hinweise auf die Herkunft des Sebastian.


1781 heiratet die Tochter Magdalena aus der zweiten Ehe des Sebastian.
(Tettenweis Trauungen, Bd. 10, S. 206, letzer Eintrag)

Philipp Höringlehner heiratet Magdalena, ledig, des Sebastian Pachmayr einst Bauer in Geroling und seiner Frau Margaretha.

Trauzeugen sind Mathias Pachmayr, colonus in Tettenham, Petrus Greilinger, colonus in Greiling.

Man möchte zuerst glauben, daß das der falsche Eintrag ist, aber aus den anschließenden Kindstaufen wird klar, daß das die richtige Braut ist, dort steht sie als Magdalena Ortner.

Mir stellt sich jetzt die Frage: Hatte der Pfarrer einen schlechten Tag, oder ist "Pachmayr = Baman"?

Wenn dem so wäre müßte man ja ein Verwandtschaftsverhältnis zu dem ersten Trauzeugen feststellen.

Mein Problem: Den kann ich nicht nachweisen. In Tettenham gab es keinen Pachmayr-Hof. Der Name kam in der Pfarre zwar vor, aber eben nicht in Tettenham. In Tettenham hätte ich einen Mathias Prummer zu bieten, aber ob der das ist? Der wäre ein Verwandter des Bräutigams.

Der zweite Trauzeuge ist ein Bruder des Bräutigams, auch wieder mit Hofnamen.

Habt ihr eine Idee, was ich da noch machen kann? Ob es noch andere Unterlagen von dort gibt, zB. Hochzeitsbriefe, weiß ich nicht, ich gehe aber davon aus, daß nicht.

Idealerweise müßte ich wohl eine Trauung der Söhne aus der dritten Ehe finden.
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Gruß
gki
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  #2  
Alt 03.12.2013, 10:15
Schmid Max Schmid Max ist offline
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oder ist "Pachmayr = Baman"?

Würd ich zu 99% annehmen;du kennst ja den Rottaler Dialekt !
Bach = Bo (dunkles a zu o)
mayr , meier = moa (das o oft fast verschluckt)
lautlich für mich seeehr ähnlich wie Bama(n)
(das Schluss -n wird eh nicht gesprochen vfg. ma = Mann)



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  #3  
Alt 03.12.2013, 16:57
gki gki ist gerade online
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Hallo Max!

Zitat:
Zitat von Schmid Max Beitrag anzeigen
oder ist "Pachmayr = Baman"?

Würd ich zu 99% annehmen;du kennst ja den Rottaler Dialekt !
Bach = Bo (dunkles a zu o)
mayr , meier = moa (das o oft fast verschluckt)
lautlich für mich seeehr ähnlich wie Bama(n)
(das Schluss -n wird eh nicht gesprochen vfg. ma = Mann)



Vielen Dank für diesen wertvollen Beitrag!

Mein Problem ist offenbar, daß ich den Rotthaler Dialekt überhaupt nicht kenne. Mit meinen Ahnen hätte ich arge Verständigungsprobleme...

Wäre auch "Baman = Baumann" möglich?
__________________
Gruß
gki
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  #4  
Alt 04.12.2013, 08:28
Schmid Max Schmid Max ist offline
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Wäre auch "Baman = Baumann" möglich?

Möglich ja , aber etwas weniger wahrscheinlich.
Der Diphtong "au" wird normalerweise auch gesprochen "Bauma(n), Baua etc.".
Bei schlampiger Aussprache /und/oder/ schlechtem Gehör kann das "au"
allerdings auch zum geschriebenen "a" werden.
Sehr nahe wäre sprachlich allerdings der "Bachmann" (neben dem Bachmeier)

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  #5  
Alt 04.12.2013, 12:23
gki gki ist gerade online
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Zitat:
Zitat von Schmid Max Beitrag anzeigen
Wäre auch "Baman = Baumann" möglich?

Möglich ja , aber etwas weniger wahrscheinlich.
Der Diphtong "au" wird normalerweise auch gesprochen "Bauma(n), Baua etc.".
Bei schlampiger Aussprache /und/oder/ schlechtem Gehör kann das "au"
allerdings auch zum geschriebenen "a" werden.
Sehr nahe wäre sprachlich allerdings der "Bachmann" (neben dem Bachmeier)

Vielen Dank!

Ich werd mich melden, falls ich was finde.

Die Pfarre Tettenweis ist ja für den Forscher etwas frustrierend: Bücher ab 1590 aber die Informationen in den Büchern sind teilweise sehr spärlich (fehlende Eltern über mehrere Jahrgänge, dann auch noch immer der Lehrer und der Prokurator als Zeugen...). In meinen dortigen Stammbaum-Ästen komme ich in den meisten kaum vor 1700 weiter.
__________________
Gruß
gki
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  #6  
Alt 04.12.2013, 15:51
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karin-oö karin-oö ist offline weiblich
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Hallo gki!

Ich habe eine andere Theorie zum Namen "Baman":
Bei uns im Innviertel, das ja vor 1779 bayrisch war, kann man ältere Bauern noch manchmal von ihrem früheren "Bamon" (auf Hochdeutsch Baumann) reden hören, das war sowas wie der erste Knecht am Hof, der für den Anbau des Getreides (daher der Name) und für die Pferde zuständig war.

In deinem Fall kann ich mir gut vorstellen, dass die Witwe den "Baman" vom Hof geheiratet hat, damit die Wirtschaft reibungslos weitergeführt werden konnte. Wie bei Dienstboten meist üblich, kannte keiner dessen Familiennamen und deshalb hat ihn der Pfarrer nach seiner Tätigkeit "Baman" genannt.

Diese Theorie hilft dir leider bei der Suche nach seiner Herkunft auch nicht weiter. Wahrscheinlich kam er aus einer Nachbarpfarre, und seine Mutter Rosina ist später zu ihm auf den Hof gezogen und dort gestorben, und auch sie kannte der Pfarrer nur unter dem Vornamen und wo sie zuletzt gewohnt hat.

Falls es doch Heirats- oder Übergabeprotokolle geben sollte, brauchst du dich auch nicht wundern, wenn dort ein ganz anderer Name steht. Bei der Niederschrift dieser Protokolle waren die Beteiligten anwesend und haben ihren Namen angegeben. Der Pfarrer jedoch schrieb die Matriken meist nach dem jeweiligen Ereignis alleine nieder und schrieb die Personen unter dem Namen auf, unter dem sie ihm bekannt waren. Solche Namensabweichungen zwischen den verschiedenen Quellen konnte ich schon öfter beobachten.

Schöne Grüße
Karin
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  #7  
Alt 04.12.2013, 20:51
gki gki ist gerade online
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Hallo Karin!

Zitat:
Zitat von karin-oö Beitrag anzeigen
Ich habe eine andere Theorie zum Namen "Baman":
Bei uns im Innviertel, das ja vor 1779 bayrisch war, kann man ältere Bauern noch manchmal von ihrem früheren "Bamon" (auf Hochdeutsch Baumann) reden hören, das war sowas wie der erste Knecht am Hof, der für den Anbau des Getreides (daher der Name) und für die Pferde zuständig war.

In deinem Fall kann ich mir gut vorstellen, dass die Witwe den "Baman" vom Hof geheiratet hat, damit die Wirtschaft reibungslos weitergeführt werden konnte. Wie bei Dienstboten meist üblich, kannte keiner dessen Familiennamen und deshalb hat ihn der Pfarrer nach seiner Tätigkeit "Baman" genannt.
Das ist eine spannende Idee!

Könnte das evtl. auch erklären, warum die Witwe sich mir der Wiederverheiratung Zeit ließ? Immerhin fast 10 Monate.

Zitat:
Diese Theorie hilft dir leider bei der Suche nach seiner Herkunft auch nicht weiter. Wahrscheinlich kam er aus einer Nachbarpfarre, und seine Mutter Rosina ist später zu ihm auf den Hof gezogen und dort gestorben, und auch sie kannte der Pfarrer nur unter dem Vornamen und wo sie zuletzt gewohnt hat.
Aus der Trauung seiner Tochter hab ich immerhin den vagen Anhaltspunkt, daß er ursprünglich Bachmayer geheißen haben kann. Und evtl. mit dem bisher nicht identifizierten zweiten Zeugen verwandt war.


Zitat:
Falls es doch Heirats- oder Übergabeprotokolle geben sollte, brauchst du dich auch nicht wundern, wenn dort ein ganz anderer Name steht. Bei der
Nein, wundern würde ich mich nicht darüber. Ich weiß nicht, welche der Protokolle aus dem LG Griesbach den Brand auf der Trausnitz noch überlebt haben. Der Grundherr war die Pfarre Mittich, aber ob es in den vielleicht noch erhaltenen Kirchenrechnungen genealogisch auswertbare Hinweise gibt?
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Gruß
gki
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  #8  
Alt 04.12.2013, 21:19
gki gki ist gerade online
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Hier mal eine Liste von Höfen mit dem Namen Pachmayr aus dem HAB Griesbach. Ohne die in der Pfarre Tettenweis, da fand ich weder Rosina noch Sebastian.

Ruhstorf 1/2 Hof
Würding 1/4 Hof
Malgertsham 1/4 Hof
Bayerbach 1/2 Hof
Zachstorf (Reutern) 1/8 Hof
Pocking 1/2 Hof
Engertsham 1/8 Hof

Viel Auswahl...
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gki
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  #9  
Alt 31.12.2013, 01:01
gki gki ist gerade online
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Zitat:
Zitat von Schmid Max Beitrag anzeigen
oder ist "Pachmayr = Baman"?

Würd ich zu 99% annehmen;du kennst ja den Rottaler Dialekt !
Bach = Bo (dunkles a zu o)
mayr , meier = moa (das o oft fast verschluckt)
lautlich für mich seeehr ähnlich wie Bama(n)
(das Schluss -n wird eh nicht gesprochen vfg. ma = Mann)




Ich hab jetzt einen Beleg für diese These gefunden:

In der Pfarre Karpfham lebte im 17ten Jhd ein Georg. Dieser kommt unter versch. Namen vor:

1) Georg Baman
2) Georg Lackermann (er saß auf der Lackensölde)
3) Georg Pfeifer, er war offenbar auch Pfeifer. Außerdem war er wohl zeitweise auch Amtmann.

Jetzt hab ich in der Pfarre Reutern eine Trauung von 1695 gefunden:

"Barbara, Georgii Pachmayr Lackermann zu Karpfham" heiratet.

Von daher ist offenbar tatsächlich Baman = Bachmayr.
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Gruß
gki
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  #10  
Alt 23.11.2015, 10:39
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Nach längerer Zeit hab ich mir nochmal Gedanken gemacht.

Die Baman = Baumann Hypothese von Karin ist zur Zeit mein Favorit, denn ich konnte den Sebastian zu keinem der Bachmayr-Höfe zuordnen.

Ein Gedanke kam mir noch zu dem untypisch langen Zeitraum zwischen Tod des alten Bauern und der Hochzeit.

Die einzige Hochzeit bei der ich einen ähnlich langen Zeitraum habe ist eine bei der eine Dispense gebraucht wurde. In dem anderen Fall wollte der Bauer die Großnichte seiner verschiedenen Ehefrau heiraten. Das brauchte einen Dispens wegen Affinität und wenn ich das richtig übersetzt hab ging das sogar nach Rom was die lange Zeit erklären würde.

Die Kirchenbuchführung war wie schon angemerkt recht schlampig, da würden wohl auch Dispensen nicht erwähnt worden sein, mir ist aus der Zeit jedenfalls keiner bekannt.

Richtig weiterhelfen tut mir das jetzt nicht, aber so als Erklärung evtl. ganz brauchbar.

Mittlerweile weiß ich immerhin, daß die Griesbacher Briefsprotokolle der Zeit noch existieren, ich muß nur mal nach Landshut kommen.
__________________
Gruß
gki
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