#21  
Alt 28.04.2013, 20:01
Asphaltblume Asphaltblume ist offline
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Zitat:
Zitat von gki Beitrag anzeigen
Sie waren auch noch unmündig, denke ich. Vielleicht wollte ein Vater nicht sein Plazet geben.
Gutes Argument. Der Vater der Braut wird es aber wohl eher nicht gewesen sein, Schwangerschaft ist ja ein gewichtiges Argument FÜR eine Heirat...

(Anfang des 20. Jahrhunderts hat meine 19jährige Urgroßmutter ihre Heirat beim Vormundschaftsgericht durchgesetzt, weil ihre Mutter - der Vater war schon tot - nicht wollte, dass sie heiratet. Schwanger war sie aber nicht, das erste Kind kam ganz brav 9 Monate nach der Hochzeit.)
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  #22  
Alt 28.04.2013, 23:04
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Hallo!
In Böhmen gab es noch das Problem, dass die Menschen bis zirka 1835 Leibeigene der Obrigkeiten waren. Die Ehe war davon abhängig ob sie von den Herren erlaubt wurde. Daher wurde der größte Teil der Ehen wenn die Arbeit auf den Feldern beendet war geschlossen. Also von Ender Oktober bis Ende März. Besonders schwer war es wenn die Brautleute verschiedenen Herrschaftsgebieten untertan waren. Zum Beispiel mein Urgroßvater war der Herrschaft Schurz untertan, die Urgroßmutter der Herrschaft von Schatzlar. Es vergingen sieben Jahre, bis das Paar endlich heiraten durfte. Auch in Böhmen gab es viele Kinder welche unehelich das Licht der Welt erblickten. Ich habe schon ganze Seiten in den Matrikelbüchern gesehen wo uneheliche Geburten eingetragen waren. Auch da gab es Brautprüfungen durch die der Mann beweisen musste, dass er eine Familie ernähren kann.
Wenn nicht, mussten die Paare halt mit der Hochzeit warten .
Schöne Grüße Brigitte
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  #23  
Alt 29.04.2013, 10:53
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Tolles Thema,

ich habe das Problem bei meinem Urahnen

Eintrag im Kirchenbuch:
Gottlieb Oberländer
Müllerpursche vormals Dehnitz
(TB. Kirchengem. Wurzen 1816 S.439 Nr.102)

Gerichtsdokument:
Am zwölften März des laufenden Eintausend
Achtzehnhundert Dreißigsten Jahres verstarb zu Dehnitz
Frau Sophie Kupfer, weil. Johann Gottfried
Kupfers, gewesenen Häuslers und Einwohners
in Dehnitz nachgelassen eheliche einzige Tochter,

46 Jahre 8 Monate alt, ward hierauf am Fünfzehnten
desselben Monats auf hiesigen Todtenacker beerdigt,
und hinterläßt dieselbe zwey außerehelich, mit angeblich
Gottlieb Oberländer, einem Mühlpurschen gezeugte
Kinder, wovon das älteste, eine Tochter, am Sieben
und Zwanzigsten Januar Eintausend Achthundert Fünfzehnten
geboren, und am Dreißigsten selbigen Monath

Johanna Christina

mit Namen getauft worden ist, dagegen das jüngere,
ein Knabe, am Neunzehnten September Eintausend
Achthundert Sechzehn geboren, und denselben am
Zwey und Zwanzigsten gedachten Monats der Name

Heinrich Gottlieb

bey der heilg. Taufe beigelegt worden ist;
Die getreuen Übereinstimmung des Vorstehenden
mit den bey hiesiger Stiftkirche befindlichen

(Seitenwechsel)

kirchlichen Nachrichten wird hierduch glaubwürdigst
bezeugt; Wurzen den 21then März 1830


Friedrich Karl Detlev Mulert,
Diaconus
in Abwesenheit des Hfr.Stiftssup

Johann Christian Gottlob Leipnitz,
Subcustos


Mich wundert der Ausdruck "ANGEBLICH", bedeutete er damals, nach der Angabe oder wird diese Angabe angezweifelt?
Ich kann auch nicht verstehen, das die Mutter einfach einen Vater nennen konnte und dieser dann auch eingetragen wurde, ohne das es eine Urkunde gibt in der der Vater zustimmt?! Was ist z.B., wenn der Vater ein reicher Mann war? Dann hatten doch die Kinder ein Erbrecht.
Tja, viele Fragen.
Leider kann ich auch keine weiteren Daten über meinen "angeblichen" Vorfahren finden, da er auch noch Müller war und diese in ihren jungen Jahren oft gewandert sind...

MfG Saxon52
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  #24  
Alt 29.04.2013, 19:35
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Zitat:
Zitat von Brigitte Bernstein Beitrag anzeigen
Hallo!
In Böhmen gab es noch das Problem, dass die Menschen bis zirka 1835 Leibeigene der Obrigkeiten waren. Die Ehe war davon abhängig ob sie von den Herren erlaubt wurde. Daher wurde der größte Teil der Ehen wenn die Arbeit auf den Feldern beendet war geschlossen. Also von Ender Oktober bis Ende März. Besonders schwer war es wenn die Brautleute verschiedenen Herrschaftsgebieten untertan waren. Zum Beispiel mein Urgroßvater war der Herrschaft Schurz untertan, die Urgroßmutter der Herrschaft von Schatzlar. Es vergingen sieben Jahre, bis das Paar endlich heiraten durfte. Auch in Böhmen gab es viele Kinder welche unehelich das Licht der Welt erblickten. Ich habe schon ganze Seiten in den Matrikelbüchern gesehen wo uneheliche Geburten eingetragen waren. Auch da gab es Brautprüfungen durch die der Mann beweisen musste, dass er eine Familie ernähren kann.
Wenn nicht, mussten die Paare halt mit der Hochzeit warten .
Schöne Grüße Brigitte
Heißt das dann bei unehelichen Geburten nicht womöglich auch, dass der Leibherr der Frau ein deutliches materielles Interesse daran hatte, dass sie nicht aus seinem Besitz wegheiratete, sondern Kinder gebar, die auch ihm gehörten?
Vielleicht tue ich der Leibeigenschaft ja Unrecht, aber mir kommt das sehr wie Viehhaltung vor.
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  #25  
Alt 29.04.2013, 21:02
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Hallo Asphaltblume
Ich denke mal, dass es auch so war. Die Menschen mussten hart für die Herrschaften arbeiten. Männer, ´Frauen und auch Kinder. Ich habe sogar gelesen, dass die Männer so etwas wie eine Ablösungssumme bezahlen mussten um eine Frau aus einem anderen Herrschaftsbereich ehelichen zu können. Und dann spricht man von der guten alten Zeit.
Schöne grüße Brigitte
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  #26  
Alt 29.04.2013, 23:58
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Zitat:
Zitat von Saxon52 Beitrag anzeigen
Mich wundert der Ausdruck "ANGEBLICH", bedeutete er damals, nach der Angabe oder wird diese Angabe angezweifelt?
Schwer zu sagen. Man muß berücksichtigen, daß das Dokument ja eine Weile nach der Taufe erstellt wurde. Was steht denn in den Originaleinträgen?

Zitat:
Ich kann auch nicht verstehen, das die Mutter einfach einen Vater nennen konnte und dieser dann auch eingetragen wurde, ohne das es eine Urkunde gibt in der der Vater zustimmt?! Was ist z.B., wenn der Vater ein reicher Mann war? Dann hatten doch die Kinder ein Erbrecht.
Uneheliche Kinder dürften kein Erbrecht gehabt haben.
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Gruß
gki
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  #27  
Alt 30.04.2013, 08:10
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Zitat:
Zitat von gki Beitrag anzeigen
Schwer zu sagen. Man muß berücksichtigen, daß das Dokument ja eine Weile nach der Taufe erstellt wurde. Was steht denn in den Originaleinträgen?
Habe ich doch geschrieben:
Eintrag im Kirchenbuch:
Gottlieb Oberländer
Müllerpursche vormals Dehnitz
(TB. Kirchengem. Wurzen 1816 S.439 Nr.102)

Zitat:
Zitat von gki Beitrag anzeigen
Uneheliche Kinder dürften kein Erbrecht gehabt haben.
Warum nicht? Sie tragen doch den Namen des Vaters!

MfG Saxon52
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  #28  
Alt 30.04.2013, 14:28
gki gki ist offline
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Zitat:
Zitat von Saxon52 Beitrag anzeigen
Habe ich doch geschrieben:
Eintrag im Kirchenbuch:
Gottlieb Oberländer
Müllerpursche vormals Dehnitz
(TB. Kirchengem. Wurzen 1816 S.439 Nr.102)
Und in Dehnitz fand sich nichts?

Zitat:
Warum nicht? Sie tragen doch den Namen des Vaters!
Ich kenne in der Tat den Fall, daß ein unehelicher Sohn den (bescheidenen) Besitz des Vaters erbte. Da war der Fall aber so, daß der Vater das testamentarisch verfügt hatte und er auch nie verheiratet war. Etwaige Konkurrenten um das Erbe wären also nur die Geschwister des Erblassers gewesen.

Wenn der Vater aber als Verheirateter ohne testamentarische Verfügung verstorben wäre, würde ich zu der Zeit davon ausgehen, daß uneheliche Kinder nichts bekamen.

Die rechtliche Gleichstellung unehelicher Kinder ist ja erst eine Sache der letzten paar Jahre.

Es sollte aber möglich sein, über Google Books sich die für die Ecke geltenden Gesetzestexte der Zeit zu besorgen und sich Klarheit zu verschaffen.
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Gruß
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  #29  
Alt 30.04.2013, 16:15
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Hallo gki,

doch, die Urkunde stammt aus dem Rittergut Nischwitz, von dem Dehnitz verwaltet wurde.
Die Ortrchronik von Dehnitz ist leider verschwunden, sonst würde er da sicher zu finden sein.

MfG Saxon52
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  #30  
Alt 06.01.2014, 20:43
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Standard Kind 5 Jahre vor Heirat geb. und als ehelich anerkannt

Hallo Brigitte
Durch Zufall bin ich auf deinen # gestoßen!
Die Fakten aus meinem Stammbaum (Nordböhmen):
Josef Strake heiratete am 21.8.1826 (L50/18-51) Maria Anna Tham.
Sie hatten eine T Namens Maria Anna Strake,geb.7.2.1821>L50/26-59
Im KB steht ehelich geboren,was mich schon länger "irritierte"!
Deine Erklärungen sind sehr interessant,deswegen meine Bitte:
Kannst du mir deine Quellen nennen?
Danke im vor raus und viele Grüße
Reinhard
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