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  #1  
Alt 14.03.2007, 07:15
Marlies
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Durch Dialekt "verschluckte" oder veränderte Silben bei der Ortssuche

Im Zusammenhang mit der Ortsuche möchte ich auf folgende Möglichkeit(en) aufmerksam machen:

Zitat:
Zitat von dieser Seite: http://www.ungarndeutsche.de/zavod_buchauszug.html

Da manche Leute nur die mundartlichen Benennungen ihrer Heimatorte kannten, war es für den Matrikelführer manchmal schwer den richtigen Ortsnamen einzutragen. Beispiel: Dellwich = Döllbach, Haamich = Haimbach, Moabich = Marbach, Thoole =Thalau, Welkersch = Welkers, Zirkemich = Zirkenbach, usw. Auf diese Art wurde dann der Familienname "Haimbach" in Mucsi zu "Hambuch".
In anderen Gegenden wurde aus der Silbe -bach ein -bi(s)ch oder die Endsilbe -roth wurde/wird "verschluckt": So wird aus Elkenroth Elkert(h)

Vielleicht kennt jemand noch ähnliche Möglichkeiten.

Marlies
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  #2  
Alt 14.03.2007, 10:38
Benutzerbild von Eva64
Eva64 Eva64 ist offline weiblich
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Registriert seit: 08.07.2006
Ort: Ba-Wü
Beiträge: 730
Standard RE: Durch Dialekt "verschluckte" oder veränderte Silben bei der Ortssuche

Im schwäbischen wird gerne das -heim als -a abgekürzt, z.B. Kircha anstelle von Kirchheim. Wer würde hinter Hessgama Hessigheim vermuten?

Grüßle
Eva
__________________

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  #3  
Alt 14.03.2007, 11:04
Benutzerbild von Hintiberi
Hintiberi Hintiberi ist offline männlich
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Registriert seit: 26.09.2006
Ort: Paderborn, Westf.
Beiträge: 1.053
Standard

Nicht nur durch den Dialekt, auch die Schreibgewohnheit kann dazu beitragen:

Ein Vorfahre von mir kam aus "Hainzell" (Diözese Fulda).
Der Pfarrer in Menzel (Westf.) trug bei der Hochzeit aber "Heintzel" ins Kirchenbuch ein. [Danke nochmal Marlies für das Auffinden des Ortes ].

Im Gegensatz zum restlichen Schrieb war dieser Ortsname äußerst ordentlich geschrieben, sodaß ich mir vorstellen kann, daß der Pfarrer hier nochmal nachfragte und den Ortsnamen dann genau so aufschrieb, wie er ihn hörte - und das möglichst ordentlich und sauber, damit er ihn später auch ohne Probleme lesen konnte, da er den Ort vorher sicher nicht kannte.

Gruß
-Jens
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  #4  
Alt 14.03.2007, 11:20
Augusta Augusta ist offline
Benutzer
 
Registriert seit: 03.12.2004
Beiträge: 55
Standard

Die Stadt Owen wird Auen ausgesprochen, auch heute noch - wenn mans nicht weiß, ist das bestimmt recht schwierig, da draufzukommen.
__________________
Gruß Heidi
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  #5  
Alt 15.03.2008, 19:31
Benutzerbild von Friedrich
Friedrich Friedrich ist offline männlich
Moderator
 
Registriert seit: 02.12.2007
Beiträge: 10.559
Standard Aussprache von Ortsnamen

Ein kleines Beispiel zu einem "zusammengestauchten" Ortsnamen:

Zwei meiner Verwandten heirateten 1811/1812 in Lichtenau/Westf. In beiden Fällen wurde beim Vater die Bezeichnung "Amtmann in Bielingsen" angegeben. Trotz intensiver Suche war ein Ort dieses Namens nicht auffindbar. Es gab nur zwei Orte "Billinghausen", einmal in Lippe, und das andere als Gutsbezeichnung in Nordwaldeck.

Der Zufall, nämlich die Schülermatrikel des Gymnasiums Korbach, brachten mich auf den richtigen Weg. Dort fand ich nämlich meine Verwandtschaft wieder. Es war tatsächlich Billinghausen in Waldeck, wo meine Angehörigen damals gelebt hatten, und wie ich mittlerweile auch anhand der KB nachvollziehen konnte.

Gruß Friedrich
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
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  #6  
Alt 15.03.2008, 19:43
Benutzerbild von Ursula
Ursula Ursula ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 18.01.2007
Ort: BW
Beiträge: 932
Standard

Hallo,

ich war sehr erstaunt, als ich erfuhr, dass Semmadenga, wie man es hier ausspricht, in Wirklichkeit Obersulmetingen heißt.

Viele Grüße
Uschi
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  #7  
Alt 15.03.2008, 20:30
Benutzerbild von Svenja
Svenja Svenja ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 07.01.2007
Ort: Kanton Luzern, Schweiz
Beiträge: 2.750
Standard

Hallo

Bei uns in der Schweiz kommt es auch oft vor, dass Orte im Dialekt ganz anders ausgesprochen werden. Hier mal einige Beispiele aus meinem Wohnkanton Luzern (Das zweite Wort ist Dialekt):

Inwil = Eibu
Ballwil = Baubu
Ruswil = Rusmu
Ebikon = Äbikä
Buchrain = Bueri
Hohenrain = Honeri
Hochdorf = Hofdere
Neudorf = Nüdere(f)
Adligenswil = Adlige
Udligenswil = Uedlige
Escholzmatt = Äschlismatt


Gruss
Svenja
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  #8  
Alt 17.03.2008, 10:37
Benutzerbild von Hintiberi
Hintiberi Hintiberi ist offline männlich
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Registriert seit: 26.09.2006
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Beiträge: 1.053
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In Ostwestfalen wird die häufige Silbe "-hausen" oft zu "-sen" verkürzt, z.B.
Benhausen => Bensen. Manchmal wird so ein Ortsname auch völlig zusammengezogen: Siddinghausen => Singsen.

Gruß
-Jens
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  #9  
Alt 24.03.2008, 15:22
Benutzerbild von Uli
Uli Uli ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 15.10.2006
Beiträge: 154
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Hab mir deshalb ein Buch gekauft den dtv-Atlas Deutsche Sprache darin werden auch an Hand von Karten die Dialektgrenzen angezeigt z. B. Mädchen wo dazu Deern oder Mädle Maidl Diandl Mäken und soweiter gesagt wird.

gruss

uli
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  #10  
Alt 24.03.2008, 16:04
Benutzerbild von Hintiberi
Hintiberi Hintiberi ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 26.09.2006
Ort: Paderborn, Westf.
Beiträge: 1.053
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Man muß allerdings bei den im ehemals niederdeutschen Sprachraum entstandenen Ortsnamen beachten, daß die niederdeutsche Variante nicht immer das "Verschlucken" von Silben widerspiegelt; oft wurden niederdeutsche Formen "hyperkorrigiert" und/oder dem Hochdeutschen angepaßt.

So enden niederdeutsche Ortsnamen manchmal auf "-ede", deren hochdeutsches Pendant auf "-eid", wie zum Beispiel das im niederdeutschen Sprachraum gelegene "Meschede" (Sauerland) gegenüber dem im hochdt. Sprachraum gelegenen Manderscheid (Rhl.-Pfalz).
"Wattenscheid" ist so ein Fall, wo ein im niederdeutschen Raum gelegener Ort an die hochdeutsche Schreibung angepaßt wurde; ursprüngl.: "Wattenskede".

Auch bei den oben angesprochenen Orten auf "-sen" (= hochdt. "-hausen") mag dies ähnlich sein.

Nicht immer zeigt sich hier also eine "Verschleifung im Dialekt" sondern oft stehen zwei gleichberechtigte Formen aus zwei verschiedenen Sprachen nebeneinander:
Weil sich das Hochdeutsche im 16. Jahrhundert als überregionale Schriftsprache durchsetzte, erscheinen die plattdeutschen Formen manchmal wie eine dialektale Abart des "standardisierten hochdeutschen" Namens, es handelt sich aber eigentlich um zwei eigenständige Formen (also in etwa wie engl. "Munich" gegenüber dem dt. "München")

Viele Grüße
-Jens
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