#111  
Alt 31.10.2020, 14:36
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consanguineus consanguineus ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von Balduin1297 Beitrag anzeigen
Und es passt auch sehr gut, dass der Rufname des James Oscar nicht James ist, wie bei seinem leiblichen Vater. Das wäre wohl für den Julius eine zu große Demütigung gewesen, seinen Sohn James zu nennen. Da dies ja auch ein englischer Vorname ist, während man den Namen Oscar auch eindeutschen kann.
Hallo Balduin,

ich kann leider nichts konstruktives beitragen, aber ich wollte nur anmerken, daß ich sehr gerne über Deine Forschungen lese. Respekt vor dem, was Du da unter teils schwierigen Bedingungen zusammenträgst!

Frage: Meinst Du, Julius hat gewußt, daß James nicht sein Sohn ist?

Viele Grüße
consanguineus
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Joh. Christian KROHNFUSS, Jäger, * um 1790
Anton BLANKE, Halbspänner in Kl. Rhüden, * um 1750

Joh. Andr. MAASBERG, Bürger und Windmüller in Peine, * um 1730
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  #112  
Alt 31.10.2020, 14:53
Balduin1297 Balduin1297 ist gerade online männlich
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Hallo,
vielen Dank. Ich denke, er hat es geahnt. Spätestens nach dem Tod seiner Ehefrau wusste er es. Der Vorname James sieht in der preußischen Familie Müller aus wie ein Fremdkörper, der da irgendwie nicht dazugehört. Und der James Oscar war, als seine Mutter gestorben ist, gerade einmal 7 Jahre alt. Die Ottilie hatte bei ihrem Selbstmord nicht über die Zukunft ihrer Kinder nachgedacht.
Er war also auf seinen sozialen Vater Julius Müller angewiesen. Obwohl der Julius Müller nicht einmal das Geburtsdatum seines Sohnes kannte, da er bei der Matrikelakte statt dem 7.3.1863 den 8.3.1863 angegeben hatte. Aber bei 9 Kindern kann man auch schon einmal durcheinander kommen. Später ist er dann auch zu seinen anderen Halbgeschwistern nach Berlin umgezogen, da die Familie Müller dort, bevor sie nach Russland ausgewandert ist, zuletzt gewohnt hat.
Mich wundert es nur, warum die Ottilie nicht den Mut zur Scheidung hatte. Denn bei der Mutter des Julius war es genauso. Sie hatte mit einem anderem Mann ein uneheliches Kind gezeugt, wo aber noch der erste Ehemann als Vater eingetragen wurde. Dann hat sie sich scheiden lassen und hat dann den Mann geheiratet, mit der sie das uneheliche Kind gezeugt hatte und nachträglich wurde dann der leibliche Vater in dem Taufeintrag eingetragen. Und auch sie hatte auch erster Ehe drei Kinder und es war auch deutlich früher im Jahr 1809 und 1810.
Bei der Ottilie hätte es genauso sein können, allerdings hatte sie wohl leider nicht den Mut dazu.
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Oberverwalter August Gustav Julius Müller, * 26.9.1819 Bergen auf Rügen, + nach 1897 Charkow
Ottilie Charlotte v. Twardowsky genannt Hartmann, * 17.5.1825 Riga, + 19.3.1870 Bely Kolodez Gouvernement Charkow
Edelmann, Steuerbeamter Ludwig Stanislaus v. Twardowsky genannt Hartmann, * 1790 Polen-Litauen, + 27.5.1848 Riga
Julianne Charlotte Zahn, * 30.1.1805 Preekuln Gouvernement Kurland, + 9.6.1835 Riga
Edelmann, kgl. poln. Offizier Fedor Twardowsky

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  #113  
Alt 31.10.2020, 17:23
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Balduin,

den Sterbeeintrag der Ottilie MÜLLER geborene v. Twardowski /Hartmann
hast Du demnach inzwischen auch gefunden und dort wurde Selbstmord angegeben?
Oder vermutest Du dies nur?

Viele Grüße
Juergen
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  #114  
Alt 31.10.2020, 17:37
Balduin1297 Balduin1297 ist gerade online männlich
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Hallo,
leider sind sowohl die Erstregister als auch die Zweitregister des evangelischen Kirchenbuch von Charkow verschollen. Und auch bei den Kirchenbüchern von Prischib fehlt ausgerechnet genau das Jahr 1870. Es ist wie, als wenn der Julius Müller für den Verlust der Kirchenbücher verantwortlich sind, um den Selbstmord der Ottilie zu vertuschen. Es ist ein bisschen wie verflucht. Und was mich auch wundert, warum der Julius Müller in seiner Matrikelakte aus dem Jahr 1872 nicht ihre Heiratsdaten eingetragen hat, denn normalerweise muss dort die Heirat angegeben werden, da ja auch die Ottilie durch die Heirat mit dem Julius eine preußische Untertanin wurde und daher auch die Heirat als Beweis wichtig ist.
Ich habe nun schon in allen möglichen Orten im Baltikum und in Russland gesucht und nirgendswo ihre Heirat gefunden. Eigentlich hätten sie in Mogilew oder in Riga heiraten müssen.
Ich kenne die Sterbedaten aus der Matrikelakte ihres Sohnes Gottlieb Theodor Müller, wo allerdings leider nicht die Todesursache angegeben ist.
Was ich ebenfalls nicht verstehe, warum der Julius seine Ehefrau Ottilie mit in die Matrikel eingetragen hatte, denn sie ist schon zwei Jahre zuvor im Jahr 1870 verstorben.
Aufgrund der Vorgeschichte bin ich mir sicher, dass sie Selbstmord begangen hat.

Ich habe hier außerdem eine sehr interessante Geschichte des englischen Clubs in St. Petersburg gefunden und anscheinend gab es damals mehrere Skandale in Bezug auf die dortigen Engländer. Der James Anderson und die Ottilie waren da also kein Einzelfall:

The heart of English St. Petersburg and the English community was house number 56. On March 1, 1770 Francis Gardner opened an English club here. At first, its members were only Englishmen who worked and served in St. Petersburg, but later Russian aristocrats were also accepted into the club.

Inside there were rooms for playing chess, billiards, and even a “room for telling lies.” Later an English church was opened in the building, along with a theater, which invited English actors and theater groups from London.

House 52. Source: Valeria Melnikova

Though English Embankment was respectable and prestigious, sometimes it witnessed scandals, such as the one that took place in house number 52 between Lord Whitworth, British Ambassador to Russia, and Olga Zherebtsova, daughter of a senior official in the administration of Pavel I.

Their relationship lasted for 12 years, but Lord Whitworth didn’t support the policy of Pavel I, who was on the Russian throne. Pavel found out about this and ordered Whitworth to leave the country. Despite the heartbreaking news, Zherebtsova decided to leave Russia to be with her beloved and hurried after him. But when half-way there she found out that Whitworth had married the Duchess of Dorchester as soon as he had arrived in London.

Undeterred, the love-struck Zherebtsova continued on to London, where she caused the newly married couple all kinds of trouble. She also was introduced to the British court and even danced with the Prince of Wales. However, she came back home alone and unhappy, and spent the rest of her life in her house on English Embankment.
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  #115  
Alt 03.11.2020, 14:02
Alter Mansfelder Alter Mansfelder ist offline
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Hallo Balduin,
Zitat:
Zitat von Balduin1297 Beitrag anzeigen
... Ich bin mir nun nach den neuesten Erkenntnissen sicher, dass James Oscar Müller ein Kuckuckskind des James Oscar Anderson und der Ottilie Charlotte Hartmann von Twardowsky ist, da die Ehefrau des James Oscar Anderson ein Jahr zuvor gestorben ist und er sich deshalb einsam fühlte.
Und da der Julius Müller ständig viel gereist ist und sehr viel auf den vielen Gütern der Adelsfamilie Popow gearbeitet hatte, war auch die Ottilie einsam und hat sich gelangweilt.
Und was auch sehr gut passt, dass der James Oscar der Erste ist, der nach einem Umzug geboren wurde. Sie hatten viele Freunde und Verwandte zurückgelassen und auch das war ein Grund dafür, warum sich die Ottilie einsam fühlte.
Deshalb hat sie in dieser Zeit wohl sehr viel Zeit mit dem James Oscar Anderson verbracht und hat sich in ihn verliebt.
...
Außerdem habe bei dem DNA Test von FamilyTreeDna folgende Ergebnisse:

Great Britain : 30%

...

Die 30% Großbritannien kommen vom James Oscar Anderson und die 10% Baltikum von der Ottilie Charlotte Hartmann. Die britische DNA kann nur vom James Oscar Anderson stammen.
eine schöne Geschichte - aber bei allem Respekt: Das ist jetzt nicht wirklich ernst gemeint, oder? Wen hast Du denn da testen lassen? Dich selbst? Wenn ja, dann ist vielleicht eher Dein Großvater Brite oder Amerikaner

Es grüßt der Alte Mansfelder
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  #116  
Alt 03.11.2020, 15:51
Balduin1297 Balduin1297 ist gerade online männlich
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Hallo,
ja, ich habe mich selbst testen lassen und ja, es ist ernst gemeint. Die DNA kann sehr unterschiedlich verteilt werden. Selbst Geschwister haben andere regionale Verteilungen, da ja der eine etwas mehr von der slawischen DNA erbt und der andere mehr von der deutschen oder englischen DNA. Und bei mir hat sich scheinbar mehr die englische DNA durchgesetzt und dafür habe ich deutlich weniger deutsche DNA. Und ich sehe auch überhaupt nicht deutsch aus, eher slawisch.
Außerdem sind die DNA-Tests ja leider noch nicht ganz so genau und deshalb müssen es nicht unbedingt genau 30% sein. Es können genauso gut 10% oder 20% sein. Die genauen Verteilungen sollte man also nicht so wichtig finden. Aber immerhin sieht man, dass ich englische DNA habe und das ist ja die Hauptsache. Und irgendwo muss ja die englische DNA herkommen. Und sie kann nur vom James Oscar stammen.
Und außerdem stimmen auch die anderen Verteilungen mit slawischer, baltischer und skandinavischer DNA sehr gut. Denn bislang war kein einziger Fehler im DNA Test vorgekommen. Es kam also keine Region im DNA Test vor, aus denen ich keine Vorfahren habe. Auch die 3% skandinavische DNA passt auch sehr gut, da das Baltikum bis 1720 zu Schwedisch-Livland gehörte. Also warum sollte dann die englische DNA nicht stimmen?
Wenn man dann noch die ganzen anderen Dinge beachtet, die ich vorher angeführt habe, kann der James Oscar gar nicht der leibliche Sohn des Julius Müller sein.

Auch wenn es nichts mit dem Thema zu tun hat: Meinen sehr seltenen polnischen Nachnamen gibt es witzigerweise auch fünfmal in England, da viele Polen nach England ausgewandert sind. Und es gibt ihn 17-mal in Deutschland.
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Geändert von Balduin1297 (09.11.2020 um 17:18 Uhr)
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  #117  
Alt 05.11.2020, 19:53
Balduin1297 Balduin1297 ist gerade online männlich
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Ich bin mir auf jeden Fall auch ziemlich sicher, dass aus diesem Grund in der Familie niemals etwas über die Eltern des James Oscar erzählt wurde. Auch nicht, dass er in Russland geboren und aufgewachsen ist.
Es muss etwas mit der Liebschaft mit dem James Anderson und dem Selbstmord der Ottilie zu tun haben, dass daraus eine große Familientragödie wurde.
Deshalb gibt es weder Fotos, Aufzeichnungen oder Tagebücher. Es wurde alles verbrannt und möglichst schnell vergessen sowie verdrängt.
Auch wenn die Eltern des James Oscar viel erreicht haben, hängen trotzdem viele negative Erinnerungen daran.
Deshalb hat der James Oscar wohl auch entschieden, lieber ein bodenständigeres Leben als seine Vorfahren zu führen und hat sich mehr um die Gegenwart und Zukunft interessiert sowie um seine Kinder gekümmert.

Und ich bin nun der Erste in der Familie, der die Wahrheit über die Eltern des James Oscar herausfinden möchte und ich habe vor fast drei Jahren wirklich bei Null gestartet ohne irgendwelche Hintergrundinformationen. Und nach fast drei Jahren habe ich nun ein völlig anderes Bild von dem Julius Müller und seiner Ehefrau, vor allem durch die Liebschaft mit dem James Anderson und der daraus resultierenden Tragödie. Das kann kein Zufall sein.
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Geändert von Balduin1297 (05.11.2020 um 20:18 Uhr)
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  #118  
Alt 06.11.2020, 15:40
Juergen Juergen ist offline
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Hallo Balduin,

die Frage ist, ob die DNA-Analysen für Deinen Fall tauglich sind,
die Herkunftslinie Deines James Oskar bzw. die Richtigkeit, dass dessen Vater der Vorfahren in Großbrittanien hatte der leibliche Vater war, zu beweisen.

Ua. steht bei genwiki so für Living DNA
Zitat " Genauigkeit der Ergebnisse: Für Probanden mit Vorfahren aus Großbritannien scheint eine sehr hohe Genauigkeit erreicht zu werden. Probanden aus Deutschland werden derzeit oft falsch mit hohen Anteilen der Herkunftsregion "Great Britain and Ireland" bestimmt (insbesondere mit hohen Anteilen Südostengland). Diese Fehleinschätzung hat ihren Grund wohl in der hohen Ähnlichkeit zwischen Südostengland und Kontinentalmitteleuropa insbesondere als Folge der Völkerwanderung. Sobald Ergebnisse des Deutschlandprojekts vorliegen, ist auch für Deutschland mit deutlich besseren Ergebnissen zu rechnen. "
Quelle http://genwiki.genealogy.net/DNA-Herkunftsanalyse

Ich habe von der Sache keine Ahnung, und habe auch noch keinen eigenen Test gemacht.
Hier im Forum gibt es ein paar Anhänger DNA Gnealogie, vielleicht schreiben diese mal ihre Meinung dazu. Die gehen ja soweit die DNA Genealogie zu bevorzugen, annstelle der "Papier-Genealogie".

Letzlich geht es ja aber um "nichts", nur Du musst das galuben, was du nicht beweisen kannst und gut ists.

Du meist Du siehst nicht deutsch aus. Wie sieht, sah früher ein Deutscher aus?
Mit sowas haben sich früher Wissenschaftler beschäftigt, und auch lokale Unterschiede
ermittelt, Bayern, Norddeutsche usw.

Slawen lebten als Minderheit auch schon sehr lange im deutschen Siedlungsraum
und haben sich auch vermischt mit den "Germanen".

Ansonsten sehr schön von Dir rekonstruiert, die mögliche Geschichte Deiner Leute im damaligen Russland.

Viele Grüße
Juergen

Geändert von Juergen (06.11.2020 um 15:47 Uhr)
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  #119  
Alt 06.11.2020, 17:05
Balduin1297 Balduin1297 ist gerade online männlich
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Hallo,
vielen Dank. Da ich keine Vorfahren aus dem damaligen Siedlungsgebieten der Angelsachsen habe, kann man das eigentlich ausschließen. Und bei der Deutschen Ostsiedlung haben sich hauptsächlich Franken in Ostdeutschland niedergelassen, die mit den Engländer nicht verwandt sind. Von dem her sollten die Personen, deren Vorfahren östlich der Elbe gelebt haben aufgrund der Ostsiedlung deutlich genauere Ergebnisse haben als die aus Westdeutschland.
Und dafür gibt es ja noch Central Europe, welches bei mir 20% sind.
Central Europe besteht aus Deutschland und Frankreich, da man die deutsche und französische DNA nicht unterscheiden kann, da beide Nationen von den Franken abstammen.
Aktuell ist es leider trotzdem noch schwierig, die deutsche DNA und englische DNA zu unterscheiden. Ich hoffe, dass das in Zukunft besser wird und die DNA Tests genauer werden.
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Geändert von Balduin1297 (10.11.2020 um 14:36 Uhr)
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  #120  
Alt 16.11.2020, 15:54
Balduin1297 Balduin1297 ist gerade online männlich
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Die ostlawische DNA kommt von meinen Vorfahren in Polen, da meine Großtante, die noch ihre Großeltern erlebt hat, erzählt hatte, dass die Eltern meines Urgroßvaters Stanisław Bronisław Bolesław Trąbalski zwar in Großpolen geboren sind, allerdings deren Vorfahren ursprünglich aus Ostpolen nahe der russischen Grenze und aus der Ukraine stammen. Sie sind Anfang des 19. Jahrhunderts in den preußischen Teil Polens umgezogen, da dieser Teil der wohlhabendste Teil Polens war. Sie haben dort Arbeit gesucht. Und tatsächlich habe ich viele Nachnamen nur in Ostpolen gefunden. Und genau Anfang des 19. Jahrhunderts habe ich leider bei den meisten Vorfahren einen toten Punkt, da sie in den Kirchenbüchern nicht mehr vorkommen und zugezogen sein müssen. Und das würde auch Sinn machen, da auch der Franciszek Trąbalski viele enge Freunde und Genossen aus Ostpolen hat, die ihn auch im Kampf gegen die Preußen unterstützt haben, wie Ludwik Waryński, der in der Ukraine geboren ist und Feliks Dserschinski, der in Weißrussland geboren ist. Außerdem hatte er noch viele weitere Freunde, die aus dem Zarenreich geflohen ist.

Ausschnitt aus der Geschichte der Familie Trąbalski :

Es gibt das sehr bekannte polnische Kindergedicht von Julian Tuwim: Słoń Trąbalski, welches übersetzt Elefant Rüsselmann heißt. Man kann den Namen mit Trompete und mit Rüssel übersetzen. Also eigentlich ein sehr witziger Nachname. Da meine Mutter unehelich geboren ist und sie ihren Namen nach der Heirat behalten hat, trage auch ich diesen Namen.

Der Stanisław Bronisław Bolesław Trąbalski (* 25.10.1896 Leipzig, + 12.11.1985 Leipzig) ist während des Ersten Weltkrieges zu seinem Onkel, dem Steindrucker Jan Maćkowiak (* 14.6.1881 in Wonieść) in die Schweiz geflohen und wollte desertieren. Allerdings wurde er geschnappt und durfte deswegen nicht in die reguläre sächsische Armee eintreten und musste zur 7. Telegraphen-Bataillon in Dresden. Da er Verwandte im Osten hatte, durfte er an die Westfront und war unter anderem in Verdun eingesetzt, wo er Telefonleitungen reparieren musste, wobei er schwer am Bein verletzt wurde und er kam in ein Lazarett in Weimar. Er ist bereits im Jahr 1816 dem Spartakusbund beigetreten und nahm im Jahr 1919 in Berlin am Aufstand teil.
Er war auch sehr musikalisch, da er Geige gespielt hatte und mit anderen Genossen eine Musikgruppe gegründet hatte. Sie sind von Dorf zu Dorf gezogen und haben Musik gemacht. Sie waren schnell als Zigeuner bekannt.
Seine Eltern Franciszek Trąbalski (* 10.10.1870 Czempiń, + 26.10.1964 Zabrze), katholischer Taufname Franciscus und seine Ehefrau Maryanna Wiktorya Maćkowiak (* 8.12.1878 in Wonieść, + 9.6.1936 in Leipzig) haben zuvor am 18.5.1896 in der katholischen Katharinenkirche in Leipzig geheiratet. Sie haben sich über die PPS kennengelernt, da auch die Maryanna Parteimitglied war und für die damalige Zeit sehr fortschrittlich und als Frau gleichgestellt war, da sie zusammen mit ihrem Ehemann zu allen möglichen Debatten oder Versammlungen gegangen ist, während der Stanisław sich um seinen jüngere Geschwister gekümmert hat. Manchmal haben sich auch Freunde um die Kinder gekümmert, wenn die Eltern abends weg waren.
Der Vater des Franciszek namens Stanisław Trąbała (*22.10.1842 Wolkowo bei Goniębice, + 13.11.1923 Czempiń), ab 1869 Trąbalski, hatte noch die polnische Unabhängigkeit miterlebt. Er war Gemeindediener und hatte nur ein sehr bescheidenes Einkommen, von dem die Familie kaum leben konnte. Seine Ehefrau Łucja Dziwak (* 7.12.1845 Gut Kurowo, + 5.9.1904 Czempiń) hatte ein sehr bescheidenes Vermögen, da sie auf einem Gut aufgewachsen ist, was aber nicht ihren Eltern gehörte. Ihnen gehörte ein kleines, einfaches Gartenhaus in Czempiń.
Die Eltern der Maria Wiktorya waren der Adam Maćkowiak (* 22.12.1849 Wonieść, + 28.8.1902 Leipzig-Connewitz) und die Jadwiga Lewandowska (* 12.10.1855 Kokorzyn), die am 5.4.1875 in Śmigiel geheiatet haben. Die Eltern der Maria waren sehr arme polnische Landarbeiter, die in sehr großer Not waren. Ein deutscher Freund des Adam namens Neumann aus der Provinz Posen hatte ihm empfohlen, sich in der Gasanstalt in Leipzig-Connewitz zu bewerben, da dort Arbeiter gesucht werden und somit ist die Familie Maćkowiak im Jahr 1893 nach Leipzig ausgewandert und der Adam hat dort als Gasanstaltsarbeiter gearbeitet. Allerdings fühlte sich die Jadwiga sehr unwohl in Leipzig, vor allem die sprachlichen Probleme waren ein sehr großes Problem. Also ist sie mit zusammen mit ihren Kindern zurück in ihr Heimatdorf nach Polen gegangen und der Adam hatte regelmäßig Geld zu seiner Familie nach Polen geschickt. Obwohl die größte Not überwunden war, litt die Familie unter der Trennung sehr, weshalb die Jadwiga doch wieder mit ihren Kindern nach Leipzig zurückkehrte. Genau dort wo auch ich geboren und aufgewachsen bin. Allerdings mussten sie ihre Kinder nun wieder in eine deutsche Schule schicken. Allerdings hatten sie ein sehr großes Glück, denn der Schuldirektor war den Polen sehr freundlich gegenüber und hat sich sehr für die Geschichte der polnischen Landarbeiter interessiert, weshalb er der Maria und ihren Geschwister Nachhilfeunterricht gab und ihnen sehr half, die deutsche Sprache zu erlernen. Der Sohn dieses Direktors war später auch ein Widerstandskämpfer gegen die Nazis.
Franciszek ist im Jahr 1888 im Alter von 18 Jahren aus seinem Heimatdorf vor der preußischen Polizei geflohen, da er gegen die Germanisierungspolitik in seiner Heimat gekämpft hatte. Denn die polnische Sprache und alles Polnische wurde im preußischen Teil Polens sehr stark unterdrückt. Es gab eine sehr große Ungerechtigkeit gegenüber den Polen. Das war wohl auch der Grund, warum er seinem Sohn gleich drei alte slawischen Namen gegeben hat. Boleslaw I. war der erste christliche König von Polen und der Gründervater Polens. Zuerst ist er zu seinem Onkel nach Berlin geflohen, da in Berlin sehr viele Flüchtlinge aus Russland und Polen lebten und es in Berlin eine sehr hohe Gesetzlosigkeit gab. Aber da sein Onkel preußischer Postbeamter war und schon germanisiert war, wollte er seinen Beruf nicht gefährden. Deshalb ist er weiter nach Leipzig geflohen, da die dortige Polizei nicht so streng war und viele Polen und Russen damals nach Leipzig geflohen sind. Es gab in Leipzig eine große polnische Gemeinde, die es schon seit dem 18. Jahrhundert gab, als die sächsischen Könige die Könige von Polen waren. Außerdem war Leipzig zur damaligen Zeit der wichtigste Ort für Flüchtlinge aus dem Osten. Der Franciszek und die Maria waren seitdem in ihrer Wohnung in der Poniatowskistraße die wichtigste Stelle für Flüchtlinge aus dem Zarenreich. Viele wollten von Leipzig aus weiter in Richtung Schweiz oder nach Frankreich. Und der Franciszek hat für seine Genossen viele Reisepässe gefälscht. Er selbst hatte sogar einen gefälschten Reisepass auf den Namen Kurt Müller, den wir sogar noch bei meiner Oma gefunden haben. Später im Jahr 1903 ist er wieder von Leipzig an das Dreikaisereck Kattowitz umgezogen, um den Genossen aus der dortigen Druckerei abzulösen und die Zeitung Gazeta Robotnicza zu drucken und in alle drei Teile Polens zuverteilen. Im Jahr 1905 hat der Franciszek am Aufstand in Lodz teilgenommen und im selben Jahr ist die Helena (Helcia) Maryanna Trąbalska in Kattowitz geboren, als der Vater nicht zu Hause war. Deshalb waren Genossen da, die sich um die schwangere Frau gekümmert haben. Der Stanislaw hatte auch noch einen jüngeren namens Maksymilian Edward, der am 3.10.1899 geboren ist. Dieser hat wegen Liebeskummer Selbstmord begangen und ist am 30.4.1921 in Szklarska Poręba in Niederschlesien gestorben. Auch der Stanislaw hatte als Kind am Aufstand in Łódź teilgenommen und hatte geheime Nachrichten an den Kosacken vorbeigeschmuggelt.
Da die Familie sehr große Geldsorgen hatte, mussten sie im Jahr 1913 wieder zurück nach Leipzig gehen und der Franciszek musste wieder einer "richtigen" Arbeit nachgehen. Allerdings auch nur teilweise, da er im Adressbuch von Leipzig ab dem Jahr 1913 bis zur Revolution 1919 als Reisender bezeichnet wurde. Ursprünglich war er Schuhmacher, da das Geld für das Gymnasium und Studium nicht gereicht hatte. Anfang der 1920er Jahre ist er wieder zurück in das unabhängige Polen umgezogen. Außerdem kam es später zum Bruch mit den deutschen Sozialdemokraten, vor allem mit der Parteileitung in Berlin, da sie der Meinung waren, dass der Franciszek sich zu sehr auf die Unabhängigkeit Polens fokusiert, anstatt die Interessen der deutschen Sozialdemokraten zu unterstützen. Das war dann auch der Grund, warum er sich später vollständig der polnischen PPS anschloss und dort einer der Parteiführer war. Allerdings waren auch die Polen nicht derselben Meinung, denn es gab die PPS, die der Meinung war, dass es nur um die Unabhängigkeit Polens geht, während eine zweite sozialdemokratische Partei, die SDKPiL, der Meinung war, dass die Polen nur stark bleiben, wenn sie eng mit den Genossen in Russland zusammenarbeiten und das erste Ziel ist die Revolution in Russland, bevor auch die Polen bereit sind für eine Revolution. Dieser Partei gehörte ein sehr enger Freund und Genosse des Franciszek namens Feliks Edmundowitsch Dzierżyński an, der ihm vor allem auch im Kampf gegen die Preußen geholfen hatte. Er war auch ein enger Freund und Genosse von Stalin. Er war der erste Leiter des Allrussischen Außerordentlichen Komitees zur Bekämpfung von Konterrevolution und Sabotage, der ersten sowjetischen Geheimpolizei.
Der Franciszek hat noch im Jahr 1944 am Warschauer Aufstand gegen die Deutschen teilgenommen und war ein echter polnischer Patriot.


Von den polnischen Vorfahren habe ich auch genetisch das meiste geerbt. Die Augenform habe ich von meinem Uropa Stanislaw und die untere Gesichtshälfte ab Nase von seiner Schwester Helena. Und meine Mutter sieht fast genauso aus wie die Maryanna Wiktorya. Sie hat schwarze Haare und ist sehr dunkel. Auch ich bin eher ein dunkler Typ.
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Geändert von Balduin1297 (18.11.2020 um 10:57 Uhr)
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