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  #1  
Alt 30.12.2020, 20:28
taraxacum taraxacum ist offline
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Registriert seit: 06.11.2016
Beiträge: 54
Standard Schullehrer, Kantor in einem Dorf im Herzogtum Sachsen- Coburg- Gotha, 19.Jh.

Hallo zusammen,

ich habe einen Vorfahren, der war in den Adressbüchern des Herzogtums Sachsen- Coburg- Gotha immer als Schullehrer in einem Dorf geführt. Später bekam er die Sachsen- Ernestinische Verdienstmedaille in Silber. Im Landesarchiv Thüringen, Staatsarchiv Gotha, wird er mit dieser Auszeichnung als Kantor geführt. Hat der Kantor etwas mit dem Schullehrer zu tun? Unter den Personen, die diese Verdienstmedaille in Silber bekommen haben, sind direkt auch Schullehrer gelistet.

Beste Grüße

taraxacum

Geändert von taraxacum (30.12.2020 um 20:29 Uhr)
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  #2  
Alt 31.12.2020, 09:59
Claire Claire ist offline
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Registriert seit: 01.02.2019
Beiträge: 161
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Hallo,

interessant, dass wir uns auch hier treffen! Offenbar haben wir beide Vorfahren im gleichen Herzogtum.

Mein Vorfahr (angeheiratet) war lt. seiner Heiratsurkunde Lehrer, danach stieg er auf zum Oberlehrer und Organist. In seinen späteren Briefen bezeichnete er sich selbst ausschließlich als Kantor. So gestaltete er seinen Absender und so unterschrieb er auch.

Vermutlich galt die Bezeichnung Kantor "höherwertiger" als ein Lehrer. Aber das nehme ich nur an, ohne es genau zu wissen.

Schöne Grüße
Claire
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  #3  
Alt 31.12.2020, 10:50
memo memo ist offline weiblich
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Registriert seit: 19.01.2009
Beiträge: 305
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Hallo,

meine beiden Urgroßväter (19. Jhdt) waren Lehrer und Küster / Kantor in der Altmark bzw. in Pommern. Sie spielten die Orgel in der evangelischen Kirche. Da sie beide aus bäuerlichen Verhältnissen stammten, gehe ich davon aus, dass sie das Orgelspiel im Rahmen ihrer Lehrerausbildung erlernten, d.h. dass es quasi dazugehörte.

Gruß, memo
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  #4  
Alt 31.12.2020, 11:22
MariaH MariaH ist offline
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Registriert seit: 26.05.2020
Beiträge: 158
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Ich kann jetzt nur für das Erfurter Gebiet berichten. Hier waren das Mädchenlehrer- und das Kantorenamt "kombiniert". Als Schulmeister wurden stets nur die Knabenlehrer bezeichnet. Das drückte sich auch in der Besoldung aus.
__________________
Liebe Grüße von Maria
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  #5  
Alt 31.12.2020, 13:26
taraxacum taraxacum ist offline
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Registriert seit: 06.11.2016
Beiträge: 54
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Hallo Claire, memo und MariaH,

ich danke euch allen für eure Informationen.

Claire, den Gedanken, dass der Kantor "höherwertiger" als der Schullehrer war, hatte ich auch. Ob dem tatsächlich so war, würde ich gern ergründen, nur wo?
Ich werde mal im Thüringer Ministerium für Bildung, Jugend und Sport nachfragen, wie das mit dem Schullehrer und Kantor im 19 Jh. war.

Beste Grüße

taraxacum
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  #6  
Alt 31.12.2020, 22:52
memo memo ist offline weiblich
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Registriert seit: 19.01.2009
Beiträge: 305
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Hallo,

ganz informativ auch der Artikel bei Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kantor

Gruß, memo
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  #7  
Alt 02.01.2021, 17:48
Kaddie111 Kaddie111 ist offline
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Registriert seit: 24.10.2019
Beiträge: 34
Standard Kantor als Lehrer

Hallo ihr,
zum Thema Kantor und Lehrer folgender berufsgeschichtlicher Hintergrund:
Das Kantorenamt verband lange Zeit kirchenmusikalische und pädagogische Aufgaben, was v.a. zurück geht auf die Reformation lutherischer Ausprägung, in der einerseits die Musik eine wichtige Stellung im Gottesdienst erhielt und andererseits das allgemeine Schulwesen propagiert wurde. Der Kantor erhielt im Zuge dessen eine Rolle als Lehrkraft im Schulwesen und unterrichtete auch nicht-musikalische Fächer, was eine akademische Ausbildung mit sich brachte. Allerdings je nach Schulart/-größe variierte seine Stellung in der Schulhierarchie.
Im 18./19. Jahrhundert befand sich der Beruf allerdings bereits im Umbruch verbunden mit Ansehens- und musikalischen Qualitätsverlusten. Es gab die Verknüpfung verschiedener Tätigkeiten (z.B. wie schon Memo erwähnt mit dem Küsteramt), aber die Verbindung Kantor-Lehrer war noch üblich bis der Staat die Verantwortung über die Bildung unabhängig der Kirchen übernahm. In meiner Heimat Zirndorf (Franken) gab es im 19. Jahrhundert beispielsweise zwei evangelische Schulen, wovon eine vom Kantor und die andere vom Messner geleitet wurde.
LG Kathrin
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  #8  
Alt 06.01.2021, 22:23
taraxacum taraxacum ist offline
Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 06.11.2016
Beiträge: 54
Standard

Hallo Kaddie111,

danke für deinen informativen Beitrag!

Beste Grüße

taraxacum
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  #9  
Alt 06.01.2021, 22:41
Jettchen Jettchen ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 16.10.2011
Beiträge: 1.069
Standard

Ich kann aus Unterfranken dies berichten:
Der Großvater meines Mannes war Lehrer. Damit war verbunden die Pflicht zum sonntäglichen Orgeldienst. Er war darüber total unglücklich, weil ihm die Musikalität hierzu fehlte. Welch eine Freude empfand er, als im 3. Reich diese Verpflichtung entfiel, da man das „Doppelverdienertum“ abschaffen wollte.
Viele Grüße Jettchen
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  #10  
Alt 06.01.2021, 23:20
Wolfg. G. Fischer Wolfg. G. Fischer ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 18.06.2007
Beiträge: 3.958
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Zitat:
Zitat von Kaddie111 Beitrag anzeigen
Der Kantor erhielt im Zuge dessen eine Rolle als Lehrkraft im Schulwesen und unterrichtete auch nicht-musikalische Fächer, was eine akademische Ausbildung mit sich brachte. Allerdings je nach Schulart/-größe variierte seine Stellung in der Schulhierarchie.
Hallo Kathrin,

hier möchte ich ein wenig widersprechen. Der normale Dorfschullehrer hatte ja keine akademische Ausbildung, sondern lediglich ein Lehrerseminar besucht. Für ihn war der Titel Kantor sicher eine Rangerhöhung.

Was Jettchen berichtet, kenne ich aus meinem Heimatort ähnlich. Der letzte Kantor war 1863 geboren und wurde wohl ca. 1928 pensioniert. Sein Schwiegersohn (und Nachfolger) war unmusikalisch und lehnte den Orgeldienst ab.

Vermutlich hat der Schwiegervater noch bis nach 1933 den Kantorendienst versehen.

Mit besten Grüßen
Wolfgang
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kantor schullehrer

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