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  #1  
Alt 19.08.2021, 10:47
Xylander Xylander ist offline männlich
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Registriert seit: 30.10.2009
Beiträge: 5.516
Standard Gewässer-Name Ennepe

Hallo zusammen,
ich stamme aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis und bin in Gennebreck und Haßlinghausen (heute beides zu Sprockhövel) aufgewachsen. Bei sonntagnachmittäglichen Kinobesuchen in der Nachbarstadt Gevelsberg gehörte es zu meinem Ritual, mal ein paar Minuten in die Ennepe zu schauen, wie sie unter der Brücke beim Nirgena durchfloss, das altmodische Wort munter passte zu ihr.

Jetzt war ich seit Jahrzehnten nicht dort, aber die Erwähnung der Ennepe im Thema Rockholt(z) machte mir bewusst, dass der Name wohl immer noch nicht komplett gedeutet ist. Klar ist das -(e)pe, ein verkürztes -apa, wie bei vielen vorwiegend westdeutschen Flüss(ch)en und Bächen. Es bedeutet Wasser, Fluss, Bach. Das apa-Problem (germanisch oder keltisch?) lasse ich erstmal beiseite.
https://de.wikipedia.org/wiki/Ennepe
https://de.wikipedia.org/wiki/-apa

Was aber bedeutet en(n)?
Google und Googlebooks liefern viele Treffer zB zu Ennepe+apa+"en", auch mit zusätzlichem Suchwort Dittmaier oder Udolph kommt einiges, aber alles sehr zerschnipselt. Was ich daraus als eine Teilmeinung entnehme, ist dass es sich nicht um eine Bildung a la Munteres Wasser handelt, also um zwei Worte derselben Sprache, sondern dass En(n) eine ältere allgemeine Bezeichnung für Wasser, Fluss war, die nicht verstanden wurde, weswegen man ein -apa dranklebte. Das ist plausibel, viele Bäche auf -bach enthalten zum Beispiel ein altes Wasserwort schon im ersten Bestandteil. Aber ich finde keine unzerschnipselte Erläuterung oder auch gegenteilige Deutung dazu.

Meine Fragen:
Wer hat sich schonmal mit dem Thema beschäftigt?
Wer kann besser googeln?
Wer hat Literatur, in der er/sie nachschauen könnte?

Ich bin sehr gespannt und dankbar für jeglichen Hinweis.

Viele Grüße
Peter
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  #2  
Alt 19.08.2021, 11:07
Prinzessin LiSi Prinzessin LiSi ist offline
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Registriert seit: 16.06.2020
Beiträge: 166
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Der Lauf der Ennepe von der Quelle bis zur Mündung: ...books.google.de › books
Margret Korn, ‎Walter Herrmann · 1979 · ‎Keine Vorschau

Das kennst du bestimmt, oder? Ob etwas zum Namen drinsteht, weiß ich aber nicht.
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  #3  
Alt 19.08.2021, 11:18
Xylander Xylander ist offline männlich
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Ich hatte es gefunden, besitze und kenne es aber leider nicht. Hört sich vielleicht komisch an, aber ich hatte mich bisher nicht intensiv um die Ennepe gekümmert. Danke für den Tipp!
Viele Grüße
Peter
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  #4  
Alt 19.08.2021, 16:42
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Hi, hier hat sich jemand daran versucht, Zitat:

"Ennepe" bedeutet also Sumpfwasser
http://www.otto-enneper.de/
__________________
Viele Grüße
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  #5  
Alt 19.08.2021, 17:10
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
... dass En(n) eine ältere allgemeine Bezeichnung für Wasser, Fluss war, die nicht verstanden wurde, weswegen man ein -apa dranklebte. ...
Ja, die erste Silbe ist vermutlich keltisch (z.B. Flussnamenn Enns, Inn) oder vorkeltisch, bzw. alteuropäisch.

Das apa-Ende haben dann wohl die Germanen hinzugefügt.
http://www.jeegels-hoob.de/geschicht...20Sprachen.pdf
__________________
Viele Grüße

Geändert von Anna Sara Weingart (19.08.2021 um 17:12 Uhr)
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  #6  
Alt 19.08.2021, 17:30
Xylander Xylander ist offline männlich
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Danke ASW, das ist aufschlussreich. Die erste Deutung - beide Bestandteile sind Wasserworte, nur aus verschiedenen Sprachschichten - finden sich bei einer Reihe von Autoren. Zur zweiten Deutung - Sumpfwasser, mit -apa germanisch Fließgewässer und ana/en- keltisch Sumpf, ebenfalls häufig vertreten, würde ich gern den Artikel aus dem Roland zu Dortmund kennen. Ist vielleicht jemand Mitglied? Parallel schreibe ich dem Inhaber der Website.
Zu Deinem Nachtrag: die apa-Diskussion halten wohl die meisten, so auch ich, für ausgestanden. Das ist ein germanischer Begriff. Ob ana/en nun keltisch oder vorindoeuropäisch, das hängt davon ab, wo man die Nordgrenze des keltischen Spachgebiets sieht, bevor sie von den Germanen verdrängt wurden. Der Name der Ruhr, der die Volme mit der Ennepe von Süden zufließt, wird vielfach als keltisch angesehen. Andererseits reagieren manche Sprachwissenschaftler, angesichts der Keltomanie des 19. und teils 20. Jahrhunderts, allergisch auf Versuche, den Bereich der keltischen Besiedlung möglichst weit nach Norden zu schieben.
https://www.google.de/search?q=Kelte...iw=919&bih=416
Viele Grüße
Peter

Geändert von Xylander (19.08.2021 um 19:30 Uhr)
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  #7  
Alt 19.08.2021, 19:49
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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Zitat:
Zitat von Xylander Beitrag anzeigen
... Andererseits reagieren manche Sprachwissenschaftler, angesichts der Keltomanie des 19. und teils 20. Jahrhunderts, allergisch auf Versuche, den Bereich der keltischen Besiedlung möglichst weit nach Norden zu schieben. ...
Dazu das Gegenteil:
"Der Linguist Jürgen Udolph hat 2006 darauf hingewiesen, dass sich viele archäologische Hinterlassenschaften keltischer Kultur – von typisch keltischer Handelsware bis hin zu Fürstensitzen – auch in Regionen finden, in denen keltische Ortsnamen fast völlig fehlen; dies gelte etwa für Hessen."
__________________
Viele Grüße
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  #8  
Alt 19.08.2021, 21:02
Xylander Xylander ist offline männlich
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Das verstehe ich nicht unbedingt als Gegenteil. Udolph unterscheidet zwischen Kulturraum und Sprachraum. Dass der Kulturraum die Grenzen des Sprachraumes überschritt, ist anscheinend allgemein anerkannt.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kelten#Verbreitung

Ich meinte den Sprachraum, hab mich ungenau ausgedrückt. Da war es maßgeblich Udolph, der das apa-Problem lösen half und die These vom germanischen Ursprung durchsetzte. Ähnlich auch seine Meinung zur Verbreitung keltischer Ortsnamen (nur in Süddeutschland), wobei allerdings die linksrheinischen, unbestreitbar keltischen Ortsnamen nicht vergessen werden dürfen.
https://www.facebook.com/prof.udolph...93853070640891

Gewässernamen enthalten oft noch ältere Relikte als Ortsnamen. Selbst wenn Kelten an der Ennepe siedelten, was ich nicht ausschließe, können sie einen vorindogermanischen Wassernamen übernommen haben. Wenn der lautlich einem etwaigen keltischen ana - Sumpf ähnelte, ging das sozusagen nahtlos. Aber ehe ich hier eine Theorie ausmale, schaue ich erstmal, was ich noch finde.

Viele Grüße
Peter
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  #9  
Alt 19.08.2021, 22:15
Xylander Xylander ist offline männlich
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Hallo zusammen,
die Bedeutung von kelt. ana - Sumpf wird vielfach genannt. Die Frage ist, ob das Wort auch in Ennepe steckt.
Greule glaubt das eher nicht und führt den Namen auf germanisch anipa - günstige Lage zurück, ich bin jedoch nicht sicher, ob ich seine Darlegung verstehe:
https://www.google.de/books/edition/...sec=frontcover
Niemeyer favorisiert eine vspr. Wurzel en-/on- mit nicht genauer definierter Bedeutung Wasser:
https://books.google.de/books?id=olX...%20apa&f=false
Viele Grüße
Peter
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  #10  
Alt 19.08.2021, 22:17
Anna Sara Weingart Anna Sara Weingart ist offline
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aus Wikipedia

"Die Sugambrer ... ein westgermanischer Stamm ... Gebiet zwischen Rhein und Lippe ... Wahrscheinlich knüpfte die Stammesbildung an vorhandene keltische Siedlungs- und Wirtschaftsstrukturen im Sauerland und Siegerland an."
__________________
Viele Grüße
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