#1  
Alt 01.06.2013, 15:35
fischerin089 fischerin089 ist offline
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Standard "Beim Kommiss" im Kreis Allenstein, Ostpreussen

Hallo zusammen,

ich habe nur legendenhafte Familieninfos: mein Urgroßvater aus dem Kreis Allenstein, war in den 1870ern "beim Kommiss", wo er namentlich registriert wurde und wo sein polnischer Name vom Kommiss-Schreiber einfach ohne zu fragen germanisiert wurde. Inzwischen weiss ich, dass das eben durch die Reichsgründung so war: Deutsch zu sprechen und zu schreiben wurde immer wichtiger, gerade in der Multikulti-Provinz Ostpreussen. In der Verwaltung wurden daher explizit vermehrt deutsche Beamte eingesetzt.
Das örtliche Kirchenbuch verzeichnet beide Namen parallel in der entsprechenden Spalte. Ohne weiteren Kommentar.

Wo waren denn diese "Kommisse"? In Allenstein, der Kreishauptstadt selber? Was heisst Kommiss denn genau: wurden da Soldaten einberufen (1870/71) oder ging es um die Ausbildung? Wie heisst oder hieß "Kommiss" offiziell und vor allem: Kann man heute noch irgendwie diese örtlichen Registrierungen nachvollziehen?
Das wäre namenkundlich der Meilenstein schlechthin!!

Vielen Dank euch im voraus, falls euch was dazu einfällt!!
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  #2  
Alt 01.06.2013, 15:49
arb arb ist offline männlich
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Der Volksmund versteht unter "Kommiß" allgemein den Militärdienst. Mit Kommiß bezeichnet man aber auch alles, was dem Soldaten von seinem Dienstherrn geliefert wird: man spricht vom Kommißbrot, - stiefeln, -rock usw.

Transfeldt, "Wort und Brauch in Heer und Flotte", W. Spemann, Stuttgart, 1986, Seite 22.

Andy
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  #3  
Alt 01.06.2013, 15:56
fischerin089 fischerin089 ist offline
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Aha, danke Leider ist dieser Kommiss-Begriff sehr allgemein, so dass sich nicht erklären lässt, ob das Militärdienst im Krieg war oder nur zur Übung. Das wäre schon interessant.
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  #4  
Alt 03.06.2013, 11:12
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Belmener Jong Belmener Jong ist offline männlich
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Hallo,

kannst Du bitte weitere konkrete Angaben zu Deinem Urgroßvater machen?

Wie z.B.:

- Name
- Geburtsdatum
- Geburtsort, Wohnort

Wenn er 1870 zum Militärdienst eingezogen wurde, könnte es sein, dass er am deutsch-französischen Krieg teilgenommen hat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsch...6sischer_Krieg

Ostpreußen gehörte u.a. dem Norddeutschen Bund an und demzufolge wäre es durchaus denkbar, dass er an diesem Krieg teilnahm.

http://de.wikipedia.org/wiki/Norddeutscher_Bund

Vielleicht ist dieser Link für Dich hilfreich:

http://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=11289
__________________

Freundliche Grüße
Freddy
enne Belmener Jong
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  #5  
Alt 03.06.2013, 17:44
fischerin089 fischerin089 ist offline
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Hallo Beimener Jong,

danke, vor allem der ahnenforschungsthread mit den Militärpersonen Allenstein ist super interessant. Das Buch werde ich mir in der Bibliothek ansehen! Der historische Hintergrund ist mir schon bekannt. Allerdings war mein UrURopa (vertue mich selbst schon) Jg. 1827, aber im Zuge der Germanisierung von Namen im Zuge des Deutschen Reichs konnte die Umschreibung doch erst im Laufe der 1870er "beim Kommiss" geschehen? Oder gab es sowas schon früher...

Daher die Frage nach dem "Kommiss": ein Wort auch für den Kriegseinsatz selbst oder nur für die Musterung und Ausbildung!

Schöne Grüße, die LauraFischer
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  #6  
Alt 04.06.2013, 08:20
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Belmener Jong Belmener Jong ist offline männlich
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Hallo Laura Fischer,

der Begriff Kommiss ist allgemein für das Militär zu sehen. Es wurde und wird zum Teil auch heute noch umgangssprachlich für den Militärdienst verwendet.

Hier eine Erläuterung der Online Enzyklopädie: http://www.enzyklo.de/Begriff/Kommiss

Zitat:
Allerdings war mein UrURopa (vertue mich selbst schon) Jg. 1827, aber im Zuge der Germanisierung von Namen im Zuge des Deutschen Reichs konnte die Umschreibung doch erst im Laufe der 1870er "beim Kommiss" geschehen? Oder gab es sowas schon früher...
Zitat aus aus Wikipedia zur Geschichte des Kreises Allenstein, ich zitiere:

Zitat:
Bei der Neuorganisation der Kreisgliederung im Königreich Preußen nach dem Wiener Kongress wurde aus den vormals ermländischen Kammerämtern Allenstein und Wartenburg mit Wirkung vom 1. Februar 1818 der Kreis Allenstein im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen.


Dieser umfasste die Kirchspiele: Allenstein, Alt Wartenburg, Braunswalde, Dietrichswalde, Diwitten, Grieslienen, Groß Bertung, Groß Kleeberg, Groß Purden, Groß Ramsau, Jonkendorf, Klaukendorf, Lemkendorf, Neu Kokendorf, Schönberg, Schönbruck, Süßenthal, Wartenburg, Wutrienen.


Seit dem 3. Dezember 1829 gehörte der Kreis – nach dem Zusammenschluss der bisherigen Provinzen Ostpreußen und Westpreußen – zur neuen Provinz Preußen mit dem Sitz in Königsberg (Preußen).
Bin mir nicht sicher, ob damals schon die ehemals polnischen, bzw. polnisch klingenden Namen eingedeutscht wurden. Da die Preussen aber ziemlich gründlich sind, und von den Franzosen gelernt haben, dass eine gewisse Ordnung auch Sinn macht -hier nenne ich mal das Beispiel mit den eingeführten Hausnummern- könnte ich mir schon vorstellen, dass dies damals schon geschah.

Wissen tue ich es aber nicht, vielleicht weiß jemand anderer, der sich damit besser auskennt, mehr darüber.
__________________

Freundliche Grüße
Freddy
enne Belmener Jong

Geändert von Belmener Jong (04.06.2013 um 11:15 Uhr)
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  #7  
Alt 04.06.2013, 22:12
fischerin089 fischerin089 ist offline
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Hallo Belmener Jong,

vielen Dank für deine Hilfe! Habe schon das Militärpersonenbuch sichten können, betrifft ja um die Mitte des 19. Jhs, und da sind mehrere Urur-Vorfahren von mir zu finden gewesen. Allerdings sind alle in der polnischen Form aufgeführt.

Wenn mein Ururopa Jg. 1827 ist, die Namens-Germanisierung "beim Kommiss" voraussichtlich eben doch in den 1870ern geschah, dann war er ja schon in den 50ern seines Lebens. Komisch. Man müsste diese "Stammrolle" haben, in denen die Militärlaufbahn nachgezeichnet ist. Sowas gibt's ja wohl nicht mehr... ?...

Aber nochmals herzlichen Dank, das Buch (und auch alles andere) war ein super Tipp!

Schöne Grüße, LauraFischer
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