#11  
Alt 21.06.2009, 23:20
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karin-oö karin-oö ist offline weiblich
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In meiner Gegend trugen weibliche uneheliche Kinder meist den Vornamen der Mutter, männliche den des Großvaters.

Der Tagesheilige wurde zur Namensgebung auch öfter herangezogen, meist wenn in der Familie schon mehrere Kinder vorhanden waren, und somit die Vornamen der Eltern, Paten und Großeltern bereits alle durch waren.

Eine ähnliche Vornamen-Untersuchung wie Konrad habe ich auch gemacht, die Ergebnisse finden sich hier:

http://forum.ahnenforschung.net/show...93&postcount=2

Schöne Grüße
Karin
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  #12  
Alt 22.06.2009, 02:18
Kögler Konrad Kögler Konrad ist offline männlich
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Noch ein kleiner Beitrag zu "unehelich".
In meiner Heimatpfarrei (Bistum Eichstätt) wurde bis ca 1920 vom Pfarrer neben dem regulären Taufbuch (Eintrag: meist illeg. oder unehelich) noch ein eigenes Buch für die unehelichen Kinder geführt (normalerweise nicht einsehbar).
Das liest sich je nach Pfarrer manchmal wie ein Verhörsprotokoll des Pfarrers. Beispiel: N.N. (= Kindsmutter) diente in NN (Ort) beim Wirt. Der Knecht verfolgte sie auf den Heuboden und hatte dort ein leichtes Spiel. Dieses Mistvieh."
Die normale Bemerkung war: zum ... mal unanständig aufgeführt. Es gab aber auch Kommentare wie "diese Hure".
Von den Männern war nie die Rede, die wuschen ihre Hände in Unschuld. Seit Eva kam alles Übel von der Frau.
Dass sich aber der Pfarrer so genau für den ganzen Vorgang interessiert hat?
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  #13  
Alt 22.06.2009, 02:45
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Zitat:
Zitat von Kögler Konrad Beitrag anzeigen
Der Knecht verfolgte sie auf den Heuboden und hatte dort ein leichtes Spiel. Dieses Mistvieh."
Hmm... das könnte sich durchaus aber auch auf den Knecht beziehen...

Ansonsten schließe ich mich Christel an, auch bei mir in der Gegend (Westfalen) wurden uneheliche Kinder nicht mit besonderen Vornamen bedacht. Auch konnte ich nicht feststellen, daß die Kinder den Namen eines Tagesheiligen bekamen oder gar den des Pfarrers; eigentlich erhielten sie (wie auch die ehelich geborenen Kinder) immer einen Namen des jew. Taufpaten. Meine Vorfahren sind durchweg katholisch.

Auch bei der Benennung der Kinder nach Eltern oder Großeltern scheint die Unehelichkeit zumindest hier keine Rolle gespielt zu haben.
Oft ist es so, daß der erste Sohn den Namen des Vaters bekam, die erste Tochter den Namen einer Großmutter, die zweite den der Mutter. Hin und wieder waren davon Kinder vorehelich, aber ich konnte nicht feststellen, daß diese Art der Namensvergabe bei unehelichen Kindern häufiger gewesen sein soll...
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  #14  
Alt 22.06.2009, 07:39
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Aida Aida ist offline
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Hallo,

gab es früher eigentlich auch die Regelung, dass bis zu 9 Monate nach dem Tod des Ehemannes Kinder als legitimiert galten? Ich habe einmal den Eintrag eines Kindes einer Witwe als "illegit." markiert gefunden (weiß allerdings nicht, ob deren Ehemann nicht schon Jahre tot war...).

Gruß
Christel
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  #15  
Alt 22.06.2009, 07:48
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Zitat:
Zitat von Aida Beitrag anzeigen
Hallo,

gab es früher eigentlich auch die Regelung, dass bis zu 9 Monate nach dem Tod des Ehemannes Kinder als legitimiert galten? Ich habe einmal den Eintrag eines Kindes einer Witwe als "illegit." markiert gefunden (weiß allerdings nicht, ob deren Ehemann nicht schon Jahre tot war...).

Gruß
Christel
Hallo Christel,

ich habe einen Fall, wo eine Witwe nach dem Tod ihres Mannes noch fünf Kinder bekam, da konnte höchstens das erste noch legitim sein.

War der Mann erst vor kurzem verstorben, hieß es auch "ehel. Kind der verwitweten ...."

Außerdem habe ich in den Heiratsakten gesehen, dass Witwen, die sich vor Ablauf eines Jahres nach dem Tod des ersten Mannes wieder verheirateten, ein ärztliches Attest einreichen mussten, in dem nachgewiesen wurde, dass keine Schwangerschaft bestand.
So wurde versucht, einer Streitfrage um die Vaterschaft von vorne herein aus dem Weg zu gehen.

Schöne Grüße
Karin
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  #16  
Alt 22.06.2009, 07:57
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Solange es glaubhaft war, dass der verstorbene Ehemann der Vater des Kindes sein konnte und auch war, galt das Kind als legitim mit der Bemerkung: postumus - nach dem Tod des Vaters gestorben.
Auch bei unehelichen Kindern, die nachher durch die Heirat der beiden Eltern legitimert wurden, trug der Pfarrer nachträglich ein: p.s.m.leg. (per subsequens matrimonium legitimatus/a = durch die nachfolgende Heirat legitimiert).
Die "Stigmatisierung" unehelicher Kinder durch ausgefallene Namen lässt sich insofern etwas relativieren, als nach meinen Erfahrungen die Sterblichkeit unehelicher Kinder höher war als die bei ehelichen. Auch das wäre ein Aspekt, den man näher untersuchen könnte.
Uneheliche Kinder hatten in der Regel nicht das selbe Pflegeumfeld wie eheliche, und auch manche uneheliche Mutter dürfte diesen Tod - trotz aller Mutterliebe" - als "Befreiung von einem Ballast" empfunden haben.
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  #17  
Alt 22.06.2009, 08:09
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Zitat:
Zitat von Kögler Konrad Beitrag anzeigen
Die "Stigmatisierung" unehelicher Kinder durch ausgefallene Namen lässt sich insofern etwas relativieren, als nach meinen Erfahrungen die Sterblichkeit unehelicher Kinder höher war als die bei ehelichen. Auch das wäre ein Aspekt, den man näher untersuchen könnte.
Uneheliche Kinder hatten in der Regel nicht das selbe Pflegeumfeld wie eheliche, und auch manche uneheliche Mutter dürfte diesen Tod - trotz aller Mutterliebe" - als "Befreiung von einem Ballast" empfunden haben.
Die höhere Sterblichkeit von unehelichen Kindern konnte ich auch feststellen.

Ich denke, das hing oft auch mit einer Unterversorgung des Kindes schon während der Schwangerschaft zusammen.
Viele Mütter versuchten, ihre Schwangerschaft möglichst lange geheim zu halten, und wenn sie bekannt wurde, wurde wahrscheinlich kaum Rücksicht auf den Zustand genommen.
Meist waren die Frauen irgendwo im Dienst und hatten keine Möglichkeit zur körperlichen Schonung, so etwas wie Mutterschutz kannte man nicht.
Auch verheiratete Frauen mussten zwar oft schwer körperlich arbeiten, aber sie konnten doch eher Rücksicht auf ihren Zustand erwarten als unverheiratete.

Die häufigste Todesursache bei Säuglingen waren ja die sog. Fraisen, die auf eine Mangelversorgung des Kindes zurückzuführen sind.

Schöne Grüße
Karin
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  #18  
Alt 22.06.2009, 08:46
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Da kann ich nur beistimmen, liebe Karin.
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  #19  
Alt 22.06.2009, 09:03
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Also ich muß gestehen, ich kann beide Thesen aus meinen eigenen Forschungen nicht bestätigen (Namensgebung und Sterblichkeit) und hätte somit nun Konrad am liebsten die Vermutung entgegengestreckt, daß er auf die Ausnahme und NICHT auf die Regel gestoßen ist. Aber Karin muß ja alles kaputtmachen...
__________________
Woher stammen: 1) der Hirte Johann Peter Matthias TRIEGER (* um 1760, angeblich in Barby bei Magdeburg, V: Andreas Trieger), 2) der Hirte Michael BREITMEYER (* um 1727, V: David Breitmeyer, 1740er: wohnhaft in Schwanebeck bei Halberstadt), 3) Schulmeister Hinrich ZELLHORN (1790er: Schulmeister in Großensee/Stormarn)
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  #20  
Alt 22.06.2009, 10:38
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Moin zusammen,

ich denke auch, daß der hohe Druck, der auf vielen werdenden Müttern unehelicher Kinder lag, so groß war, daß sie schon von selber nichts unversucht ließen, um die Schwangerschaft vorzeitig zu beenden...

Wenn schon in der Schwangerschaft keine Rücksicht genommen wurde, dann bestimmt auch nicht, wenn das Kind "doch" lebend zur Welt kam...

Friedrich
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
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