#11  
Alt 22.02.2016, 23:33
Hibbeln Hibbeln ist offline männlich
Moderator
 
Registriert seit: 12.04.2008
Ort: Detmold
Beiträge: 465
Standard

Es hat gewiss seinen Reiz alte Begriffe zu verwenden, die haben auch für mich immer wieder einen gewissen Reiz. Man sollte aber auch bedenken, dass das Gegenüber nicht immer etwas mit diesen "alten Begriffen" anfangen kann. Die Verwendung alter Begriffe bedeutet auch immer wieder sie zu erklären. Das ist man dem "verwirrten" Zuhörer einfach schuldig.
Man würde ja auch von einem jugendlichen Gesprächspartner erwarten, dass er mögliche aktuelle Begriffe aus der Jugendsprach erklärt, oder?
Aber wichtig ist auch: Sprache entwickelt sich und ändert sich ständig. Sonst würden wir heute immer noch Briefe mit "Hochwohlgeboren" beginnen und mit der Formel " Euer unterthänigster Diener, in Ehrfurch verharrend" beenden.


Dieter
Mit Zitat antworten
  #12  
Alt 22.02.2016, 23:42
Benutzerbild von Friedrich
Friedrich Friedrich ist offline männlich
Moderator
 
Registriert seit: 02.12.2007
Beiträge: 10.652
Standard

Moin Kathrin,

Zitat:
Zitat von Mandragora Beitrag anzeigen
Und "mitnichten".
oder "mit Kusinen"...

Zitat:
Zitat von Mandragora Beitrag anzeigen
Jeder hat so seine Schrulligkeiten.
Genau! Bei mir isses der übertriebene Gebrauch des feministischen Plurals, Beispiel: Liebe Gäste und Gästinnen... Aber ich schweife vom eigentlichen Thema ab. Deshalb die Frage, ob jemand auch die alten Verwandtschaftsbezeichnungen nutzt: Eidam, Schwäher, Schnur, Base, Oheim... Wir wissen jedenfalls noch, was das bedeutet.

Friedrich
__________________

"Bärgaf gait lichte, bärgop gait richte."

(Friedrich Wilhelm Grimme, Sauerländer Mundartdichter)
Mit Zitat antworten
  #13  
Alt 22.02.2016, 23:49
Der Suchende Der Suchende ist offline männlich
Gesperrt
 
Registriert seit: 04.07.2008
Ort: 34270 Schauenburg
Beiträge: 2.362
Standard Titulierung

Hallo Dieter.
Da verwechselst Du aber was.
Die Titulierung bezog bzw. bezieht sich auf das Verhältnis zur Obrigkeit oder den Dienstherrn.
Heute hab ich keinen Landesfürsten, höchstens einen Landrat.
Außerdem bin ich nicht der Leibeigene meines Arbeitgebers.
Grüße
Heinrich
Mit Zitat antworten
  #14  
Alt 23.02.2016, 12:58
Benutzerbild von Schlupp
Schlupp Schlupp ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 27.03.2009
Beiträge: 379
Standard

Nein, der "Hochwohlgebohrene" wurde z. B. im 18. Jh. auch in alltäglichen Geschäftskorrespondenzen benutzt und der "untertänige Diener" auch unter Freunden.

Ein schönes wie schwieriges Thema. Vier Gedanken aber kommen mir spontan: 1) Sprache verändert sich und wird nicht zuletzt durch andere Sprachen beeinflußt, 2) Einflüsse von anderen Languages stören meist nur dann, wenn sie zu deinen Lebzeiten geschehen (siehe Latein/Französisch vs. Englisch), 3) so oder so bleibt eine zunehmende Verminderung des (muttersprachlichen) Wortschatzes bedauernswert und 4) es ist schade, daß vieles davon Journalisten mitverantworten.

Schlupp (der meint, daß auch in akademischen Kreisen "Kurzdeutsch" verwurzelt ist/wird/sein wird)
__________________
Woher stammen: 1) der Hirte Johann Peter Matthias TRIEGER (* um 1760, angeblich in Barby bei Magdeburg, V: Andreas Trieger), 2) der Hirte Michael BREITMEYER (* um 1727, V: David Breitmeyer, 1740er: wohnhaft in Schwanebeck bei Halberstadt), 3) Schulmeister Hinrich ZELLHORN (1790er: Schulmeister in Großensee/Stormarn)
Mit Zitat antworten
  #15  
Alt 23.02.2016, 14:40
Benutzerbild von Christian Benz
Christian Benz Christian Benz ist offline männlich
Administrator
 
Registriert seit: 30.03.2003
Ort: 94209 Regen [Mail: benz.christian@gmx.de]
Beiträge: 2.924
Standard

Hallo!

Zitat:
Zitat von Schlupp Beitrag anzeigen
[...] der "untertänige Diener" auch unter Freunden.
Den Gruß "ich bin dein Diener" oder "zu diensten" haben wir heute noch in Form des Grußes "Servus". Auch andere/ähnliche heute noch benutzte Grüße (z.B. ciao/tschau) haben ihren Ursprung im Wort Diener oder Sklave.

https://de.wiktionary.org/wiki/servu..._.28Deutsch.29
https://de.wikipedia.org/wiki/Servus

Na dann: Servus!
Christian
Mit Zitat antworten
  #16  
Alt 23.02.2016, 15:58
Benutzerbild von Rolf Stichling
Rolf Stichling Rolf Stichling ist offline männlich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 21.06.2011
Ort: seit 1994 im Westerwald
Beiträge: 791
Lächeln Nochmal zum Thema Anrede und Schlußformel

Hallo Hochedelgebohrener Heinrich!

Zitat:
Zitat von Der Suchende Beitrag anzeigen
Da verwechselst Du aber was.
Die Titulierung bezog bzw. bezieht sich auf das Verhältnis zur Obrigkeit oder den Dienstherrn.
Heute hab ich keinen Landesfürsten, höchstens einen Landrat.
Außerdem bin ich nicht der Leibeigene meines Arbeitgebers.
Ich glaube da verwechselst Du etwas!

Hier ein Zitat aus einem Brief aus dem ausgehenden 18. Jahrhundert, den einer meiner Vorfahren an einen anderen schrieb.
Der Absender war ein hochangesehener Hofrat. Der Empfänger war ein Kaufmann, also keinesfalls 'die Obrigkeit'.
Der Absender hatte eine Tochter und der Sohn des Kaufmanns wollte die Tochter des Hofrats heiraten. Und nun schrieb der Herr Hofrat an den Kaufmann, um ihn zur Hochzeitsfeier auf sein Gut einzuladen.

"Ortsangabe, 30. November 1799, Sonnabend
Hochedelgebohrener,
Hochgeschätzter Herr, Freund und Bruder!

Ich möchte nicht gerne gar zu zudringlich scheinen, und doch dringt mich mein Herz noch einen Versuch zu machen, und Ihnen auch unmittelbar zu sagen, was Sie letzthin von meiner Frau schon vernommen haben, daß es mir und allen den Meinigen ein herzliches Vergnügen machen würde, sie, Mein theurer Herr Bruder, künftigen Montag, bey der priesterlichen Einsegnung unserer Kinder, an meiner Seite zu Oßmannstätt zu sehen. Ihre uns allen so werthe Gegenwart und Theilnehmung würde die schöne Freude dieses den beiden Verlobten so heiligen und feirlichen Tages (der auch Mir, so lange ich noch lebe, ein Festtag bleiben soll!) erst vollständig und vollkommen machen. Haben Sie die Güte und geben, wofern es Ihnen nur immer möglich ist, unseren Wünschen und Bitten nach, und befestigen Sie durch dieses neue Zeichen Ihres Wohlwollens die bey unsrer neulichen ersten Zusammenkunft so schön begonnenen Freundschaft.
Inzwischen ersuche ich sie, theuerster Herr, auf jeden Fall meiner aufrichtigen und innigen Hochschätzung versichert zu bleiben, mit welcher ich, meine und Ihre künftige Tochter Julie, nebst allen den Meinigen und mir selbst Ihre Vaterlichen – und freundschaftlichen Liebe angelegenst empfehlend, lebenslänglich beharren werde
pp.
Dero ganz ergebenster Diener u. Bruder"

Ist das nicht ein schöner Text? Der Text gefällt mir deutlich besser als vieles, was man heute so per SMS bekommt. Der Empfänger des Briefes wird zwar nicht als "Hochwohlgebohren" sondern als "Hochedelgebohrener" angeschrieben, aber der Beleg zeigt doch, daß man nicht nur der Obrigkeit gegenüber einen solchen gepflegten Stil pflegte. Und ich habe reichlich Belege dafür, daß auch Fürsten ihre "Mitarbeiter" achtungsvoll anschrieben.
__________________
Herzliche Grüße und viel Erfolg bei der Suche nach den Ahnen.

Rolf Stichling

PS. Ich suche die Herkunft von

Tobias Stichling. Er erhielt als Gürtlermeister 1697 in Weimar das Bürgerrecht und stammt dem Bürgerbuch nach aus Erfurt.
In Erfurt gibt es aber so viele Stichlinge! Von welchem Zweig der Stichlinge in Erfurt mag mein Tobias abstammen?
1688 hat er seine Lehre als Gürtler in Erfurt beim Gürtlermeister Hucke begonnen. Jetzt suche ich die Eltern von Tobias.
Mit Zitat antworten
  #17  
Alt 23.02.2016, 17:37
khsk khsk ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 12.10.2011
Ort: Hagen im Bremischen
Beiträge: 156
Standard

Hallo in die Runde,

ich habe auch etwas, was mich seit ca. 25 Jahren immer wieder nervt:
zu sagen 'es macht Sinn'! Damals gab es einen schönen Artikel in der FAZ, wonach etwas einen Sinn hat oder nicht, aber es kann keinen selber machen. Sonst ist es eben sinnlos.
Aber vielleicht ist es ja auch einfach egal, oder, wie meine Uroma immer sagte:
Egal ist 88

Grüsse aus dem Norden
Susanne
Mit Zitat antworten
  #18  
Alt 23.02.2016, 18:52
Benutzerbild von Forschi
Forschi Forschi ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 06.03.2011
Ort: 53° 33′ N, 10° 0′ O
Beiträge: 526
Standard

Hallo Susanne,

meine Oma pflegte immer zu sagen: Egal ist Käse, denn der stinkt von allen Seiten.

Ebenfalls aus dem Norden...
__________________
LG Forschi
Mit Zitat antworten
  #19  
Alt 24.02.2016, 03:13
Benutzerbild von elwetritsche
elwetritsche elwetritsche ist offline weiblich
Erfahrener Benutzer
Themenstarter
 
Registriert seit: 23.03.2013
Ort: Guntersblum / Rheinhessen
Beiträge: 904
Standard

Hallo Schlupp!

Stimmt! Heute schimpfen wir über die zunehmende Englischisierung unserer Sprache, um 1800 herum schimpfte man im Südwesten gegen die zunehmenden französischen Wörter in der deutschen Sprache.
Inzwischen sind Wörter wie Troddewaa, Adschee, Portmanne, Bollesje, Bredullje und viele andere mehr, ganz normale Vokabeln im rheinhessischen Dialekt.

Warten wir halt die nächsten 200 Jahre mal ab und hören uns dann die deutsche Sprache an.


Bevor ich es vergesse - im ersten Post fragte ich nach der "Herzenstochter". Er tauchte in einer Traueranzeige auf, nach den Namen des Witwers und der Kinder.
Weiß jemand von Euch wo dieser Ausdruck herkommt und was er bedeutet?
__________________
Liebe Grüße
Elwe

Mit ihren Feld- (Rheinhessen), Wald- (Westerwald) und Wiesen- (Kreis Groß-Gerau) Ahnen.
Mit Zitat antworten
  #20  
Alt 24.02.2016, 09:48
Benutzerbild von Forschi
Forschi Forschi ist offline
Erfahrener Benutzer
 
Registriert seit: 06.03.2011
Ort: 53° 33′ N, 10° 0′ O
Beiträge: 526
Standard

Hallo Elwe,

gefunden bei Google-Books.

Wörterbuch der deutschen Sprache, Band 2
Angehängte Grafiken
Dateityp: jpg Herzenstochter.jpg (83,4 KB, 30x aufgerufen)
__________________
LG Forschi
Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen Thema durchsuchen
Thema durchsuchen:

Erweiterte Suche
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.

Gehe zu

Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 09:39 Uhr.