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  #21  
Alt 18.04.2020, 12:16
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Grüß Gott!

So habe ich endlich die originale Heiratsurkunde von 1697 für den Nicolaus Dürr und seine Frau Elisabeth gefunden, und nach Einstellung in der Lesehilfe hat Astrodoc den Text übersetzt: https://forum.ahnenforschung.net/showthread.php?t=188586

Es steht (übersetzt) etwa so...:

«Aus Mainzweiler (?)
Am 28. Juli habe ich verheiratet den ehrbaren und tugendsamen Jüngling Johannes Durt,
einen ehelichen Sohn des Heinrich Durt und der Magdalena, mit der ehrbaren
Jungfrau Elisabeth Welker(in), einer unehelichen Tochter der Elisabeth aus Mainz-
weiler»


Leider finden wir hier keine Auskünfte wo dieser «Johannes Durt» alias «Nicolaus Dürr» seine Herkunft hatte. Von was früher abgedeckt worden ist, muß man aber davon ausgehen, es gab eine nahe Verwandtschaft zwischen Nicolaus und den Kindern von Johann und Ottilia in Illingen. Könnte der Johann und der Heinrich Brüder gewesen sein?

Es ist wirklich schwierig «alte aufgelesene Wahrheiten» zu ändern, aber eins ist auf jedem Fall bewiesen:

Der Weißgerber Nicolaus Dürr aus Frankfurt mag eine Weile in Illingen gelebt haben, ist aber nach Frankfurt zurück und hat dort eine andere Frau geheiratet! Die große Dürr-Familie in Illingen hat wahrscheinlich ÜBERHAUPT NICHTS mit Frankfurt zu tun!!

Der Johann Dürr mit seiner Frau Ottelia und auch der Heinrich Dürr mit seiner Frau Magdalena haben höchst wahrscheinlich in irgendeiner Nachbargemeinde zu Illingen gelebt bevor der Johann um 1680 und der Nicolaus, Sohn des Heinrichs, in 1697 in Ottweiler und später auch in Illingen auftauchen, aber WO? Die größte Herausforderung besteht wahrscheinlich in den vielen fehlenden Kirchenbücher aus der 17ten Jahrhundert...

Nochmals ganz herzlichen Dank für jeden Hinweis was diese Familie betrift, und bleiben Sie alle gesund!

Hochachtungsvoll,

Lars E. Oyane
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  #22  
Alt 18.04.2020, 20:51
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Herkunft Johannes Dürrs

Hallo Lars!

Ich stimme völlig zu: Johannes Dürr kam sicher nicht aus Frankfurt. Schon vor Jahren erhielt ich aus Frankfurt folgende Informationen:"Johann Dörr von Zweybrücken, Wollenweber, vndt beysaß alhier, uxcr Magdalena, ein Tochter Judith am 1. Sept. 1668. Eine Heirat von Johannes Dürr/Dörr ist in Ffm zw. 1658 u. 1678 nicht nachzuweisen, ebensowenig die Geburt von weiteren Kindern." Damit erledigt sich das Thema Frankfurt.

Es gibt eine andere Möglichkeit, die derzeit auch nur spekulativ ist, aber mehr positive Merkmale auf sich vereinigt als andere mir bekannte Optionen. Der älteste Sohn von Johannes Dürr aus Merchweiler/Saar war sicherlich Johann Daniel Dürr, der vor Oktober 1687 Anna Cath. Scheffers/Schäfer heiratete. Damit muß man die Heirat von Joh. Dürr u. Ottilie Hack/Schütz auf vor 1665 ansetzen. Nun hieß der Illinger Landesherr von 1665 Johann Daniel v. Kerpen und die Frage stellt sich, ob dieser Landesherr der Pate des 1. Sohnes gewesen sein kann. Nach Beginn des sog. Holländ. Krieges (1672) flüchtete Kerpen nach Krautheim in Württemberg, wo er Oberamtmann war, Beamter des Mainzer Erzbischofs (nicht etwa eines Württemberger Herzogs). Es ist mir nicht bekannt, seit wann Kerpen in Krautheim ein Amt besaß (Robert Kirsch, der sich u.a. auch mal darum kümmerte, wußte es jedenfalls nicht.). Da er in Kriegszeiten dorthin flüchtete und eine solche Amtsvergabe nicht in Tagen vonstatten ging, vermute ich, daß er dort schon länger (Ober-)Amtmann war, vermutlich Jahre.
Krautheim war eine eigene Pfarrei. In der Nachbarpfarrei Kocherstetten gab es einen Schulmeister und Gerichtsschreiber namens David Dürr, geb. um 1600, +9.1.1682, verheiratet mit Barbara Reinhardt. Von seinen Kindern ist, dank des späten Tfr-Beginns, nur der Sohn Friedrich Dürr bekannt, geb. 1649 (err.), später Krämer u. Schultheiß von Kocherstetten. Von Interesse ist nun, daß Johannes Dürr von Merchweiler 1684 ein Dokument unterschreibt, das ihn als Lehrer/Schulmeister in Jabach bei Lebach ausweist und zeitweiligen Schreiber des Gerichtes Lebach, d.h. er vereinigt dieselben Berufe auf sich wie David Dürr. Zweitens: David Dürr starb im Januar 1682, und im Sept. desselben Jahres taucht Joh. Dürr mit Familie in Merchweiler auf. Wenn er aus Kocherstetten stammte, könnte er den Tod seines Vaters pietätshalber abgewartet haben, um danach erst wegzuziehen. Auch die KB von Kocherstetten beginnen so spät, daß aus ihnen kein Nachweis für diese These zu bekommen ist.
Und noch eins: 1670 erließ der Bischof v. Metz (Illingen gehörte zum Bistum Metz) eine Verordnung, nach der in jeder Pfarrei eine Schule zu bauen und ein Lehrer anzustellen sei, also auch in Illingen. Es scheint, daß eine Schule gebaut wurde, über einen Lehrer wissen wir nichts. Nach den beiden Kriegen suchte Kerpen händeringend nach neuen Bewohnern seiner teilentvölkerten Herrschaft und er suchte möglicherweise einen Lehrer für seine Schule. Johannes Dürr und seine Familie kamen da gerade recht. Johannes Dürr wird in keinem erhaltenen Dokument als Lehrer in Illingen genannt, 1694 wird der erste Lehrer in Illingen erwähnt, da war Dürr bereits 3 Jahre tot. Er kann davor durchaus Lehrer in Illingen gewesen sein, ebenso auch Gerichtschreiber, aber aus dieser Zeit gibt es in Illingen beklagenswert wenige Schriftstücke. Die Einträge im Illinger Gerichtsbuch wurden vom Schreiber nicht namentlich gezeichnet.
Und abseits von allen Spekulationen: Der Erstgeborene Joh. Daniel Dürr von Dürr/Hack war eindeutig der Enkel des Jägers von Joh. Daniel v. Kerpen, das reicht für ein Motiv.
Die weitere nicht unwichtige Frage: Wenn tatsächlich Johannes Dürr aus Kocherstetten vor 1665 Ottilie Hack/Schütz heiratete, wie kommt dann diese Illinger Frau in den Raum Krautheim/Kocherstetten? Auch dafür gibt es eine naheliegende Konstruktion: Ihr Vater Stephan Hack war sowohl Jäger des Landesherrn von Illingen Joh. Daniel v. Kerpen als auch Wildschütz der Stadt St. Wendel. In St. Wendel löste er einen Streit aus mit den nahezu allmächtigen Hochgerichtsschöffen um die Frage, ob sie Hasen schießen dürften. Er bestritt das, die Schöffen unterlagen, und 4 Jahre später wurde Hack das letzte Mal in St. Wendel erwähnt. Vermutung: Er wurde aus der Stadt gemobbt. Hack blieb aber Jäger des Frh. v. Kerpen. Als Kerpen nach Krautheim wechselte, könnte er, das wäre nicht abwegig, seinen Jäger samt Familie mitgenommen haben, vorausgesetzt, daß dort ein Jäger gebraucht wurde.
Wie gesagt, eine Spekulation. Aber sie hat mehr für sich als alle anderen, die ich kenne. Ich fürchte nur, daß sie nun als Fakt im Netz kursieren wird. Aber erstmal werden die Zerpflücker ihre Arbeit beginnen.

Alles Gute
Corrado
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  #23  
Alt 19.04.2020, 15:30
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Grüß Gott!

Recht herzlichen Dank an Corrado für einen sehr intereßanten und spannenden Beitrag!

Für Familienforschung für diese frühe «vorkirchenbücherliche» Zeitperiode braucht man andere Quellen als die Kirchenbücher, und man muß die «lokale Verhältniße» gut kennen, was ich leider nicht tue. Sicher ist aber, damals würde man «innerhalb des Standes» die Ehepartner aussuchen, und daher hören sich Ihre Arguemente sehr zuverläßig an.

Wir können auf jedem Fall sicher sein, der Johann Dürr mit Gattin Ottilia nicht in den 1670-ern in Illingen gewohnt haven. Die Taufbücher fangen schon in 1671 an, ohne Dürr-Einträge vor 1682, und außerdem wißen vom FB Merchweiler steht auch: «Johannes Dürr: Trauzeuge 11.05.1689 und 10.07.1689 rk. Illingen (rkKB Illingen); schreibkundig; 1680 nicht in der Herrschaft Kerpen-Illingen wohnhaft; zieht erst zwischen 1680 und 10.08.1682 nach Merchweiler».

Also könnte die Familie mittlerweile sehr wohl im württembergischen Kocherstetten gelebt haben. Ein Beweis dafür zu finden wird aber offenbar total schwierig... Es gibt aber viele Andeutungen dafür...!

Nochmals ganz herzlichen Dank für alle gute Hinweise und gigantische Gedanken!

Hochachtungsvoll,

Lars E. Oyane
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  #24  
Alt 15.06.2020, 14:13
Corrado Corrado ist offline männlich
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Danke, Lars!
Ich war jetzt lange nicht mehr auf dieser Seite und fand heute deinen post.

Ich finde es schade, daß sich niemand erkennbar für diese doch immerhin produktive These zu interessieren scheint, produktiver jedenfalls als das sinnlose Beharren auf der Frankfurt-Sackgasse.
Komplimente sind schön, aber sinnvolle, weiterführende Kritik wäre das Angesagte. Aber dazu gibt sich keiner her.

Dir, Lars, wünsche ich alles Gute
Corrado
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  #25  
Alt 22.06.2020, 23:50
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Zur Herkunft von Johannes DÜRR

AN ALLE, DIE ES INTERESSIERT!

Es gibt durchaus sehr interessante Neuigkeiten zu meiner Dürr-These.
Im Archiv der Freiherren von Stetten gibt es die Nachlaßverfügung von David Dürr, betitelt:
Von Weyland Herrn David Dürren gewesenen langjährigen Schuldieners allhier seel. nachgebliebenem Vermögen sind deßen hinterbliebene Erben Inverleibter maßen Verglichen und Vertheilt worden, den 13., 14. und 15. Martii 1682. Allergestalten innfolglichen erscheihnt.
Es folgen beschädigte Blätter, jeweils in 6 Spalten unterteilt für die 6 hinterbliebenen Erben Dürrs. Deren Namen an den Spitzen der Spalten lassen sich nicht alle eindeutig lesen (ich hatte nur eine mail-Kopie), aber soweit lesbar waren es:
Witwe Barbara, Tochter … Eva (sie könnte einen Doppelnamen haben, zwi. Tochter und Eva ist ein Blattstück umgeknickt), Tochter Barbara, Sohn Johannes, Sohn Friedrich, Tochter (Anna? oder Maria?).
Davids Witwe Barbara Reinhardt muß also nach dem 15. März 1682 gestorben sein. Bei den Erbanteilen der Kinder wird auch mehrfach auf Anteile "der Mutter" am jeweiligen Erbstück verwiesen, was nur Sinn macht, wenn sie am 15.3.82 noch lebte.
Frau Clausecker, die Betreuerin des Archivs, hat mir dieses Schriftstück freundlicherweise zugemailt.

Nur der Sohn Friedrich kommt mit Taufen im Tfr Kocherstetten vor, ab 1676, Johannes nicht. Er lebte also vermutlich nicht in der Pfarrei Kocherstetten, viell. eher im Raum Krautheim, ca. 15 km entfernt, oder wo auch immer. Es werden KEINE EHEPARTNER der Kinder erwähnt. Falls die Kinder chronologisch geordnet wurden, was in solchen Verfügungen eher normal ist, dann war Johannes jedenfalls älter als Friedrich, der err. 1649 geboren wurde. Johannes dürfte um 1635-40 geboren worden sein.
Was also noch fehlt, um das Glück voll zu machen, ist ein Beleg für die Heirat dieses Sohnes Johannes mit Ottilie Hack.

David Dürr starb am 9.1.1682. Die Nachlaßverfügung stammt von Mitte März. Danach dürfte Johannes all das Erbe, was er nicht mitzunehmen gedachte, an seine Geschwister oder Fremde verkauft haben, was Wochen in Anspruch genommen haben kann. Darauf zog er weg mit schwangerer Frau und Kindern und wurde in der Herrschaft Illingen erstmals im August 1682 registriert. Ich finde, daß diese Ereignisse eine stimmige Chronologie ergeben und meine These von der Abstammung des Johannes Dürr von David Dürr bestätigen. Vorläufig jedenfalls.
Falls aber dieser Sohn Johannes nicht mit Ottilie Hack verheiratet war, fällt alles wieder um. Noch ist also leider nichts endgültig entschieden.

So viel dazu.

Alles Gute wünscht
Corrado

Geändert von Corrado (23.06.2020 um 16:15 Uhr)
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  #26  
Alt 23.06.2020, 00:33
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard P.S.: David Dürr

Nachträge zu David Dürr.

Jürgen Rauser hat in seinem Künzelsauer Heimatbuch Bd. II, S. 328ff. Etliches mitgeteilt über David Dürr im Besonderen und die dortige Lehrersituation im allgemeinen (Mitteilungen der Archivarin von Schloß Stetten).
Darunter ein leider undatiertes Bewerbungsschreiben von David Dürr. Da er im Vorspann zum 1. KB Kocherstetten als Schulmeister von Kocherstetten i.J. 1638 bezeichnet wird, muß dieses Schreiben davor abgefaßt worden sein, und weil er darin von seinem "Weib und Kindern" schreibt, also mind. 2 "hat", dürfte er wenige Jahre vor 1635 geheiratet haben. Und schließlich schreibt er in diesem Brief, daß er bereits seit 25 Jahren im Dienst der Herren v. Stetten steht. Da er wenigstens 10 Jahre alt gewesen sein dürfte, als er in den Dienst trat, dürfte er kurz vor 1600, um 1595, geboren sein. Der Brief:
"... daß Georg Scheffer, ein zeithero gewesener Schulmeister zu Kocherstetten unlengsten seinen Schuldienst aufgekündigt, (…), solchem nach außer allem Zweifel gedachte Schul mit einer anderen hierzu tauglichen Person nechstens ersetzt wird werden. Dieweil nun ich dem löblichen wohladligen Hauß Stetten bereits in die fünf und zwanzig Jahr verhoffentlich also gedienet, daß man mit mir wird zufrieden sein und ich derenselben meiner geringen doch treugeleistete Dienst zu genießen mich unterthänig getröste und solchen Schuldienst durch Gottes hilf mir zu versehen getraue. Als bitt ich (…) uffs demitigst und höchste, ob sie mir vor andern selbigen Großgünstig gedeien lassen möge … wie hieran mir, meinem armen Weib und Kindern eine große Gunst erzeigt und unser zeitliche Nahrung dadurch großgünstig gefürdert wird. (…)"
Das Gesuch wurde angenommen und Dürr blieb 28 Jahre lang Lehrer in Kocherstetten, wie es in seinem Sterbeeintrag heißt. Also bis vor 1666. Rausers Informationen über die komplizierte Besoldung des Lehrers lasse ich weg.
1678, also nach Dürrs Zeit, erließen drei Freiherren v. Stetten eine Schulordnung, die ich sehr interessant finde. Schule ist morgens von 7-10, und nachmittags von 12 bis 3. Samstags von 12 bis 1 ist Singstund. Die Lehrer sollen die Kinder weder überfordern durch zu viel Auswendiglernen noch zu streng sein, nicht blutig schlagen etc., sondern eher "väterlich". Die Lehrer sollen darauf achten, daß keins der Kinder die anderen verspotte, schmähe, stoße, schlage, und nichts voneinander nehme, nichts zerbreche oder verwüste, man solle freundlich und schicklich miteinander umgehen. Die Geistlichen des Ortes werden zu Inspektoren aufgerufen, die Einhaltung der Schulordnung zu überwachen.

David Dürr hatte viele Berufe/Ämter. Bereits vorher scheint er "Jägersmann" oder "Waidmann im Schloß" gewesen zu sein, also Jäger des Freiherrn v. Stetten. Darauf wird mehrfach verwiesen, z.B. 1649 in einem Pateneintrag.
Die Schulmeister waren zudem verpflichtet, sich um die Uhr am Kirchturm zu kümmern. Wenn sie streikte, mußten sie sie reparieren, er war also auch Kirchturmmechanicus. Zudem war er der Feldmesser des Freiherrn. Als Gerichtsschreiber hatte er nur gelegentlich zu tun, weil es kein regelmäßig geführtes Gerichtsbuch gab, keine regelmäßigen Gerichtstermine. Fallweise schrieb er gerichtliche Entscheidungen. Kaum erwähnenswert, aber wahr: Der Schulmeister war auch "Zehntherr" (Rauser, S. 330b-331): Über ein winziges Stückchen Acker, von dem er wiederum nur ein Drittel des Ertrages erhielt. Im Jahr machte das die Summe von 48 Kreuzern aus, weniger als einen Gulden.
Und schließlich war er, quasi privat, "Weingärtner", wie das in Württemberg genannt wird. Er hatte einen oder mehrere Weinberge und erzielte dort z.B. i.J. 1665 "12 Eimer Wein", das sind ca. 1200 Liter, die er sicher nicht alleine trank. Und natürlich war er Bauer.
Er scheint also ein immenses Tagesprogramm gehabt zu haben, kaum vorstellbar für nur einen einzelnen Mann, aber offenbar schaffte er das.
Nun ja, er hatte Familie und wohl auch Burschen und Mägde.

Über seine Vorfahren und die seiner Frau gibt es derzeit keine Erkenntnisse. Den Todestag seiner Frau kenne ich nicht. Die Geburt seines Sohnes Johannes setze ich an mit ca. 1635-40.

Viel Spaß damit wünscht
Corrado

Geändert von Corrado (23.06.2020 um 16:22 Uhr)
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  #27  
Alt 24.06.2020, 20:09
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Erbanteil für Johannes Dürr

Hallo!

Auch wenn es vielleicht keinen interessiert: das Erbe (soweit ich es entziffern konnte).
Vorweg: Die jüngste Tochter Davids muß Anna Margarethe heißen, der Name taucht immer wieder bei den geschwisterlichen gegenseitigen Verpflichtungen auf. Die Erbanteile von Johannes, immerhin der älteste Sohn David Dürrs, erscheinen mir erstens geringer als die seiner Geschwister, selbst der Schwestern, zweitens wird mehrmals hervorgehoben, daß er sich seinen Anteil bei Mutter bzw. Geschwistern zu holen habe.

An Liegenden Gütern: Lasse ich weg, die Flurnamen kann ich eh nicht sicher entziffern. Nur: (2 fl 30 Xr??) am Kirschgärtlein von der Anna Margaretha zu empfangen, womit sein ausstendiges Mütterliches und heurathsgut ersetzet(?)/ergetzet(?) war.
Er ist also verheiratet.

An barem Geld: Kann ich nicht entziffern, er scheint insgesamt 10 Münzen zu erhalten, darunter wohl Königs- und Reichstaler.

Von den Schulden: (der viell. interessanteste Abschnitt)
etwa: ...kommen Ihme an denen jenigen 8 fl welche er wegen empfangner Geburts- und Lehrbrieff in gemeine Massa schuldig geworden und der bruder von seiner Erbsportion paar(?) aufgelegt, wider zum 5. Teil in das übrig betheilen sich die andern Geschwistrig. (folgen 2 Schuldenposten Johannes' bei Friedrich und bei Barbara).
Bei keinem der anderen Geschwister ist von Geburts-und Lehrbriefen die Rede. Daß Johannes sie offenbar brauchte, dürfte auf seinen Wegzug in eine andere Herrschaft hinweisen. Es ist nichts weiter angemerkt zur Art der Lehre, zum neuen Wohnort, etc.
Aus den Schuldenangaben bei Barbara geht hervor, daß sie verheiratet war.
Obwohl Friedrich 1682 bereits 7 Jahre verheiratet war, steht bei ihm nichts von Heiratsgut.

An Cupfer, Mößing, Zien und Eisengeschirr:
Im Gegensatz zu allen übrigen Geschwistern fehlt bei ihm eine Aufzählung einzelner Stücke, stattdessen: 1 Mößing Stollpfännlin(?), 1 Vintaußen. Und: 10 .. hat er bei Eva, 20 bei Barbara, 10 bei Anna Margarethe vor seinen Anpart Zien zu gewarten. Mus sie (= ?) ihm ferner vor einen Teller gutthun. Geringe Mößing Pfannen bei Friedrich zu nehmen.

Tuchstücke usw.:
4 hembden gut und böß
3 Schnuptücher
1 Handquehl
1 Pfüllen Ziechen
1 Grob Tischtuch
1 Flachsin und
1 Grob Ceilach
8 … Tuch beim Friedrich
12 … vor die 3. Sträng Garn bei dem selben
(dazu wohl steht bei Friedrich: des Johannes seine 3 Stränga die er an
sich erhandelt mus er mit 12 Xr(?) bezahlen)
1 halb Bett zum halben Theil(!!)
1 Sackh

Von Wein und Kellerei:
… (Ziffern, die ich nicht lesen kann) hat er vom Faß und
… ( " ) vom Wein zu erfordern.

Allerhand Hausgerät und Gerümpel:
1 Napf
1 herpen, welche der Nagelschmied pro 15 Xr(?() erkauft und ihm zu
bezahlen hat.
1 Schohren(?)
1 Maißel
1 Sichel
die halbe Waag
1 Tisch
1 Behällterlin
1 Schrannen
1 Stuel

An Kuchen und Kuchenspeiß:

An Viehe:
24 .. (Ziffer?) Muß die Mutter ihm vor sein Gebühr Viehe erstatten.

An Büchern:
Nichts in seiner Spalte, aber rechts unten auf der Seite sind etliche Bücher ohne für mich erkennbare Zuordnung aufgereiht. Auf dieser Seite stehen die "Erbportionen" von Johannes, Friedrich und Anna Margarethe.
1 Sturm &(?) Stempelbuch
1 allt Testament
1 Habermann
1 Cathechismus und Sprüchebuch
1 Thum &(?) geloisenes fra… (Blattecke umgeknickt)
1 Fritsh &(?) wunder Kr...
1 Arnats Cueß Pre….g (was immer das sein kann)

Auf der anderen Seite mit den 3 Spalten zur Witwe Barbara und den beiden ältesten Töchtern Eva und Barbara (als solche werden sie auch irgendwo im Text genannt), werden ebenfalls Bücher aufgelistet.
Bei der Mutter: (die Zahlenangaben verschwinden meist im abgegriffenen Blattrand)
1/2 Postill
1 historienbuch
… Paradiß gärtlin
… Gesangbücher
… (Blattecke umgeklappt, nichts zu lesen, aber da steht noch was)

Bei den beiden Töchtern:
1 halbe Bibel
2 Gesang bücher
1 Historien buch
1 Gebetbuch
1 Habermann


Schöne Grüße an alle, die bis hierhin durchgehalten haben!
Corrado

Geändert von Corrado (26.06.2020 um 14:26 Uhr) Grund: Korrektur und Ergänzung
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  #28  
Alt 01.07.2020, 22:22
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Ende

Nun, ganz augenscheinlich interessiert sich nicht mal mehr der Themenstarter für diese Seite, geschweige denn andere, und als Alleinunterhalter komme ich mir ein bißchen blöd vor. Also schließe ich hiermit meine Beiträge.

Corrado
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  #29  
Alt 01.07.2020, 23:21
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Standard Kein Ende!

Grüß Gott, Corrado!

Als allererstes muß ich einen recht großen herzlichen Dank für die vielen spannenden und sehr intereßanten Beiträge ausdrücken!

Ich muß selber zugeben mir war vor ein paar Monaten etwas die Luft ausgegangen, da ich trotz sehr zahlreiche Beiträge besonders an der Böhmer- und Bukowina-Seiten und teilweise auch auf den Bayern-Seiten nur eher wenige Zurückmeldungen bekam. Und ich hatte das Gefühl überall etwas gegen die «Steinwand» zu stoßen. Und mit der Corona-Pandemie wurden ja so viele Archiven geschloßen, und die Möglichkeiten selber dort zu forschen wurden sehr beschränkt, z.B. wollte ich sehr gerne die katholische Kirchenbücherarchiv in Regensburg ausforschen. Diese sind ja überhaupt nicht online zugänglich!

Zurselben Zeit bekam ich im Auftrag eine Biographie in Norwegen zu erweitern, was ich alles über Internet erledigen kann, und was mir auch sehr viel Zeit kostet.

Ich will aber bald wieder zur Forschung der Vorväter meiner lieben Frau zurückkehren und sehe es als eine sehr große Herausforderung die Geheimniße der DÜRR-Familie auszuforschen! Ich weiß nicht ob ich so viel dazu beitragen kann, weil ich finde Ihre Beiträge sehr beeindruckend, und ich glaube sehr stark daran, Sie sind in der Nähe von der Wahrheit! Ich fahre nächste Woche in Urlaub nach Süd-Frankreich und werde die Fundstücke dann gründiger studieren.

Sonst würde ich mich wünschen, direkten Kontakt mit Ihnen aufzunehmen. Ich wohne selber im Landkreis Wolfratshausen-Bad Tölz... Wo wohnen Sie?

Ich freue mich auf weitere Kontakt, und ich bedauere erneut meine späte Antwort zu Ihren wunderbaren Beiträgen!

Hochachtungsvoll,

Lars E. Oyane

PS: Letztes Jahr war ich sehr krank und lag das halbe Jahr im Krankenhaus. Jetzt geht es mir aber, gottseidank, viel beßer, so wenn diese Corona-Pandemie weniger agreßiv wird, plane ich mit meiner Frau mehrere Ausflüge zu machen, die Wohnsitze ihrer Vorvätern zu besuchen, und je genauer man sie kennt, je beßer!
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  #30  
Alt 18.07.2020, 16:05
Corrado Corrado ist offline männlich
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Standard Einwand

Noch einmal hallo!

Gegen einen vielleicht naheliegenden Einwand, der gemacht wurde.
Johannes Dürr habe den Geburts- und Lehrbrief bereits "verbraucht" für den Umzug an den Ort, an dem er jetzt (1682) mit Frau und Familie wohnt. Mithin seien die beiden Briefe keineswegs ein Hinweis auf seinen im März/Mai 1682 bevorstehenden Umzug (z.B. nach Merchweiler).

Den wichtigen Hinweis zur Entkräftung liefert die Angabe in der Vermögensaufteilung vom März 1682, sein Bruder (Friedrich) habe diese Briefe bar bezahlt und sei noch nicht dafür entschädigt worden. Johannes Dürr taucht im 1666 einsetzenden Taufbuch von Kocherstetten nie auf. Er muß also um die Zeit seiner Eheschließung (1662-64) Kocherstetten verlassen haben. Sein Bruder Friedrich wurde err. 1649 geboren. Dieses Geburtsjahr basiert auf der Altersangabe im Sterbebuch. Altersangaben sind meist übertrieben, er dürfte also eher 1650 oder 1651 geboren worden sein. Wenn also Johannes Dürr bis 1664 einen Geburts- und Lehrbrief an seinem neuen Wohnort brauchte und erhielt, müßte sein 12-13jähriger kleiner Bruder ihm diese 8 Gulden vorgestreckt haben. Nicht sein Vater und nicht sonst jemand. Daß damals ein Knabe dieses Alters 8 Gulden besaß und sie seinem älteren Bruder vorgestreckt und sie 20 Jahre lang nicht zurück gefordert haben könnte, halte ich für schwer vorstellbar.
Sehr viel plausibler ist eine Ausstellung der Briefe in jüngster Vergangenheit, um mit der Familie nach April/Mai 1682 wegzuziehen.

Offen bleibt weiterhin die Frage, ob Davids Sohn Johannes mit Ottilie Hack/Schütz verheiratet war.

Alles Gute
Corrado
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dürr , frankfurt , haack , hartmann , saarland , sachsenhausen

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