#1  
Alt 07.08.2016, 23:39
JForejt JForejt ist offline männlich
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Frage Die Sprachliche Situation im 18ten Jahrhundert

Die Suche betrifft das Jahr oder den Zeitraum: 18. Jahrhundert
Genaue Orts-/Gebietseingrenzung: Fremersdorf


Hallo!

Ich habe Ahnen, die aus Fremersdorf (heute Ortsteil von Rehlingen-Siersburg) stammten und wundere mich, was genau die sprachliche Situation damals war. Im 18ten Jahrhundert waren die meisten der Bevölkerung in Fremersdorf zweisprachig (Deutsch/Französisch) oder konnten sie nur auf Moselfränkisch reden?

Mit freundlichen Grüßen aus den USA,
Jay

Geändert von JForejt (08.08.2016 um 00:19 Uhr)
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  #2  
Alt 09.08.2016, 18:50
wiwack wiwack ist offline
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Hi,
da kann man lange reden.
Die Muttersprache im Bereich der unteren Saar war (und ist) Moselfränkisch, im Bereich der oberen Saar Rheinfränkisch, die Sprachgrenze liegt in etwa zwischen Hostenbach/Wadgassen und dem völklinger Stadtteil Wehrden.
Französisch sprach eigentlich keiner, obwohl es zu Napoleons Zeiten Amtssprache war, "Hochdeutsch" - die Schriftsprache - auch nicht.
Das Rheinrfänkische hat die Lautverschiebung von t nach s ( z.B. dat zu das ) mitgemacht, die von p nach pf nicht : Die Pfeife blieb die Peif, die Pfanne die Ponn ( Achtung: kurzes offenes o, der sechste rheinfränkische Vokal). Die Pfälzer blieben Pälza : Uff dii Bääm, dii Pälza kumme - runna funn de Bääm se waares nitt. ( Achtung, auch das e ist kurz und stimmlos ). Es gab in einigen Bereichen Lehnwörter aus dem Französischen : Trottwaa = Bürgersteig, Blaffong = Decke, parrablee = Regenschirm, das Scheesewäänsche nicht zu vergessen und auch Kannapee und Schässelong nicht. Ich habe als Kind lange Zeit vergeblich gegrübelt was wohl "Kattaschwullje" ist.
Und der Budda ist männlich, die Finschda auch in der Einzahl weiblich. Unn dass geed uff kää Kuuhaud.
Ich bin Rheinfranke dehämm lings vunn da Saa.

mfG

Willi W.
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  #3  
Alt 09.08.2016, 22:04
Benutzerbild von Rolf Stichling
Rolf Stichling Rolf Stichling ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von wiwack Beitrag anzeigen

Die Muttersprache im Bereich der unteren Saar war (und ist) Moselfränkisch, im Bereich der oberen Saar Rheinfränkisch, die Sprachgrenze liegt in etwa zwischen Hostenbach/Wadgassen und dem völklinger Stadtteil Wehrden.
Französisch sprach eigentlich keiner, obwohl es zu Napoleons Zeiten Amtssprache war, "Hochdeutsch" - die Schriftsprache - auch nicht.
Nur mal eine kleine Anmerkung:

Die Französische Revolution fand erst am Ende des 18. Jahrhunderts statt. Und erst einige Jahre nach der Französischen Revolution wurde das linksrheinische Gebiet von französischen Truppen besetzt und dem französischen Staat einverleibt.
Insofern kann man wohl nicht davon sprechen, daß im angesprochenen Gebiet im 18. Jahrhundert Französisch "Amtssprache" gewesen sei.
In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts als das linksrheinische Gebiet von Frankreich annektiert war (also bis zur Niederlage Napoleons), haben die Franzosen dann allerdings das Französische als Amtssprache eingeführt.

Geändert von Rolf Stichling (09.08.2016 um 22:24 Uhr)
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  #4  
Alt 10.08.2016, 00:39
JForejt JForejt ist offline männlich
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Vielen Dank für die Antworten

Zitat:
Zitat von Rolf Stichling Beitrag anzeigen
Nur mal eine kleine Anmerkung:

Die Französische Revolution fand erst am Ende des 18. Jahrhunderts statt. Und erst einige Jahre nach der Französischen Revolution wurde das linksrheinische Gebiet von französischen Truppen besetzt und dem französischen Staat einverleibt.
Insofern kann man wohl nicht davon sprechen, daß im angesprochenen Gebiet im 18. Jahrhundert Französisch "Amtssprache" gewesen sei.
In den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts als das linksrheinische Gebiet von Frankreich annektiert war (also bis zur Niederlage Napoleons), haben die Franzosen dann allerdings das Französische als Amtssprache eingeführt.
Eigentlich wurde Fremersdorf 1661 zu einer französischen Exklave. Französisch war also 154 Jahre die Amtsprache im Dorf, wenn ich mich nicht irre. Deswegen habe ich nach der sprachlichen Situation gefragt.

MfG,
Jay
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  #5  
Alt 10.08.2016, 01:23
wiwack wiwack ist offline
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Hi
es gibt unzählige regionale Eigenheiten. Deshalb gebe ich noch einen Satz zum Besten, den ich selbst in Kleinrosseln - im 20. Jahrhundert - gehört habe :

Schakk schass mool dii hinggle ausem schaadeng dii fresses gons leschümm.

mfG
Willi W.
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  #6  
Alt 10.08.2016, 05:37
JForejt JForejt ist offline männlich
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Zitat:
Zitat von wiwack Beitrag anzeigen
Hi
es gibt unzählige regionale Eigenheiten. Deshalb gebe ich noch einen Satz zum Besten, den ich selbst in Kleinrosseln - im 20. Jahrhundert - gehört habe :

Schakk schass mool dii hinggle ausem schaadeng dii fresses gons leschümm.

mfG
Willi W.
Danke für's weitere Beispiel, Willi, aber ich hab leider keinen Schimmer was das bedeuten soll Kleinrosseln ist in Frankreich, stimmt's? Ich find's gut, dass die Lothringer ihre alten Mundarten bewahren. Neulich habe ich gelesen, dass der Dialekt in Fremersdorf ausgestorben ist. Heute sprechen sie Hochdeutsch.

MfG,
Jay
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  #7  
Alt 10.08.2016, 10:45
wiwack wiwack ist offline
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Hi,
dann zum Schluss noch die Übertragung ins Hochdeutsche ( Franzosen mögen mir verzeihen, aber auf Französisch trau ich mich nicht )

Jakob (Jaques) jage (chasse) mal die Hühner aus dem Garten (jardin), die fressen das ganze Gemüse (legume) .

Ich kenne nun die spezielle Situation in Fremersdorf nicht, aber im Warndt und im unteren Köllertal ist der Dialekt ( genau genommen eine eigene Sprache ) nicht ausgestorben, wenn auch in den Schulen und von den "vornehmen" Leuten das sog. Hochdeutsch benutzt wird. Dann entsteht das "Hochdeutsch mit Strüfen drin".
Versucht ein moderner Saarländer - im 21. Jahrhundert - in Westfalen eine Jacke mit den Worten zu kaufen :
" Ich hätte gern einen Juppen, der nicht krumpelt". Auf den verständnislosen Blick des/der Verläufer(s)/in etwas hochmütig "Ja, sind Sie denn der deutschen Sprache nicht matz ?"

mfG
Willi W.
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  #8  
Alt 10.08.2016, 13:39
wiwack wiwack ist offline
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Hi
doch noch eine Bemerkung zu den Lothringern:
Ich würde wetten, dass die bekannte französische Sängerin Patricia Kaas (natürlich auch eine "Verwandte") - im Großraum Forbach geboren - bis zu ihrer Schulzeit kaum ein Wort Französisch sprach. Das mag wohl auch für die französische Nationalheilige Jeanne d'Arc gelten.
mfG
Willi W.
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  #9  
Alt 10.08.2016, 18:39
Benutzerbild von liseboettcher
liseboettcher liseboettcher ist offline weiblich
 
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Daumen hoch saarländisch.........

Danke für die herrlichen Beispiele im Dialekt. Ich verstehe als aus Sachsen - Anhalt (Preußen) stammende seit 43 Jahren in Sachsen wohnende Hallenserin (keine Hallorin oder Halunkin) zwar fast nichts, freue mich aber über solche erfrischenden Nachrichten.

Freundliche Grüße
Lise
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  #10  
Alt 10.08.2016, 19:47
wiwack wiwack ist offline
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Hi Lise
danke für die Blumen.
Genealogie sollte sich doch nicht im tumben Auflisten von Zahlen erschöpfen.
Ich habe mal nach Patricia Kaas gegoogeld, die Wette hätte ich gewonnen.
Übrigens : Auch Charles de Gaulle war Lothringer.
mfG
Willi W.
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