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  #1  
Alt 20.08.2011, 01:17
Benutzerbild von christian porzelt
christian porzelt christian porzelt ist offline
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Standard Wappen Ulrich verliehen durch Paul Melissus

Hallo zusammen,

ich bin auf der Suche nach einer Abbildung des durch den Hofpfalzgrafen Paul(us) Melissus um 1600 an Elias Ulrich (lat Ulricus) verliehene Wappen. Dieser war Buchhändler in Zerbst. Wahrscheinlich wurde das Wappen auch von seinen beiden Bürdern David und Daniel geführt. Laut Beschreibung findet sich im Wappenschild ein Kranich.

Mehr weis ich dazu leider nicht zu sagen. Über jede Hilfe bin ich wie immer sehr dankbar.
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Gruß Christian
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  #2  
Alt 20.08.2011, 02:39
gustl gustl ist offline
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Hallo Christian,

meinst Du diesen Paul Melissus?

http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Melissus

Er wäre wohl nicht befugt gewesen, Wappen zu verleihen, was aber nicht heißt, dass Dein Elias Ulrich keines geführt hat.

Wenn Du dieses Wappen nicht in den üblichen Sammlungen finden kannst, dann versuche es doch einmal beim Zerbster Stadtarchiv:

http://www.stadt-zerbst.de/index.php?id=155040000820

So wie Du es schreibst, scheint mir, dass schon der Herr Papa der drei Brüder dieses Wappen geführt haben wird. Im Zerbster Archiv werden sie das Wappen selbst nicht finden, aber vielleicht Urkunden, auf denen die Ulrichs gesiegelt haben.

Viel Glück und viele Grüße
Cornelia
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  #3  
Alt 20.08.2011, 03:30
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christian porzelt christian porzelt ist offline
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Auch wenn ich dir hier widersprechen muss

Paul Melissus war in seinem Amt als Hofpfalzgraf durchaus befugt Wappen zu verleihen. Er konnte sogar Personen in den Adelsstand erheben und kaiserliche Notare ernennen.

Siehe auch hier: http://de.wikipedia.org/wiki/Hofpfalzgraf

Aber danke dir, für deinen Tipp mit dem Stadtarchiv.
Der Vater der drei Brüder war übrigens anhaltischer Generalsuperintendent und Pfarrer der St. Bartholomäuskirche in Zerbst.
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Gruß Christian

Geändert von christian porzelt (20.08.2011 um 11:01 Uhr)
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  #4  
Alt 20.08.2011, 04:09
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Hallo Cornelia,

so merkwürdig es klingt aber Paul Schede (Paulus Melissus) war tatsächlich nicht nur Dichter, Schriftsteller und Humanist, sondern er war auch kaiserlicher comes palatinus, also kaiserlicher Pfalzgraf und damit befugt, im Namen des Kaisers Wappen zu verliehen. Es sind eine ganze Reihe Wappenverleihungen durch ihn bekannt. In den meisten Fällen hatten ja Juristen diese Funktion inne, deshalb mutet ein Schriftsteller etwas merkwürdig an. Er hat aber nicht nur Wappen verliehen, sondern auch u.a. poeta laureatus (Dichter) gekrönt, z.B. 1595 den Humanisten Peter Lindenberg.


Hallo Christian,

das Wappen mit dem Kranich (die Familie führte den Beinamen Cranach) ist in der Leichenpredigt von Wolfgang Amlingus für Elias Ulrich 1601 abgebildet.

Leider konnte ich das Wappen in den Siebmacher-Bänden nicht finden.

Viele Grüße
Hina
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  #5  
Alt 20.08.2011, 11:00
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Danke Hina,

tja, was soll man sagen, der gute Paul Melissus war einscheinend einfach ziemlich vielseitig.

Von der Leichenpredigt wusste ich schon, aber danke nochmal für den Link.
Da man sie anscheinend in der Landesbibliothek Coburg einsehen kann, werde ich da mal mein Glück versuchen.

In einer Veröffentlichung zu der Familie Ulrich, die ein ziemlich interessantes Stammbuch aus den Jahren 1549-1623 hinterlassen hat, wird auch schon über das Wappen gerätselt, da es scheinbar in keinem "offiziellen" Wappenverzeichniss auftritt.
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Gruß Christian
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  #6  
Alt 20.08.2011, 16:06
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Hallo Hina, hallo Christian,

die Geschichte ist ja richtig spannend! Zerbst mit dem Gymnasium illustre war ja damals ein Zentrum der Reformation, aber Paul Melissus muss ja wohl katholisch gewesen sein oder irre ich mich da?

Zerbst war auch für unsere Familie ein geistiger Mittelpunkt, aber im Augenblick stecke ich noch im 19. Jahrhundert fest mit der Aufarbeitung der Familienakten. Vor Anfang nächsten Jahres werde ich im 16./17. Jahrhundert nicht ankommen.

Zum "Beinamen Cranach": Wie wäre die Familie Ulrich denn zu diesem Beinamen gekommen? Die Malerfamilie, die ja ganz in der Nähe in Wittenberg wirkte, hatte doch ein ganz anderes Wappen?

Leicht ratlos grüßt Euch
Cornelia
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  #7  
Alt 20.08.2011, 16:22
Lenz Lenz ist offline
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Ich denke, dass er, oder seine Vorfahren, aus Cranach (Kronach) gebürtig waren und er sich deshalb als "Ulrich von Cranach" bezeichnete. Eine Verwandtschaft mit Lukas Cranach d. Ä. (eigentlich Lukas Sunder) der auch in Cranach (Kronach) geboren wurde, ist m. E. mehr als unwahrscheinlich.

Dieser Namenzusatz "genannt", war im 15. und 16. Jahrhundert nicht ungewöhnlich.

Mit freundlichem Gruß Lenz

Geändert von Lenz (20.08.2011 um 16:32 Uhr)
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  #8  
Alt 20.08.2011, 16:29
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Hina Hina ist offline weiblich
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Hallo Cornelia,

in dem Fall hatte sich schon der Vater Abraham Ulrich den Beinamen Cranach zugelegt. Er stammte wohl aus Kronach in Unterfranken. Eine Verbindung zu Lucas Cranach ist meines Wissens nicht nachgewiesen. Es gab aber eine ganze Reihe Familien quer durch Deutschland, die diesen Namen führten und ebenso eine ganze Anzahl verschiedener Cranach-Wappen.

Viele Grüße
Hina

Ups, jetzt war Herr Lenz schneller .
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  #9  
Alt 20.08.2011, 17:44
gustl gustl ist offline
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... herzlichen Dank an beide! An den "Müller-Lüdenscheid"-Effekt habe ich natürlich nicht gedacht. Ich werde das aber im Hinterkopf behalten, wenn ich das nächstemal in der Korrespondenz auf den Namen Cranach stoße. Ich kann mich nur leider nicht mehr erinnern, wo ich da was gelesen habe und worum es ging.

Sonnige Grüße
Cornelia
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  #10  
Alt 20.08.2011, 17:48
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christian porzelt christian porzelt ist offline
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Da ich grade eine Kurz-Biographie über diesen Kronacher Theologen Abraham Ulrich Cranach schreibe, kann ich vielleicht wegen dem aufkommenden Interesse daran noch einiges beitragen.

Der gute Mann sah übrigens so aus:
http://www.portraitindex.de/db/apsis...VBivl_AQxNUqE=
Wie schon richtig vermutet stammt er aus Kronach, wo er 1526 geboren wurde.
Wie viele andere Kronacher begann er zu der Zeit ein Studium an einer der vielen bereits durch Luther sehr reformatorisch geprägten Universitäten in Sachsen (Wittenberg und später Leipzig).
Da er unter anderem auch längere Zeit als Hauslehrer der Familie der Grafen von Barby und Mühlingen in Wittenberg tätig war und dort auch ziemlich angesehen war, dürfte er mit dem jüngeren Lucas Cranach gut bekannt gewesen sein.

Dessen Vater war, wie ja schon bemerkt, auch aus Kronach stammend, war aber zu der Zeit schon tot.
Ein ebenfalls aus Kronach stammender Theologe, der die verwandtschaftliche Brücke spannt, zwischen den Cranachs und den Ulrichs, war der Vetter des Lucas Cranach d. Ä., der Theologe Matthias Gunderam (auch Gundermann). Dieser war Hauslehrer des älteren Lucas Cranach. Sein Sohn Conrad Gunderam war ein Schwager des David Ulrich, Sohn des Abraham Ulrich aus Kronach.

Scheinbar hielten die alten Kronacher im fernen Sachsen also noch ziemlich zusammen. Um zu beurteilen zu können, ob vielleicht schon in Kronach irgendwelche verwandtschaftlichen Beziehungen bestanden, dürfte die Quellenlage um 1500 aber leider schon zu dünn sein.
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Gruß Christian
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